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Ein frustrierter Bewerber sitzt bei einem Vorstellungsgespräch ohne klare Gehaltsangaben
Wirtschaft

Frust bei der Jobsuche: Was junge Arbeitnehmer in Griechenland fordern

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
11.04.2026 20:27
Antonia Feldberg
GriechenlandBeruf & Investitionen
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Beispielbild (KI) | GRland
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Griechenland – Ein tiefes Zerwürfnis prägt derzeit den griechischen Arbeitsmarkt: Die Erwartungen von potenziellen Bewerbern und die gängige Praxis der Arbeitgeber klaffen immer weiter auseinander. Zwei umfassende Studien des Jobportals kariera.gr belegen nun detailliert, dass Arbeitnehmer in Griechenland nicht primär nach unrealistisch hohen Löhnen suchen, sondern vor allem nach Gehaltstransparenz, fairen Einstufungen und klaren Entwicklungsstrukturen verlangen. Unternehmen, die diese Informationen zurückhalten, verlieren zunehmend den Zugang zu qualifizierten Fachkräften.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 53 Prozent der befragten jüngeren Arbeitnehmer sehen in Stellenanzeigen fast nie Gehaltsangaben.
  • 85 Prozent fordern von Unternehmen klare Angaben zur Gehaltsspanne bereits in der Anzeige.
  • 27 Prozent der Kandidaten brechen Bewerbungen sofort ab, wenn das Gehalt nicht genannt wird.
  • Besorgnis über die hohen Lebenshaltungskosten treibt 92 Prozent der Befragten an.
  • Die Studie entstand in Kooperation mit der Universität Makedonien.

Die Angst vor der Gehaltsverhandlung und der Ruf nach Regeln

Die Datenauswertung, die sich vor allem auf die Generation der Millennials und die Gen Z konzentriert, zeigt ein klares Informationsdefizit. Exakt 53 Prozent der Befragten geben an, in veröffentlichten Stellenanzeigen “fast nie oder nie” konkrete Angaben zum künftigen Gehalt zu finden. Die Prioritäten der Kandidaten sind dabei eindeutig: 85 Prozent der potenziellen Arbeitnehmer fordern in erster Linie detaillierte Informationen über die Gehaltsspanne der ausgeschriebenen Position. Weitere 65 Prozent wünschen sich bereits im Vorfeld klare Auskünfte über mögliche Boni, Zulagen und zusätzliche Unternehmensleistungen.

Die fehlende Kommunikation seitens der Unternehmen führt zu erheblicher Verunsicherung. Jeder dritte Bewerber hat das Gefühl, dass von Arbeitgeberseite keine klaren finanziellen Grenzen oder Budgets definiert werden. Dies führt dazu, dass Kandidaten oft davor zurückschrecken, ihre tatsächlichen Gehaltsvorstellungen in Vorstellungsgesprächen offen auszusprechen, aus Angst, sofort abgelehnt zu werden. Die überwältigende Mehrheit von 85 Prozent der Befragten vertritt die Ansicht, dass das Hauptproblem auf dem griechischen Arbeitsmarkt nicht zwingend die absolute Höhe des Gehalts ist. Vielmehr kritisieren sie das Fehlen klarer, verlässlicher und transparenter Mechanismen, die genau erklären, wie die Vergütung berechnet wird, welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen und unter welchen konkreten Bedingungen Beförderungen stattfinden.

Das wirtschaftliche Umfeld in Griechenland verstärkt diesen Druck massiv. Die enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten in Kombination mit einem traditionell niedrigen Lohnniveau bereiten 92 Prozent der Befragten große Sorgen. Als weitere negative Faktoren nennen 44 Prozent die generelle mangelnde Transparenz der Arbeitgeber, während 39 Prozent die Instabilität des Arbeitsmarktes sowie das Fehlen verlässlicher Vergleichsdaten für eine faire Entlohnung bemängeln. Das zentrale und unmissverständliche Fazit der Kandidaten lautet demnach: Die Arbeitgeber sollen verbindliche Gehaltsspannen, klare Regeln und nachvollziehbare Prozesse liefern, um die bestehende Unsicherheit zu minimieren.

Abgebrochene Bewerbungen: Der Preis der Intransparenz

Auf die konkrete Frage der Plattform an ihre Nutzer, welche Informationen sie über ein Unternehmen am meisten interessieren, antworten 67 Prozent mit “Gehalt und Zusatzleistungen”. Weit abgeschlagen folgen Informationen über andere offene Stellenangebote mit 38 Prozent und Details zum Arbeitsumfeld mit 32 Prozent. Die Folgen dieser mangelhaften Informationspolitik sind für die Unternehmen direkt spürbar: 27 Prozent der Bewerber gaben an, eine bereits begonnene Online-Bewerbung komplett abgebrochen zu haben, weil das angebotene Gehalt nicht explizit ausgewiesen war. Für diese Kandidaten sollte die Nennung des Verdienstes eine absolute Grundvoraussetzung für die Veröffentlichung einer Stellenanzeige sein, um beiden Seiten unnötigen Zeit- und Energieaufwand beim Sichten von Lebensläufen zu ersparen.

Die erste der beiden Untersuchungen, die in direkter Zusammenarbeit mit dem Praktikumsbüro der Universität Makedonien (Makedonia) durchgeführt wurde, bestätigt diesen Trend. Die Kandidaten in Griechenland treten deutlich anspruchsvoller und besser informiert auf. Obwohl die Höhe der Vergütung das Hauptkriterium für die Wahl eines Arbeitsplatzes bleibt, ist die absolute Klarheit über diese Summe mittlerweile der entscheidende Faktor. Das Fehlen dieser Daten wirkt stark abschreckend, weckt Misstrauen und führt dazu, dass Stellenanzeigen von namhaften und prestigeträchtigen Unternehmen rigoros ignoriert werden, wenn die Zahlen fehlen.

Sommer 2025: Kandidaten durchleuchten Firmenprofile

Die zweite Studie von kariera.gr, die im Sommer 2025 durchgeführt wurde, analysiert gezielt das Verhalten von Arbeitnehmern, die sich die Online-Profile potenzieller Arbeitgeber ansehen. Die Ergebnisse belegen, dass sich die Kandidaten nicht länger mit allgemeinen Beschreibungen zur Unternehmenskultur oder Standardfloskeln zu Mitarbeiter-Benefits zufriedengeben. Sie suchen gezielt nach harten Fakten: genaue Gehaltsrahmen, realistische Aufstiegschancen, Arbeitsbedingungen und transparente Bewertungsprozesse.

Die Glaubwürdigkeit dieser Informationen hat dabei höchste Priorität. Nutzer fassen deutlich schneller Vertrauen zu Unternehmen, die detaillierte und überprüfbare Daten bereitstellen. Profile, die sich auf rein allgemeine Formulierungen beschränken, werden systematisch gemieden. Gleichzeitig stärkt der sichtbare Beweis einer klaren Personalstrategie – untermauert durch echte Beispiele interner Mitarbeiterentwicklung – das Image der Arbeitgebermarke erheblich.

CEO-Kritik: Transparenz ist keine Option mehr

Die Diskrepanz zwischen den modernen Anforderungen der Kandidaten und den veralteten Mustern der Personalabteilungen birgt Risiken für die griechische Wirtschaft. Manto Patsaoura, die amtierende CEO der Kariera Group, betont in ihrer Bewertung der Daten, dass die Lücke zwischen den Erwartungen der Mitarbeiter und den tatsächlichen Praktiken der Firmen nicht länger ignoriert werden kann. Während die Bewerber lautstark nach Fairness und klaren Zahlen rufen, verharren viele Arbeitgeber weiterhin in einer defensiven, zurückhaltenden Position.

“In einem Umfeld, in dem die Mehrheit angibt, selten Gehaltsinformationen in Anzeigen zu sehen, hört Transparenz auf, optional zu sein, und wird zu einem entscheidenden Faktor für die Gewinnung und Bindung von Talenten”, erklärte die Managerin. Sie fügte hinzu, dass in den kommenden Jahren nur jene Organisationen auf dem Markt erfolgreich bestehen werden, die sich von alten Gewohnheiten lösen. “Die Unternehmen, die sich abheben werden, sind diejenigen, die in klare Gehaltsspannen, transparente Rekrutierungs- und Entwicklungsprozesse sowie in eine wesentliche Information von Kandidaten und Mitarbeitern investieren”, so Manto Patsaoura abschließend.

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