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Passagiere und Flugzeuge am Flughafen Athen während der Einführung neuer Slot-Regeln zur Vermeidung von Verspätungen.
Aktuelles

Flughafen Athen: Strengere Regeln im Kampf gegen den Slot-Krieg

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
07.07.2026 19:06
Antonia Feldberg
AthenPolitik
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Symbolbild | GRland
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Athen – Um dem stetig wachsenden Flugaufkommen und den damit verbundenen systemischen Verzögerungen entgegenzuwirken, wird der internationale Flughafen Athen Eleftherios Venizelos voraussichtlich ab der kommenden Wintersaison sowie im Sommer 2027 unter einem deutlich strengeren operativen Regelwerk arbeiten. Ziel der Einführung eines vollständig verbindlichen Flugkoordinierungssystems ist es, die massive Anhäufung von Abflügen in den hoch frequentierten Spitzenzeiten zu verhindern und das wiederkehrende Problem der Flugverspätungen, das auch in der aktuellen Sommersaison spürbar ist, nachhaltig zu lösen.

Die kontinuierliche Zunahme des Passagierverkehrs, gepaart mit den geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, hat zu einem drastischen Anstieg der Überflüge im griechischen Fluginformationsgebiet (FIR) geführt. Diese Faktoren maximieren den Druck auf die Flugsicherung, während gleichzeitig ein intensiver Wettbewerb der Fluggesellschaften um die besten Start- und Landezeiten ausgetragen wird. Dieser sogenannte Slot-Krieg verursacht einen Dominoeffekt an Verzögerungen, der sich besonders in den Morgenstunden bemerkbar macht und die Reisepläne zahlreicher Passagiere aus der gesamten DACH-Region beeinflusst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Flughafen Athen wechselt zum verbindlichen IATA Level 3.
  • Fluggesellschaften drohen künftig bei Slot-Verstößen empfindliche Geldstrafen.
  • Bauarbeiten im Winter reduzieren die verfügbare Start- und Landebahnkapazität.

Vom unverbindlichen Leitfaden zur strengen Regulierung

Die Art und Weise, wie Start- und Landerechte derzeit vergeben werden, verschärft das operationelle Problem erheblich. In der laufenden Sommersaison agiert der Hauptstadtflughafen erstmals als Schedule Facilitated Airport nach dem IATA-Standard Level 2. In der Praxis bedeutet dies, dass die nationale Organisation für Flugkoordination (EOSN) mit den Fluggesellschaften zusammenarbeitet, um die Flugpläne bestmöglich an die stündlich verfügbare Kapazität anzupassen. Diese Vorgaben sind jedoch rechtlich nicht bindend.

Zahlreiche Fluggesellschaften haben bereits signalisiert, dass sie diesen Empfehlungen nicht strikt folgen werden. Bislang können Airlines von den zugewiesenen Slots abweichen, ohne direkte Sanktionen fürchten zu müssen. Zwar erhalten sie für zukünftige Zuweisungen Negativpunkte, doch lassen sich diese in der Praxis häufig umgehen. Aus diesem Grund empfiehlt die Koordinierungsstelle seit geraumer Zeit die Hochstufung zu einem Flughafen des Levels 3. Unter diesem Status ist die Slot-Zuweisung absolut bindend, und Abweichungen werden systematisch sanktioniert.

Kapazitätsgrenzen und der Dominoeffekt am Morgen

Sowohl die Koordinierungsstelle als auch die Gewerkschaft der griechischen Fluglotsen drängen auf den sofortigen Übergang zur strengeren Regulierung. Das derzeitige System hat dazu geführt, dass in Spitzenzeiten bis zu zehn Flüge mehr pro Stunde abgefertigt werden müssen als ursprünglich vereinbart. Als sicherer Richtwert für den Flughafen gelten etwa 35 Flugbewegungen pro Stunde. Dennoch gibt es Zeitfenster, in denen deutlich mehr Maschinen eingeplant werden.

Laut dem Präsidenten der Gewerkschaft der Fluglotsen, Panagiotis Psarros, sehe man in der Praxis Stunden, in denen anstelle von 35 Abflügen bis zu 45 oder sogar 50 durchgeführt würden. Ein markantes Beispiel war Freitag, der 5. Juni, an dem in einer bestimmten Stunde 48 Flugbewegungen registriert wurden. Diese Überkonzentration von Flügen in einem engen morgendlichen Zeitfenster führt unweigerlich zu massiven Verzögerungen. Wenn ein Flugzeug bereits am Morgen zu spät startet, überträgt sich diese Verspätung auf alle nachfolgenden Strecken desselben Fluggeräts, was den Flugplan bis in die späten Abendstunden destabilisiert. Zusätzliche Belastungen entstehen durch Privatjets, diplomatische Flüge und medizinische Notfalltransporte, die nicht der regulären Slot-Koordination unterliegen.

Strenge Strafen und präventive Kontrollen durch die APA

Experten aus der Luftfahrtbranche betonen, dass nur der Wechsel zum IATA Level 3 eine echte Disziplin im Flugplan erzwingen kann. In diesem System werden die zugewiesenen Slots verpflichtend. Bei Verstößen leitet die griechische Luftfahrtaufsichtsbehörde (APA) offizielle Sanktionsverfahren ein. Ein solches System ermöglicht zudem das sogenannte Pre-Monitoring. Hierbei können die Flugpläne der Airlines bereits Monate im Voraus auf Unstimmigkeiten geprüft werden.

Sollten die beworbenen Flugzeiten nicht mit den behördlich zugewiesenen Slots übereinstimmen, können im Vorfeld finanzielle Strafen verhängt werden. Es bleibt jedoch das Risiko, dass finanzstarke Fluggesellschaften die Zahlung eines Bußgeldes in Kauf nehmen, wenn der wirtschaftliche Nutzen einer optimalen Abflugzeit die Höhe der Strafe übersteigt.

Infrastrukturprojekte reduzieren die Flughafenkapazität

Die Notwendigkeit einer strengeren Regulierung steht in direktem Zusammenhang mit einem umfassenden Investitionsprogramm am Athener Flughafen. Ab dem kommenden Winter werden groß angelegte Bauarbeiten durchgeführt, die dazu führen, dass über längere Zeiträume nur eine einzige Start- und Landebahn zur Verfügung steht. Dies wird die ohnehin knappe operative Kapazität weiter einschränken.

Um die Auswirkungen auf den Passagierkomfort zu minimieren, werden derzeit alle Prozesse von der Flugzeugabfertigung über Pass- und Sicherheitskontrollen bis hin zur Gepäckausgabe analysiert. Die Fluggesellschaften wurden bereits aufgefordert, entsprechende Studien und Einschätzungen zur Bewältigung dieser infrastrukturellen Engpässe vorzulegen.

EUROCONTROL-Daten und die Realität im Luftraum

Die Debatte um die Pünktlichkeit am Athener Flughafen intensivierte sich kürzlich durch veröffentlichte Daten von EUROCONTROL. Den Berichten zufolge entfallen rund 13 bis 14 Prozent der gesamten En-Route-Verspätungen im europäischen Luftverkehrsnetz auf Griechenland. Dabei werden 9 Prozent dem Bezirkskontrollzentrum (ACC) Athen und 4 Prozent dem Zentrum in Makedonien zugeschrieben. Als Ursachen nennt die europäische Behörde Kapazitätsengpässe, personelle Herausforderungen sowie die veränderten Verkehrsströme.

Die Krise im Nahen Osten hat die europäische Luftfahrtarchitektur massiv verändert. Da große Drehkreuze wie Dubai und Abu Dhabi für asiatische Ziele zunehmend durch Istanbul ersetzt werden, hat sich ein beträchtlicher Teil des Flugverkehrs in den griechischen Luftraum verlagert. Der Präsident der Fluglotsen, Psarros, betonte, dass es sich bei diesen Daten vorrangig um Überflüge handele und nicht um direkte Abfertigungsverspätungen in Athen. Er verglich die Situation mit der Überlastung des deutschen Luftraums unmittelbar nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine, als sich die Hauptflugrouten abrupt änderten.

Investitionen in Personal und sinkende Verspätungsraten

Trotz der enormen Herausforderungen zeigen die internen Daten der griechischen Zivilluftfahrtbehörde (YPA) eine positive Entwicklung. Im Juni sanken die luftverkehrsbedingten Verspätungen am Flughafen Eleftherios Venizelos im Vergleich zum Vorjahr um 31,77 Prozent. Die durchschnittliche Verspätung pro Flug reduzierte sich auf 4,43 Minuten, verglichen mit 6,50 Minuten im Juni 2025. Im Bereich des Kontrollzentrums Athen-Makedonien lag die durchschnittliche Verspätung bei 2,26 Minuten pro Flug; rechnet man wetterbedingte und externe Faktoren heraus, fällt dieser Wert sogar auf unter eine Minute. Laut Eurocontrol-Berichten verzeichnen Länder wie Frankreich und Spanien weitaus höhere Verspätungsraten.

Um die operative Leistungsfähigkeit weiter zu stärken, hat die Behörde im Jahr 2025 die Einstellung von 92 neuen Fluglotsen veranlasst. Derzeit befinden sich 51 Lotsen in der Vereidigungsphase, die Teil eines Kontingents von insgesamt 77 für das laufende Jahr geplanten Neueinstellungen sind. Aufgrund der anspruchsvollen und langwierigen Ausbildung wird jedoch erwartet, dass die ersten dieser neuen Fluglotsen erst im kommenden Jahr vollständig in den aktiven Dienst eintreten können.

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