International – Ein massiver Ausverkauf an den internationalen Aktienmärkten hat am Freitag, dem 6. November 2026, die Börsen in Ostasien erfasst. Nach heftigen Verlusten an der Wall Street fielen die Leitindizes in Japan, Südkorea und Taiwan zeitweise um bis zu neun Prozent. Besonders stark unter Druck standen Unternehmen, die vom Boom der künstlichen Intelligenz profitieren sollten.
Der Kursrutsch hat nach den vorliegenden Angaben bereits Börsenwerte in Billionenhöhe vernichtet. Anleger stellen zunehmend die hohen Bewertungen großer Technologiekonzerne und die Rentabilität milliardenschwerer Investitionen in KI-Rechenzentren infrage. An der Wall Street hatte der Nasdaq 100 zuvor seinen stärksten Einbruch seit 2020 verzeichnet. Konkrete Schlusskurse der US-Indizes werden in den vorliegenden Angaben nicht genannt.
Handelsunterbrechung in Südkorea, starke Verluste in Japan und Taiwan
In Südkorea brach der Kospi zunächst um bis zu 8,8 Prozent ein. Der Kurssturz löste eine automatische Unterbrechung des Handels für 20 Minuten aus. Später verringerte sich das Minus auf 4,95 Prozent; der Index stand zu diesem Zeitpunkt bei 5.117,12 Punkten. Die Halbleiterkonzerne SK Hynix und Samsung Electronics gehörten zu den besonders betroffenen Werten.
Der japanische Nikkei 225 fiel im Handelsverlauf um bis zu 7,1 Prozent auf 56.745 Punkte. Damit lag er zeitweise ungefähr 20 Prozent unter seinem Hoch vom Juni und näherte sich der Schwelle zu einem technischen Bärenmarkt. Die SoftBank-Aktie verlor mehr als elf Prozent, Advantest mehr als zwölf Prozent und Tokyo Electron rund sieben Prozent.
In Taiwan gab der Taiex zwischenzeitlich sogar um neun Prozent nach. Die Aktie des Auftragsfertigers TSMC rutschte zunächst um fast zehn Prozent ab, bevor sie einen Teil ihrer Verluste wettmachte. Die heftigen Kursbewegungen bei Chipherstellern zeigen, wie stark die Neubewertung der KI-Investitionen auf den Halbleitersektor durchschlägt.
Andere Börsen in der Region verzeichneten ebenfalls Rückgänge, allerdings in geringerem Ausmaß: Der Hang Seng in Hongkong lag 1,03 Prozent im Minus bei 24.542,39 Punkten, der Shanghai Composite verlor 1,06 Prozent auf 3.650,84 Punkte. In Singapur sank der Straits Times Index um 2,78 Prozent auf 5.149,13 Punkte. Diese Werte geben Zwischenstände des Handelstages wieder und sind keine Schlusskurse.
KI-Bewertungen und die US-Kongresswahl belasten die Stimmung
Im Zentrum der Verkäufe stehen Zweifel daran, ob die enormen Ausgaben für Infrastruktur der künstlichen Intelligenz die bisherigen Erwartungen rechtfertigen. Hunderte Milliarden Dollar sind in den Aufbau von Rechenzentren geflossen. Die Aussichten dieses Geschäftsmodells hatten zuvor wesentlich zur Rally der Technologiewerte beigetragen. Nun erfasst die Verkaufswelle auch Banken, Industrieunternehmen und kleinere börsennotierte Firmen.
Zusätzliche Unsicherheit geht vom Ergebnis der US-Kongresswahlen am 3. November aus. Die Demokraten gewannen dabei nach den vorliegenden Angaben die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat. An den Märkten bestehen Befürchtungen, dass die veränderten Mehrheitsverhältnisse zu schärferer Regulierung künstlicher Intelligenz oder Beschränkungen beim Bau neuer Rechenzentren führen könnten. Entsprechende Maßnahmen werden jedoch nicht als bereits beschlossen beschrieben.
Trump gibt den Demokraten die Schuld
US-Präsident Donald Trump führte den Kurssturz ausdrücklich auf den Wahlausgang zurück. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, der Aktienmarkt habe wegen der Wahlergebnisse einen seiner schlimmsten Tage erlebt. Dabei verwies er auch auf Verluste bei privaten US-Altersvorsorgekonten des Typs 401(k).
Trump machte seine politischen Gegner verantwortlich und bezeichnete sie mit dem abwertenden Wortspiel „Dumocrats“. Er betonte, nicht die Republikaner, sondern die Demokraten seien schuld. Gleichzeitig versprach er eine Erholung der Märkte und erklärte, die USA würden bald stärker sein als je zuvor. Seine Zuschreibung ist eine politische Behauptung; die Kursverluste allein belegen keinen eindeutigen Zusammenhang mit dem Wahlergebnis.