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Große weiße Salzberge in einer traditionellen griechischen Meerwassersaline bei Sonnenuntergang.
Wirtschaft

Das Salz der Erde wird zum “nächsten Öl”: Die Prognose von Morgan Stanley

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
07.07.2026 19:25
Antonia Feldberg
WeltBeruf & Investitionen
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Symbolbild | GRland
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Welt – Das alltägliche Kochsalz steht laut Finanzexperten vor einer globalen Neubewertung, die den Rohstoffmärkten historische Veränderungen bescheren könnte. Angetrieben durch den rasenden technologischen Fortschritt bei Natrium-Ionen-Batterien für Elektro- und Hybridfahrzeuge, prognostiziert die US-Investmentbank Morgan Stanley, dass Natriumchlorid bald den Stellenwert von Erdöl einnehmen wird. Parallel zu dieser weltweiten Entwicklung treibt Griechenland aktuell die Privatisierung seiner staatlichen Salzproduktion voran, um die sich namhafte europäische Konsortien bewerben.

Bisher wird Salz aufgrund seines Gewichts und der dezentralen Verfügbarkeit meist regional gehandelt. Die massiv steigende industrielle Nachfrage könnte das Mineral nun jedoch auf die internationalen Rohstoffbörsen katapultieren, wo sein Wert künftig ähnlich wie bei Gold, Kaffee oder Weizen in Echtzeit durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden würde.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Morgan Stanley erwartet weltweite Investitionen von 800 Milliarden Dollar in die Salzgewinnung.
  • Natrium-Ionen-Batterien weisen Produktionskosten auf, die 30 bis 40 Prozent unter denen von Lithium-Akkus liegen.
  • Der griechische Staat verkauft derzeit eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an den Griechischen Salzwerken (Hellenic Saltworks).

Batterietechnologie macht Salz zum “nächsten Öl”

Die Renaissance des Salzes als industrieller Schatz ist eng mit der Elektromobilität verknüpft. Jack Lu, Analyst für Chemie und Energie bei Morgan Stanley in Asien, erklärte in einem Schreiben an Investoren, dass Salz das Potenzial habe, eine zentrale Rolle an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz und Energiesicherheit zu spielen. Die Investmentbank rechnet mit einem regelrechten Investitionsboom von rund 800 Milliarden Dollar weltweit, um die Infrastruktur für die steigende Nachfrage aufzubauen.

Der technologische Vorteil liegt in der Zusammensetzung der neuen Akkus. Während Lithium und andere Seltene Erden teuer und schwer zugänglich sind, ist Salz auf der Erde nahezu unbegrenzt verfügbar. Die Produktionskosten für Natrium-Ionen-Batterien sind im direkten Vergleich zu den dominierenden Lithium-Eisenphosphat-Zellen deutlich geringer. Morgan Stanley schätzt, dass der Marktanteil von Natrium-Batterien von derzeit zwei Prozent auf 37 Prozent im Jahr 2035 ansteigen wird – ein Wachstum von 1.750 Prozent.

Wachsende globale Märkte und historische Parallelen

Schätzungen zufolge wird das Volumen des globalen Salzmarktes von 27 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf rund 40 Milliarden Dollar bis 2034 anwachsen. Dabei verzeichnet der Handel mit Salz laut dem Internationalen Observatorium für wirtschaftliche Komplexität (OEC) bereits im Zeitraum von 2020 bis 2024 ein jährliches Plus von 4,25 Prozent.

Die immense wirtschaftliche Bedeutung von Salz zieht sich durch die europäische Geschichte. Im Römischen Reich wurden Legionäre teilweise mit dem “Salarium” – einer Salzration – bezahlt, wovon sich der heutige englische Begriff “Salary” (Gehalt) ableitet. Auch im deutschsprachigen Raum zeugen Städtenamen wie Salzburg oder Halle von der strategischen und finanziellen Wichtigkeit des Rohstoffs, der im Mittelalter als “weißes Gold” galt.

Chinas Produktionsdominanz und Deutschlands Position

Im aufziehenden technologischen Wettbewerb besitzt China eine strategische Doppelrolle. Die Volksrepublik ist nicht nur der drittgrößte Lithiumproduzent der Welt, sondern führt auch die globale Salzproduktion mit jährlich rund 53 Millionen Tonnen mit weitem Abstand an. Auf den weiteren Plätzen folgen die USA und Indien. Deutschland belegt im weltweiten Ranking der Salzförderung den vierten Platz und verfügt somit ebenfalls über starke Kapazitäten in diesem zukunftsträchtigen Rohstoffsektor.

Die enormen Fördermengen in China übertreffen die der direkten Verfolger um ein Vielfaches, was Peking einen erheblichen strategischen Vorteil in der künftigen Batterieproduktion sichern dürfte.

Griechenland privatisiert nationale Salzproduktion

Inmitten dieser globalen Rohstoffverschiebung strukturiert Griechenland seine eigene Produktion neu. Das Land fördert trotz seiner enormen Küstenlinie derzeit lediglich zwischen 200.000 und 210.000 Tonnen Salz pro Jahr. Der Großteil davon stammt aus den historischen Anlagen in Messolonghi im Westen des Landes.

Derzeit läuft die zweite Phase eines internationalen Ausschreibungsverfahrens für den Verkauf von mindestens 51 Prozent der staatlichen Griechischen Salzwerke (Hellenic Saltworks S.A.). Das 1988 gegründete Unternehmen bündelt die nationalen Produktionsstätten, darunter die Salinen in Messolonghi, Kalloni auf Lesbos sowie in Nordgriechenland. Der griechische Staat hält über die staatliche Vermögensverwaltung (HCAP) 80 Prozent der Anteile, die restlichen knapp 20 Prozent liegen bei lokalen Kommunen.

Sieben Investorengruppen haben sich für die Übernahme qualifiziert. Zum Bieterkreis gehören große heimische Akteure wie Kalas S.A., der größte Salzabfüller Griechenlands, sowie internationale Kooperationen. Die zyprische M.P. Theodorou bietet gemeinsam mit der schwedischen Salinity Group, während das Konsortium Unisel SAS mit dem griechischen Traditionsunternehmen Chion antritt. Auch der große italienische Produzent SOSALT, der jährlich 120.000 Tonnen Meersalz verarbeitet, greift nach den griechischen Salinen. In Kürze erhalten die qualifizierten Investoren Zugang zu den detaillierten Finanzdaten, um verbindliche Übernahmeangebote für das ehemalige staatliche Monopol auszuarbeiten.

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