Athen – Die beste Pizza Margherita der Welt für das Jahr 2026 wird nicht in Neapel oder New York gebacken, sondern in der griechischen Hauptstadt. Bei den renommierten The Best Pizza Awards, die am vergangenen Freitag in Mailand verliehen wurden, sicherte sich das Restaurant Napul’e im Athener Vorort Vari den begehrten ersten Platz für den italienischen Klassiker. Gleichzeitig festigte der Küchenchef seine Position in der internationalen Spitzengastronomie und zog in die Top 20 der globalen Elite ein.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das Restaurant Napul’e in Athen serviert laut Mailänder Jury die beste Pizza Margherita 2026.
- Küchenchef Francesco Granata belegt nun Platz 16 im weltweiten Ranking der Pizzabäcker.
- Der gebürtige Neapolitaner und ehemalige Arzt widmet die internationale Auszeichnung dem griechischen Volk.
Ein Neapolitaner erobert die Athener Gastronomie
Die Auszeichnung für die beste Pizza Margherita ist der vorläufige Höhepunkt in der Karriere von Francesco Granata. Der Italiener, der das Napul’e in Vari betreibt, wurde in Mailand zudem als 16. bester Pizzaiolo der Welt geehrt. Damit setzt er einen beeindruckenden Aufstieg fort: Nach Platz 68 im Jahr 2024 und Rang 61 im Vorjahr klopft er nun an die Tür zur absoluten Weltspitze. Nach der Preisverleihung zeigte sich der Meisterbäcker dankbar und richtete seine Worte an seine neue Heimat. Italien habe ihm seine Wurzeln gegeben, doch Griechenland habe ihm die Möglichkeit geboten, diese auszudrücken. Er widmete die Auszeichnung den Menschen vor Ort, die einen neapolitanischen Koch in Athen willkommen geheißen und unterstützt hätten.
Vom Operationssaal an den Pizzaofen
Der Weg von Granata an die Spitze der Pizzabäcker ist ungewöhnlich. Der in Neapel geborene Gastronom arbeitete bis zu seinem 47. Lebensjahr als Anästhesist. Seine medizinische Laufbahn prägte seinen heutigen Arbeitsstil: Präzision, Liebe zum Detail und absolute Akribie. Bereits als sechsjähriger Junge hatte er gemeinsam mit seiner Mutter Teig geknetet und dabei gelernt, dass in der Einfachheit die wahre Kunst des Kochens liegt. In seiner Pizzeria hat er sich auf den Stil “ruota di carro” (Wagenrad) spezialisiert. Seine Philosophie stützt sich auf direkte Gärungsmethoden, lange Reifeprozesse und höchsten Respekt vor den Rohstoffen. Neben dem prämierten Restaurant in Vari betreibt er auch die Focacceria Napul’e by Francesco Granata im Zentrum Athens.
Mythos Margherita: Die royale Geschichte der Königspizza
Der Name des nun in Griechenland perfektionierten Klassikers geht auf eine historische Begebenheit aus dem Jahr 1889 zurück. Damals besuchte die italienische Königin Margherita Neapel. Der Überlieferung nach war das Königspaar von den Düften einer örtlichen Pizzeria so angetan, dass sie den Koch Raffaele Esposito in den Palast Capodimonte rufen ließen. Dieser bereitete drei Pizzasorten zu, darunter eine in den Farben der italienischen Nationalflagge mit roten Tomaten, weißem Mozzarella und grünem Basilikum. Die Königin soll diese Kreation favorisiert haben, woraufhin der Koch sie nach ihr benannte. Diese Geschichte wird bis heute in zahlreichen Reiseführern und Kochbüchern als Geburtsstunde der echten neapolitanischen Pizza gefeiert.
Historische Zweifel am Wahrheitsgehalt
Lebensmittelhistoriker betrachten die romantische Entstehungsgeschichte der Margherita jedoch zunehmend kritisch. Es gilt zwar als belegt, dass König Umberto und seine Frau 1889 in Neapel waren und Esposito eine Pizzeria betrieb, doch das Gericht selbst existierte wohl schon deutlich länger. Bereits 1853, über drei Jahrzehnte vor dem royalen Besuch, beschrieb der Autor Emanuele Rocco in einem Aufsatz über neapolitanische Bräuche eine Pizza, die mit Basilikum, Mozzarella und Tomaten belegt war. Auch ein angebliches Dankesschreiben des königlichen Chefkochs Camillo Galli an Esposito steht unter Fälschungsverdacht. Unterschriftenvergleiche ergaben Unstimmigkeiten. Experten vermuten, dass die Brüder Giovanni und Pasquale Brandi, die Neffen von Espositos Frau, das Dokument um 1932 fingierten, um den Umsatz ihrer damals in Pizzeria Brandi umbenannten Gaststätte anzukurbeln. Trotz dieser historischen Zweifel erhielt die Pizzeria 1989 zum hundertjährigen Jubiläum der Margherita eine offizielle Gedenktafel.