Athen – Die griechische Staatsschuldenquote sinkt im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) rapide, doch die Rückzahlung der Hilfskredite aus der Ära der Euro-Krise bleibt eine langfristige Belastung. Ein erheblicher Teil der Darlehen, die während der Rettungsprogramme gewährt wurden, bleibt noch für Jahrzehnte im Tilgungsplan. Ende 2025 beliefen sich die Verbindlichkeiten Griechenlands gegenüber europäischen Institutionen auf rund 220 Milliarden Euro, was etwa 88 Prozent der damaligen Wirtschaftsleistung entsprach.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der ausstehende Saldo der Rettungskredite (GLF, EFSF und ESM) beläuft sich auf 211,4 Milliarden Euro.
- Die letzte Rückzahlungsrate an den europäischen Rettungsschirm EFSF wird erst im Jahr 2070 fällig.
- Die Schuldenquote soll bis Ende 2026 weiter auf 136,8 Prozent des BIP sinken.
Milliardenkredite aus der Euro-Krise: Der Zeitplan bis 2070
Die drei Anpassungsprogramme der Jahre 2010 bis 2018 waren mit enormen finanziellen Hilfen verbunden. Wie aus dem Frühjahrsbericht 2026 des Hellenischen Fiskalrates hervorgeht, beliefen sich die Darlehen der Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf insgesamt 288,7 Milliarden Euro. Während die IWF-Kredite in Höhe von 32,1 Milliarden Euro bereits im April 2022 vollständig zurückgezahlt wurden, bleibt der Berg an europäischen Schulden gewaltig.
Der noch ungetilgte Betrag aus der sogenannten Greek Loan Facility (GLF) sowie den Rettungsschirmen EFSF und ESM liegt derzeit bei 211,4 Milliarden Euro. Das größte Volumen entfällt dabei auf den EFSF. Von den ursprünglich gewährten 141,8 Milliarden Euro sind noch etwa 125,7 Milliarden Euro offen. Die jährlichen Raten für diese Tranche strecken sich laut dem aktuellen Tilgungsplan der Zentralregierung bis ins Jahr 2070. Die ESM-Darlehen aus dem dritten Hilfsprogramm umfassen 58,8 Milliarden Euro und sollen im Zeitraum zwischen 2034 und 2060 beglichen werden.
Vorzeitige Tilgung bilateraler Kredite und neue europäische Verpflichtungen
Bei den bilateralen Darlehen des ersten Rettungsprogramms (GLF) weist Griechenland einen ausstehenden Betrag von 26,3 Milliarden Euro auf. Athen hat die Rückzahlung in diesem Bereich beschleunigt. Nach den vorzeitigen Tilgungen in den Jahren 2024 und 2025 schätzt der Fiskalrat, dass Ende 2026 noch rund 19 Milliarden Euro verbleiben. Diese könnten bei anhaltend guter Haushaltslage bis zum Jahr 2031 vorzeitig abgelöst werden.
Neben den reinen Rettungskrediten hat das Land weitere europäische Verbindlichkeiten aufgebaut, die jedoch nicht dem sogenannten “Memorandums-Schuldenberg” zugerechnet werden. Die Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) und des SURE-Programms belaufen sich auf ungetilgte 11,6 Milliarden Euro. Hinzu kommen 11,4 Milliarden Euro aus der europäischen Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF), deren erste Tilgung für das Jahr 2032 vorgesehen ist. Insgesamt umfassen die im Zeitplan erfassten europäischen Kreditverpflichtungen Griechenlands damit mehr als 234 Milliarden Euro.
Strikte Haushaltspolitik treibt den Schuldenabbau voran
Trotz der hohen absoluten Beträge verzeichnet Griechenland eine deutliche Entspannung bei der relativen Schuldenlast. Der Fiskalrat berechnete, dass die Schuldenquote des Gesamtstaates von 154,2 Prozent im Jahr 2024 auf 146,1 Prozent im Jahr 2025 gesunken ist. Für das laufende Jahr 2026 wird ein weiterer Rückgang auf 136,8 Prozent prognostiziert. Bis 2029 soll der Wert sogar unter die Marke von 120 Prozent des BIP fallen.
Diese positive Entwicklung stützt sich auf ein starkes nominales Wirtschaftswachstum, die Inflation sowie kontinuierlich hohe Primärüberschüsse im Staatshaushalt. Allein der Primärüberschuss trug 2025 maßgeblich mit 4,9 Prozentpunkten zum Rückgang der Schuldenquote bei. Für 2026 wird ein weiterer Effekt von 3,2 Prozentpunkten erwartet.
Der Hellenische Fiskalrat mahnt jedoch, dass die langfristige Schuldentragfähigkeit systematische Haushaltsüberschüsse voraussetzt. Die Empfehlungen der Europäischen Kommission sehen vor, dass Griechenland kurz- und mittelfristig einen durchschnittlichen Primärüberschuss von rund 2 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielen muss, um den Schuldenabbau nachhaltig abzusichern.