Griechenland – Die griechische öffentliche Verwaltung verzeichnet einen signifikanten Schritt in der digitalen Transformation: Die ersten 1.000 Staatsbeamten und Verwaltungsangestellten schließen derzeit ein spezialisiertes, universitäres Ausbildungsprogramm für Künstliche Intelligenz (KI) ab. Das Programm, das auf die spezifischen Anforderungen des öffentlichen Sektors zugeschnitten ist, soll die technologische und prozessuale Modernisierung der staatlichen Behörden vorantreiben und das Personal auf die Anwendung des neuen europäischen Rechtsrahmens vorbereiten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die ersten 1.000 griechischen Beamten erhalten ein spezialisiertes Universitätszertifikat für Künstliche Intelligenz.
- Langfristig zielt das Programm auf die strukturierte Weiterbildung von rund 200.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst ab.
- Die Schulungsinhalte umfassen KI-Werkzeuge, Datenschutzrichtlinien und die Umsetzung des europäischen AI Acts.
Vom Basiswissen zur Künstlichen Intelligenz in der Verwaltung
In den vergangenen Jahrzehnten beschränkte sich die digitale Fortbildung im griechischen Staatsdienst primär auf grundlegende EDV-Kenntnisse, den Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen und die Nutzung von E-Government-Plattformen. Mit dem neuen Fortbildungsprogramm findet ein Paradigmenwechsel statt. Zielgruppe der Maßnahme sind Mitarbeiter in Ministerien, Beschäftigte der Kommunalverwaltung (OTA), Pädagogen sowie Führungskräfte in staatlichen Stellen.
Die Ausbildung fokussiert sich darauf, wie Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz zur Texterstellung, Datenanalyse, Aktenzusammenfassung und Entscheidungsunterstützung rechtssicher eingesetzt werden können. Im Mittelpunkt steht nicht nur die technische Anwendung, sondern auch das kritische Verständnis dafür, wie KI-generierte Antworten überprüft werden und in welchen administrativen Bereichen der Einsatz gesetzlich zulässig oder untersagt ist. Dies umfasst auch den strikten Schutz der Bürgerdaten im behördlichen Alltag.
Akademische Zertifizierung und die Rolle des EU AI Acts
Hinter der Initiative steht das Bildungszentrum der Universität Patras in Kooperation mit dem nationalen Weiterbildungsträger EKEK ATHENA. Die Institutionen weisen eine hohe Expertise im Bereich der Erwachsenenbildung auf und haben in den vergangenen vier Jahren bereits über 90.000 Personen in neuen Technologien zertifiziert. Das aktuelle KI-Programm für den öffentlichen Sektor ist durch das griechische Bildungsministerium sowie die Personalauswahlbehörde für den öffentlichen Dienst (ASEP) offiziell anerkannt.
Die Absolventen erhalten Credit Points (ECTS), was der Fortbildung ein institutionelles Gewicht verleiht und sie von regulären Kurzseminaren abhebt. Ein zentraler Bestandteil des Lehrplans ist die Implementierung des europäischen Artificial Intelligence Acts (AI Act). Die Beamten lernen, wie die neuen regulatorischen Vorgaben der Europäischen Union in die tägliche Praxis der griechischen Verwaltung übersetzt werden müssen.
KI als neues Einstellungskriterium für Staatsbeamte?
Die Zertifizierung der ersten 1.000 Mitarbeiter markiert den Auftakt einer landesweiten Bildungsinitiative, die mittelfristig bis zu 200.000 Beschäftigte erreichen soll. Mit diesem systematischen Aufbau von internem Know-how reagiert der Staat auf die wachsende Notwendigkeit, Fachwissen nicht nur extern einzukaufen, sondern innerhalb der Verwaltungsorgane zu verankern.
In diesem Kontext wird innerhalb der zuständigen Behörden bereits diskutiert, ob zertifizierte Kenntnisse im Bereich der Künstlichen Intelligenz künftig als formales Qualifikationskriterium bei der Einstellung und Beförderung von Beamten etabliert werden sollen. Angesichts der komplexer werdenden digitalen Infrastruktur reiche die reine Bedienung von Computern für die öffentliche Verwaltung der kommenden Dekade nicht mehr aus.