Griechenland – Jede achte Frau in Griechenland konnte sich innerhalb eines Jahres mindestens einmal keine Periodenprodukte leisten. Das zeigt eine landesweite Untersuchung, die auch Folgen für Schule, Beruf und soziale Kontakte dokumentiert. Fast jede zweite Frau berichtete zudem, dass Menstruationsschmerzen ihren Alltag im vergangenen Jahr wenigstens einmal beeinträchtigt hätten.
Die Untersuchung wurde im Dezember 2025 im Rahmen der mehrjährigen Erhebungsreihe „Taseis“ von MRB Hellas mit einer Stichprobe von 2.000 Personen durchgeführt. Initiatoren sind It’s Just Period, das Deon Policy Institute und WHEN; MRB Hellas war wissenschaftlicher Partner. Die Studie befasst sich mit den finanziellen Hürden, gesellschaftlichen Tabus, den Auswirkungen von Regelschmerzen und möglichen politischen Maßnahmen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 12,5 Prozent der Frauen konnten innerhalb von zwölf Monaten mindestens einmal aus Geldmangel keine Periodenprodukte kaufen.
- 16,6 Prozent verzichteten mindestens einmal auf grundlegende Ausgaben, um Bedürfnisse rund um die Menstruation zu decken.
- 10,6 Prozent berichteten von mindestens einem versäumten Arbeitstag wegen fehlender Periodenprodukte.
- Die Studieninitiatoren schlagen unter anderem eine niedrigere Mehrwertsteuer und einen jährlichen Gutschein über 130 Euro für bestimmte junge Menschen vor.
Wenn das Geld für Periodenprodukte fehlt
12,5 Prozent der Frauen gaben an, in den zurückliegenden zwölf Monaten mindestens einmal nicht genügend Geld für den Kauf von Menstruationsprodukten gehabt zu haben. Bei der Frage nach einer anderen Frau im gleichen Haushalt lag der angegebene Anteil bei 19,2 Prozent.
Die finanziellen Engpässe wirken sich auch auf andere Lebensbereiche aus. 10,2 Prozent der Frauen erklärten, aus Geldmangel auf improvisierte Hilfsmittel zur Bewältigung ihrer Periode zurückgegriffen zu haben. 16,6 Prozent hatten mindestens einmal im vorangegangenen Jahr auf andere notwendige Ausgaben verzichtet, etwa Lebensmittel, Rechnungen oder medizinische Kosten, um den Bedarf während der Menstruation zu decken.
Regional zeigen sich Unterschiede. Für Thessaloniki weist die Studie beim Verzicht auf grundlegende Güter einen Anteil von 28 Prozent aus. Unter den Frauen, die eine vollständige finanzielle Zahlungsunfähigkeit angaben, fallen die entsprechenden Belastungswerte nach Angaben der Untersuchung nahezu doppelt so hoch aus.
Fehlende Produkte beeinträchtigen Schule, Arbeit und Sozialleben
Die Untersuchung dokumentiert auch Einschränkungen bei der gesellschaftlichen Teilhabe. 9,3 Prozent der Frauen berichteten, wegen fehlender Periodenprodukte mindestens einen Schul- oder Studientag versäumt zu haben. 10,6 Prozent nannten mindestens einen verlorenen Arbeitstag.
Darüber hinaus hatten 16,9 Prozent ihre Teilnahme an sozialen Aktivitäten eingeschränkt. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die in der Studie erfasste Periodenarmut nicht allein beim Kauf eines Hygieneartikels endet: Die Befragten berichten auch von Folgen für ihren Alltag und ihre Möglichkeiten, an Bildung, Erwerbsleben und sozialen Aktivitäten teilzunehmen.
Fast jede zweite Frau berichtet von Einschränkungen durch Regelschmerzen
Neben den Kosten untersuchten die Forschenden gesellschaftliche Einstellungen zur Menstruation. 59,7 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Frauen im Zusammenhang mit ihrer Periode Scham oder Tabus erlebt haben. Als zentraler Einflussfaktor wird mit 36,3 Prozent die Gesellschaft genannt.
Auch körperliche Beschwerden spielen eine große Rolle: 49,8 Prozent der Frauen gaben an, Menstruationsschmerzen hätten ihre alltägliche Funktionsfähigkeit während der zurückliegenden zwölf Monate mindestens einmal beeinträchtigt. Dieser Wert beschreibt die von den Befragten berichteten Auswirkungen der Schmerzen und ist von den Angaben zum fehlenden Geld für Produkte zu unterscheiden.
Welche Maßnahmen die Studieninitiatoren vorschlagen
Aus den Ergebnissen leiten die beteiligten Organisationen mehrere politische Vorschläge ab. Diese sind Forderungen der Initiatoren, keine bereits beschlossenen neuen Leistungen oder Regelungen.
Ein zentraler Punkt ist die Senkung oder Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Periodenprodukte. Der Untersuchung zufolge gilt in Griechenland derzeit der reguläre Höchstsatz von 24 Prozent. Als mögliche niedrigere Sätze werden 13 oder 6 Prozent genannt, um sich europäischen Praktiken und Empfehlungen anzunähern.
Außerdem wird vorgeschlagen, das Schulprogramm „Respect sto soma sou“ landesweit auszuweiten und dauerhaft zu etablieren. Es soll sowohl den Zugang zu Menstruationsprodukten als auch Informationen über die Periode verbessern, unabhängig davon, wo die Schülerinnen und Schüler wohnen.
Für menstruierende Menschen im Alter von 10 bis 24 Jahren in weniger entwickelten Regionen sehen die Empfehlungen einen jährlichen „Period Voucher“ von 130 Euro vor. Hinzu kommen vorgeschlagene Preisobergrenzen für grundlegende Periodenprodukte, die unabhängig vom jeweiligen Verkaufsort gelten sollen.
Eine weitere Forderung betrifft den Arbeitsplatz: Frauen mit schweren Menstruationsbeschwerden sollen bei Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung Anspruch auf bezahlte Menstruationsfreistellung erhalten. Als Vorbild verweisen die Initiatoren auf Spanien. Ergänzend empfehlen sie eine systematische Beobachtung der Einzelhandelspreise und eine Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft.
Wer hinter der Studie steht
Die Initiative wird von It’s Just Period, Deon Policy Institute und WHEN getragen, mit wissenschaftlicher Unterstützung von MRB Hellas. Finanziert wurde die Untersuchung von Lidl Griechenland und dem Mediterranean Women’s Fund.
Das in Boston ansässige Deon Policy Institute versteht sich als Thinktank der griechischen Diaspora, der internationale Erfahrungen und politische Ansätze für Griechenland nutzbar machen möchte. Die gemeinnützige Organisation It’s Just Period setzt sich für einen niedrigeren Steuersatz auf Menstruationsprodukte sowie Aufklärung und Zugang zu diesen Produkten ein. WHEN arbeitet für die berufliche und wirtschaftliche Stärkung von Frauen und für Chancengleichheit im Arbeitsleben und in der Öffentlichkeit.
Die vollständige Studie „Periodenarmut in Griechenland und Vorschläge zu ihrer Bekämpfung“ ist bei WHEN veröffentlicht.
Mit Informationen von: It’s Just Period, Deon Policy Institute, WHEN, MRB Hellas.