Griechenland – Das ehemalige königliche Anwesen Tatoi am Rand des Parnitha-Gebirges bei Athen soll zu einem öffentlich zugänglichen Museums- und Kulturkomplex werden. Nach Informationen der Zeitung Proto Thema sollen die Restaurierungsarbeiten im historischen Kern bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Die offizielle Eröffnung ist anschließend vorgesehen. Geplant sind drei Museen, neun weitere historische Gebäude und erneuerte Gartenanlagen.
Für die Wiederherstellung des früheren Sommersitzes der griechischen Königsfamilie stehen insgesamt mehr als 70 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Großteil der Arbeiten ist dem Bericht zufolge bereits beendet, die übrigen Maßnahmen befinden sich in der Schlussphase. Kulturministerin Lina Mendoni hatte wiederholt auf die Größe und Komplexität des Vorhabens hingewiesen. Ein konkretes Eröffnungsdatum wird nicht genannt.
Das Projekt soll nicht nur das Leben der Monarchen zeigen. Tatoi war zugleich ein weitläufiger Wirtschaftsbetrieb mit Landwirtschaft, Viehhaltung, Werkstätten und Beschäftigten. Auch diese weniger bekannte Seite des Anwesens bekommt im geplanten Rundgang einen festen Platz.
4.350 Ausstellungsstücke für das frühere Sommerpalais
Im Mittelpunkt des Komplexes steht die einstige Sommerresidenz, die künftig als Museum dienen soll. Die Restaurierung umfasste nicht nur das beschädigte Gebäude, sondern auch die Aufarbeitung zahlreicher Gegenstände, die lange unter ungünstigen Bedingungen aufbewahrt worden waren. Rund 100.000 Objekte wurden erfasst; etwa 4.350 sind für die Dauerausstellung im Palais ausgewählt worden.
Im Erdgeschoss sollen die ehemaligen Empfangsräume Einblick in die repräsentative Seite des Hoflebens geben. Geplant sind Porträts von König Georg I. und Königin Olga sowie ein Gemälde des dänischen Malers Carl Bloch, das die Befreiung des Prometheus darstellt. Bibliothek, Arbeitszimmer, Salon und Speisezimmer sollen unterschiedliche historische Wohnsituationen vermitteln. Die Bibliothek wird dabei auf die Zeit Georgs II. ausgerichtet.
Persönlicher wird die Ausstellung im ersten Stock, wo sich die privaten Räume der Königsfamilie befanden. Zu sehen sein sollen das Brautkleid Friederikes, Kleider von Anne-Marie und Sophia sowie Uniformen, Orden, Silbergegenstände, religiöse Ikonen und seltenes Geschirr. Friederikes Brautkleid erinnert an ihre Hochzeit mit Paul im Jahr 1938; Uniformen und Auszeichnungen verweisen auf die politischen und militärischen Verflechtungen der Monarchie.
Im Untergeschoss sind Räume für Bildungsangebote und kleinere Wechselausstellungen vorgesehen. Der frühere Kinosaal soll wieder genutzt werden, um historisches Filmmaterial zu zeigen.
Rolls-Royce-Limousinen und ein Museum der Landwirtschaft
Ein zweites Museum entsteht im früheren Stall Georgs I. Es soll historische Kutschen samt ihrer aufwendigen Ausstattung und Fahrzeuge der königlichen Sammlung präsentieren. Dazu gehören vier Rolls-Royce-Limousinen, zwei MG TD Midget von 1952 und zwei FIAT 500 mit Korbsitzen, die einst für Fahrten innerhalb des Anwesens genutzt wurden. Die Restaurierung der lange abgestellten Wagen erforderte besondere Rücksicht auf ihre Technik und historische Originalsubstanz.
Das dritte Museum ist der landwirtschaftlichen und viehwirtschaftlichen Vergangenheit Tatois gewidmet. Es wird im sogenannten Neuen Kuhstall eingerichtet. Maschinen, Werkzeuge und weitere Gegenstände sollen zeigen, wie die Produktion organisiert war. Zum Betrieb gehörte die Haltung von etwa 100 Rindern. Anlagen zur Milchverarbeitung ermöglichten unter anderem die Herstellung der bekannten Tatoi-Butter.
Auch Imkerei, Olivenproduktion und Weinherstellung sollen anhand von Ausstellungsstücken dokumentiert werden. Damit rückt ein Arbeitsalltag in den Vordergrund, der parallel zum höfischen Leben bestand.
Historische Gärten und neue Einrichtungen für Besucher
Zur ersten Restaurierungsphase gehören neben den drei Museen neun weitere historische Gebäude. Genannt werden unter anderem das Haus des Obergärtners, das Sturm-Haus, das Haus des Verwalters und das ehemalige Telekommunikationsgebäude. Im Küchengebäude sind künftig der Ticketverkauf, eine Garderobe, ein Erfrischungsbereich und Einrichtungen zur Unterstützung des Schlossmuseums vorgesehen. Das Forsthaus wird bereits als Informationszentrum genutzt.
Die historischen Gartenanlagen werden anhand alter Pläne, Fotografien und anderer Unterlagen wiederhergestellt. Spazierwege, Rosenbeete, Baumreihen und eine Allee mit immergrünen Eichen sollen das Gebäudeensemble erneut mit der Landschaft am Parnitha-Gebirge verbinden. Dazu kommen mächtige Platanen und der Weg zu den ehemaligen Küchen. Nach dem verheerenden Waldbrand von 2021 spielt dabei auch der Schutz des Naturraums eine wichtige Rolle.
Der königliche Friedhof bleibt Teil des historischen Geländes
Zum Anwesen gehört außerdem der königliche Friedhof auf dem Hügel Palaiokastro. Dort liegen Mitglieder der früheren Königsfamilie begraben. Besondere historische Bedeutung hat das Mausoleum von Konstantin I., Sophia und Alexander, deren Lebenswege mit den politischen Konflikten Griechenlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbunden waren. Auch der Friedhof und die Auferstehungskirche sollen im Rahmen des Gesamtprojekts restauriert beziehungsweise geschützt werden.
Im Januar 2026 wurde dort zudem Prinzessin Irene neben anderen Familienmitgliedern beigesetzt. Das Gelände bleibt damit nicht nur ein historischer Erinnerungsort, sondern auch eine Begräbnisstätte der ehemaligen Dynastie.
Mit der Eröffnung der drei öffentlichen Museen wäre die Entwicklung des Anwesens noch nicht abgeschlossen. Für eine spätere, eigenständige Phase ist die Nutzung weiterer Gebäude für Beherbergung, Gastronomie, Kultur und landwirtschaftlich geprägte Aktivitäten vorgesehen. Zunächst müssen der dauerhafte Museumsbetrieb, die Pflege der Sammlungen und Gärten sowie der Empfang der Besucher organisiert werden.