Griechenland – Mit der heutigen Freigabe des letzten nördlichen Bauabschnitts ist die Autobahn E65 (Autobahn Mittelgriechenland) vollständig in Betrieb. Das 182,1 Kilometer lange Infrastrukturprojekt verbindet ab sofort die Hauptverkehrsachse Athen–Thessaloniki direkt mit der Egnatia Odos im Norden des Landes und schafft so eine nahtlose Verbindung zwischen Ost- und Westgriechenland.
Wie die staatliche Nachrichtenagentur APE-MPE berichtet, findet die offizielle Einweihung am Donnerstagabend um 19:00 Uhr am 167. Kilometer der Strecke statt. Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis wird das Projekt gemeinsam mit der Führung des Verkehrsministeriums offiziell dem Verkehr übergeben.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Fahrzeit zwischen Athen und Grevena schrumpft auf rund vier Stunden.
- Letzter 46 Kilometer langer Abschnitt zwischen Kalambaka und Grevena vollendet.
- Erhebliche Zeitersparnis für Logistiktransporte vom Hafen Piräus in Richtung Balkan.
Strategischer Lückenschluss im europäischen Netz
Das von dem Bauunternehmen TERNA umgesetzte Milliardenprojekt ist Teil des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-T). Mit der Eröffnung der letzten 46 Kilometer zwischen Kalambaka und Grevena ist die E65 nun auf ihrer gesamten Länge von 182,1 Kilometern befahrbar. Sie wurde komplett neu trassiert und verfügt über zwei Fahrspuren pro Richtung zuzüglich eines Standstreifens.
Die Fertigstellung bringt eine massive Zeitersparnis für den Personen- und Güterverkehr mit sich. Fahrten aus dem Großraum Athen in die Regionen Westthessalien und Westmazedonien, insbesondere nach Grevena, sind nun in etwa vier Stunden machbar. Gleichzeitig verbessert sich die verkehrstechnische Anbindung bedeutender touristischer Ziele drastisch. Orte wie die Meteora-Klöster, der Plastiras-See, Karpenisi sowie die Stadt Trikala rücken für Reisende aus Süd- und Nordgriechenland deutlich näher.
Sicherheit und Infrastruktur für Autofahrer
Die Betreibergesellschaft bietet auf der neuen Trasse einen umfassenden Service. Dazu gehören 24-Stunden-Sicherheitspatrouillen und eine kostenlose Pannenhilfe bei Fahrzeugausfällen. Über die Notrufnummer 1075 sowie eine zentrale Kundenservicenummer wird schnelle Hilfe gewährleistet.
Von den vier geplanten großen Autobahnraststätten (Lianokladi, Sofades, Raxa und Karpero) sind derzeit die Anlagen in Lianokladi und Sofades in Betrieb. Die Mauterhebung erfolgt über vier Frontal- und fünf Seitenmautstellen, wobei an der Station in Trikala (Fahrtrichtung Lamia) ein spezielles Kundenzentrum eingerichtet wurde.
Beeindruckende Bauwerke: Tunnel und Brücken
Die topografischen Herausforderungen Mittelgriechenlands machten den Bau zahlreicher Ingenieurbauwerke notwendig. Die E65 umfasst insgesamt 14 Anschlussstellen, 114 Über- und Unterführungen sowie 31 Brücken. Das längste Brückenbauwerk überspannt den Fluss Pineios auf einer Länge von 595 Metern.
Darüber hinaus mussten fünf Zwillingstunnel durch die Bergmassive getrieben werden. Der größte von ihnen, der Tunnel T2 durch das Othrys-Gebirge, weist eine Länge von drei Kilometern auf. Gesteuert und überwacht wird die gesamte Infrastruktur über vier Wartungszentren, vier spezielle Tunnel-Kontrollzentren sowie ein zentrales Verkehrsmanagement-System.
Neue Lebensader für den internationalen Frachtverkehr
Neben dem Tourismus profitiert vor allem die Wirtschaft von dem neuen Straßenkorridor. Die E65 etabliert eine völlig neue und kürzere Route von Südgriechenland in Richtung Westbalkan. Über den direkten Anschluss an die Egnatia Odos wird auch der Fährhafen Igoumenitsa – das Tor nach Italien und Mitteleuropa – wesentlich effizienter mit dem Hafen von Volos verbunden.
Für die Logistikbranche ergeben sich handfeste wirtschaftliche Vorteile: Die reine Transportzeit für Fracht, die am Hafen von Piräus ankommt und in Richtung der westlichen Balkanstaaten weitertransportiert werden soll, verringert sich durch die E65 um rund zwei Stunden.