Athen – Bei einem gewaltsamen Überfall auf eine Studentenversammlung an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen (EKPA) sind drei Studierende verletzt worden. Eine Gruppe von rund 50 Unbekannten drang in ein voll besetztes Auditorium des Fachbereichs Mathematik ein. Nach Schilderungen von Augenzeugen warfen Angreifer Molotowcocktails in den Saal und gingen mit Waffen gegen Anwesende vor.
Zwei Studierende erlitten Verbrennungen, ein weiterer wurde den vorliegenden Schilderungen zufolge mit einer Axt am Bein getroffen. Die Verletzten kamen mit Rettungswagen in das Athener Krankenhaus G. Gennimatas. Nach Angaben der Universität war ihr Gesundheitszustand gut; Lebensgefahr bestand demnach nicht.
Angreifer dringen während der Versammlung in den Hörsaal ein
Der Vorfall ereignete sich auf dem Universitätsgelände im Athener Stadtteil Zografou. Die Gruppe soll sich am Morgen über die zentrale Straße des Campus zum Gebäude der Naturwissenschaftlichen Fakultät bewegt haben. Die Unbekannten trugen demnach Helme und waren mit Holzstangen sowie Brandsätzen ausgerüstet. Ziel war ein Hörsaal, in dem sich Mathematikstudierende zu einer Versammlung getroffen hatten.
Ein Augenzeuge sagte der griechischen Zeitung Kathimerini, die Formation und das Auftreten der Gruppe hätten ihn an faschistische Schlägertrupps erinnert. Ein anderer Student berichtete, die Angreifer hätten einen Studienanfänger verfolgt und einen Molotowcocktail in Richtung seines Gesichts geworfen. Andere Studierende hätten einen Feuerlöscher eingesetzt, um ihn vor den Flammen zu schützen. Ein Student im dritten Studienjahr schilderte, er habe lediglich seine Fakultät besucht und dann die Gewalt miterlebt.
Nach Aussage eines Professors, der sich vor Ort befand, dauerte der Angriff etwa zehn Minuten. Anschließend verließ die Gruppe das Gebäude unbehelligt. Die Polizei traf erst ein, nachdem die Angreifer verschwunden waren. Ein Vertreter der Fakultät erklärte, die Beamten hätten die ersten Ermittlungen durchgeführt und den Ort danach wieder verlassen.
Bildungsministerium verlangt Auskunft über Sicherheitsmaßnahmen
Das griechische Bildungsministerium und die Universität verurteilten die Gewalt. Das Ministerium forderte von der Universitätsleitung eine umgehende schriftliche Erklärung dazu, wann der Sicherheitsdienst alarmiert wurde und wie er reagierte. Außerdem wollte es wissen, welche Maßnahmen einen sicheren Zugang zum Mathematikbereich gewährleisten sollen und wie die Studierenden über den Unterricht am Folgetag informiert werden.
Die Universität teilte mit, sie stehe in ständigem Kontakt mit dem Bildungsministerium und erwarte von den zuständigen Behörden, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Beim Schutz von Studierenden und Beschäftigten werde sie keine Abstriche machen.
Offen ist insbesondere, wie die rund 50 Personen in das Fakultätsgebäude gelangten, obwohl der Haupteingang zum Campus kontrolliert wird. Als mögliche Route gilt ein Bereich an der Grenze zum benachbarten Kaisariani. Dort sollen Überwachungskameras fehlen; die Stelle liegt ungefähr 100 Meter vom Mathematikgebäude entfernt. Dass die Angreifer diesen Weg tatsächlich nutzten, ist nicht geklärt.
Möglicher Zusammenhang mit Konflikt linker Hochschulgruppen
Auch das Motiv des Angriffs ist nicht gesichert. Nach den in dem Bericht wiedergegebenen Informationen könnte die Attacke einer Gruppe von Studierenden gegolten haben, die der außerparlamentarischen linken Organisation ARAS angehören. Die Kommunistische Jugend Griechenlands (KNE) bezeichnete das Geschehen als mafiaartigen Angriff auf die linke Hochschulgruppierung EAAK.
Ein möglicher Hintergrund wird in früheren Auseinandersetzungen zwischen Anarchisten und der genannten politischen Gruppierung gesehen. Als vorausgegangene Vorfälle werden Zusammenstöße am 15. November an der Nationalen Technischen Universität Athen und am 12. Mai an der Aristoteles-Universität Thessaloniki, vor den dortigen Studentenwahlen, angeführt. Ein bestätigter Zusammenhang mit dem Angriff in Zografou liegt jedoch nicht vor.
Mit Informationen von: Nationale und Kapodistrias-Universität Athen (EKPA), griechisches Bildungsministerium, Kommunistische Jugend Griechenlands (KNE).