Griechenland – Trotz Steuer- und Beitragssenkungen seit 2019 lag die gesamte Steuer- und Abgabenquote Griechenlands 2025 bei 41,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit übertraf sie den EU-Vergleichswert von 37,9 Prozent. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den indirekten Steuern: Hier liegt Griechenland laut einer neuen Analyse des Zentrums für Liberale Studien KEFIM auf dem vierthöchsten Platz innerhalb der Europäischen Union.
Die Untersuchung von KEFIM-Präsident Nikos Rompapas und Forschungsleiter Konstantinos Saravakos zeigt nicht nur die Zusammensetzung der Staatseinnahmen. Sie stellt auch erhebliche Unterschiede bei der Verteilung der Sozialausgaben fest. Während Griechenland einen vergleichsweise großen Anteil der Sozialschutzmittel für Alters- und Hinterbliebenenrenten ausgibt, fallen die Anteile für Familien, Kinder, Krankheit und Behinderung geringer aus als im EU-Vergleich.
Indirekte Steuern belasten den Konsum besonders stark
17,2 Prozent des griechischen BIP entfielen 2025 auf Einnahmen aus indirekten Steuern, gegenüber 13,4 Prozent im EU-Vergleich. Allein die Mehrwertsteuer brachte Griechenland Einnahmen in Höhe von 9,4 Prozent des BIP ein; der entsprechende EU-Wert lag bei 7,2 Prozent. Die Zahlen verdeutlichen, wie stark das griechische Steuersystem auf die Besteuerung von Waren und Dienstleistungen setzt.
| Steuern und Abgaben | Griechenland | EU |
|---|---|---|
| Gesamte Steuer- und Abgabenquote | 41,3 % | 37,9 % |
| Indirekte Steuern | 17,2 % | 13,4 % |
| Davon: Mehrwertsteuer | 9,4 % | 7,2 % |
| Direkte Steuern | 11,0 % | 12,2 % |
| Sozialbeiträge | 13,0 % | 12,1 % |
Alle Angaben sind Anteile am Bruttoinlandsprodukt für 2025; die Mehrwertsteuer ist bereits Teil der indirekten Steuern und darf nicht zusätzlich zu ihnen gerechnet werden.
Bei den direkten Steuern liegt Griechenland mit 11 Prozent des BIP dagegen unter dem EU-Wert von 12,2 Prozent. Die Sozialbeiträge machen 13 Prozent des BIP aus, gegenüber 12,1 Prozent in der EU. Der Unterschied besteht somit nicht nur in der Gesamthöhe, sondern auch darin, auf welche Steuerarten sich die öffentlichen Einnahmen verteilen.
Staatseinnahmen seit 2019 nominal um rund 35 Prozent gestiegen
Die gesamte Steuer- und Abgabenquote blieb laut KEFIM gegenüber 2019 unverändert. Gleichzeitig stiegen die jährlichen staatlichen Einnahmen aus Steuern und Sozialbeiträgen von 76,4 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 103,2 Milliarden Euro im Jahr 2025. Das entspricht einem nominalen Zuwachs von ungefähr 35 Prozent.
Als Faktoren für diese Entwicklung nennt die Analyse die gestiegene wirtschaftliche Aktivität und Beschäftigung, eine bessere Steuerehrlichkeit beziehungsweise Einhaltung der steuerlichen Pflichten sowie den Einfluss der Inflation. Der Einnahmenanstieg in Euro bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Steuerbelastung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung zugenommen hat.
Die Autoren weisen zudem auf einen möglichen Effekt steigender Nominaleinkommen hin: Wenn Steuerstufen nicht entsprechend angepasst werden, kann die Steuerbelastung wachsen, selbst wenn die reale Kaufkraft nicht steigt. Die Untersuchung beschreibt dies als mögliche Folge, nicht als für sämtliche Steuerzahler nachgewiesenen Effekt.
Sozialschutz: Mehr für Renten, weniger für Familien
Eine weitere Auffälligkeit zeigt die Analyse bei der Aufteilung der Ausgaben für soziale Sicherung. Nach Daten für 2024 entfielen in Griechenland von jeweils 1.000 Euro an Sozialschutzausgaben 786 Euro auf Alters- und Hinterbliebenenrenten. Im EU-Vergleich waren es 618 Euro.
Für Familien und Kinder wurden in Griechenland dagegen 51 Euro je 1.000 Euro Sozialschutzausgaben verwendet, in der EU 124 Euro. Der Anteil für Krankheit und Behinderung lag bei 85 Euro gegenüber 141 Euro in der EU. Diese Angaben beziehen sich auf die Verteilung der Sozialschutzmittel und nicht auf die Höhe der Leistungen, die ein einzelner Haushalt erhält.
Auch Gesundheit und Bildung unter dem EU-Vergleichswert
Bei den öffentlichen Ausgaben für Gesundheit nennt die KEFIM-Analyse für Griechenland einen Anteil von 5,7 Prozent des BIP, gegenüber 6,8 Prozent in der EU. Für Bildung werden 3,9 Prozent ausgewiesen, während der EU-Vergleichswert bei 5 Prozent liegt.
Die Zahlen zeichnen damit ein zweigeteiltes Bild: Die gesamte Steuer- und Abgabenquote Griechenlands liegt über dem europäischen Vergleichswert, doch die Verteilung der Einnahmen und der Sozialausgaben unterscheidet sich deutlich. Besonders ausgeprägt ist die Abhängigkeit von indirekten Steuern, während bei Familienleistungen, Gesundheit und Bildung geringere Ausgabenanteile ausgewiesen werden.
Mit Informationen von: Zentrum für Liberale Studien (KEFIM).