Kreta – Seit ihrem zwölften Lebensjahr versucht Fotini herauszufinden, wer ihre leiblichen Eltern sind. Heute ist sie 49 Jahre alt und hat trotz jahrzehntelanger Nachforschungen noch immer keine Gewissheit über ihre Herkunft. Zwei DNA-Tests brachten sie auf die Spur entfernter Verwandter in Westkreta. Doch die entscheidenden Antworten fehlen weiterhin.
In einem Gespräch mit dem Nachrichtenportal Flashnews.gr schildert die Frau, die in Thessaloniki aufwuchs, eine ungewöhnliche Familiengeschichte. Nach ihren Angaben wurde ihre Geburt 1977 in der Geburtsklinik Eleftherotria im Athener Vorort Korydallos registriert. Sie ist jedoch überzeugt, dass die entsprechenden Unterlagen nicht der Wahrheit entsprechen und statt einer regulären Adoption eine Geburt vorgetäuscht wurde. Eine unabhängige Bestätigung dieser Darstellung liegt in dem Bericht nicht vor.
Widersprüche in der Geschichte ihrer Herkunft
Als Fotini Verwandte und Bekannte nach ihrer Herkunft fragte, habe sie erfahren, dass sie als Baby in die Familie gekommen sei, bei der sie aufwuchs. Über die genauen Umstände habe ihr jedoch niemand Auskunft geben können. Die Frau, die sie großzog, habe ihr erzählt, ein Arzt der Klinik habe angerufen: Eine junge Frau habe dort ohne Angabe ihrer Personalien entbunden und das Kind anschließend zurückgelassen. Daraufhin sei die Familie nach Athen gefahren und habe das Baby nach Thessaloniki gebracht.
Fotini berichtet allerdings von Widersprüchen in dieser Erzählung. Im Alter von 26 Jahren habe sie selbst bei der Klinik angerufen. Eine Hebamme habe angedeutet, mehr über solche Fälle zu wissen, und sie gebeten, eine halbe Stunde später erneut anzurufen. Als Fotini wegen ihrer Arbeit erst nach etwa einer Stunde zurückrief, habe eine andere Frau am Telefon erklärt, eine Hebamme mit diesem Namen gebe es dort nicht.
Nach Fotinis Darstellung ist die Klinik inzwischen geschlossen; die Akten sollen nicht mehr verfügbar sein. Auch die Suche nach Unterlagen beim Standesamt von Korydallos und die Kontaktaufnahme mit Organisationen zur Aufklärung von Adoptionsfällen brachten bislang keinen Durchbruch. Sie wandte sich unter anderem an das griechische Forschungszentrum Rizes sowie an einen Verein, der die Herkunft adoptierter Kinder untersucht.
DNA-Tests zeigen Verbindungen nach Chania und Rethymno
Für Fotini sind die Ergebnisse ihrer beiden DNA-Tests der bislang greifbarste Anhaltspunkt. Ihrer Schilderung zufolge ordnet eine Analyse 50 Prozent ihrer geschätzten Herkunft Kreta zu, 25 Prozent den Ägäischen Inseln und den verbleibenden Anteil Mittelgriechenland. Solche Herkunftsschätzungen identifizieren allerdings keine bestimmten Eltern.
Die gefundenen genetischen Übereinstimmungen deuteten nach ihren Angaben vor allem auf entfernte Verwandte im Raum Chania und Sfakia hin. Sie habe Personen in Chania sowie einen weiteren entfernten Verwandten in Rethymno ausfindig gemacht. Die Kontakte hätten jedoch keine Klarheit gebracht; in Chania sei sie bei ihrer Suche auf wenig Offenheit gestoßen.
Drei Begegnungen in Chania seien ihr besonders in Erinnerung geblieben. Am Strand von Kalathas habe eine junge Frau sie für eine „Ioanna“ gehalten. In einer Bäckerei in Kounoupidiana sei sie von einer Mitarbeiterin angesprochen worden, als sei sie eine Stammkundin. Und eine Apothekerin im Bereich der Gerichtsgebäude habe sie gebeten, ihrem vermeintlichen Vater Grüße auszurichten. Als Fotini erklärt habe, dass sie ihre leibliche Familie suche, habe die Apothekerin sich nicht mehr an den Nachnamen des Mannes erinnern können. Ob diese Verwechslungen tatsächlich mit Fotinis Herkunft zusammenhängen, ist offen.
Eine Vermutung über die Zeit nach ihrer Geburt
Fotini befürchtet, ihre leibliche Mutter könne nach der Entbindung fälschlich erfahren haben, dass ihr Kind gestorben sei. Diese Vermutung stützt sie auch auf Erzählungen anderer Menschen, die sie bei ihrer Suche über Anzeigen kennengelernt habe. Sie berichteten ihr von Frauen aus Kreta, denen nach Geburten mitgeteilt worden sei, ihre Kinder seien krank geworden und später gestorben, ohne dass sie die Kinder noch einmal hätten sehen können. Ob diese Schilderungen zutreffen oder mit Fotinis Fall zusammenhängen, ist nicht geklärt.
Trotz der vielen offenen Fragen spricht Fotini mit Dankbarkeit über die Familie, bei der sie aufgewachsen ist. Ihr Wunsch, die eigenen Wurzeln kennenzulernen, sei davon unabhängig. Sie hofft weiterhin, dass die Hinweise aus Kreta eines Tages zu ihrer leiblichen Familie führen.