Athen – Der US-amerikanische Technologiekonzern Amazon Web Services (AWS) steht vor einem bedeutenden Schritt auf dem griechischen Markt. Wie das Management des Unternehmens im Rahmen einer Präsentation bekannt gab, wird bereits ab Juli eine neue sogenannte „Local Zone“ in Athen offiziell den Betrieb aufnehmen. Damit installiert AWS als erster großer US-Cloud-Anbieter eine derartige dedizierte Infrastruktur auf griechischem Boden, um die wachsende Nachfrage nach Cloud-Diensten und künstlicher Intelligenz in Südosteuropa zu bedienen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Start im Juli: Die neue AWS Local Zone ermöglicht Datenverarbeitung direkt in Griechenland mit Latenzzeiten im einstelligen Millisekundenbereich.
- KI-Boom: Bereits über 400.000 griechische Unternehmen setzen auf künstliche Intelligenz, 60.000 davon kamen allein im letzten Jahr hinzu.
- Erweiterte Kooperation: Bei einem Treffen zwischen Premier Kyriakos Mitsotakis und Amazon-Vize Panos Panay wurden weitere Investitionen in grüne Energie und Satellitendienste erörtert.
Cloud-Infrastruktur mit minimaler Latenzzeit
Die Aktivierung der lokalen Zone erfolgt rund fünf Jahre nach der ersten strategischen Ankündigung und markiert einen Wendepunkt für die digitale Wirtschaft des Landes. Die neue Cloud-Infrastruktur ermöglicht es Unternehmen und Behörden, sensible Daten innerhalb der nationalen Grenzen Griechenlands zu speichern und zu verarbeiten. Gleichzeitig können Rechenleistung, Speicherressourcen und Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz mit extrem kurzen Antwortzeiten abgerufen werden. Laut Unternehmensangaben wird eine Latenzzeit von wenigen Millisekunden garantiert.
Dieses technologische Merkmal ist besonders für hochregulierte oder zeitkritische Branchen wie das Finanz- und Bankwesen, die Telekommunikation, das Gesundheitswesen, den E-Commerce sowie den öffentlichen Sektor von entscheidender Bedeutung. Technisch ist die neue Anlage in Athen direkt an die bestehende AWS Region Frankfurt angebunden, welche bereits von einer Vielzahl griechischer Betriebe genutzt wird. Die Athener Local Zone gehört zudem zu den weltweit ersten Standorten, die den Speicherdienst Amazon S3 auf lokaler Ebene unterstützen, was die lokale Analyse extrem großer Datenmengen erleichtert.
Gegenwärtig befindet sich die Infrastruktur in einer Testphase durch ausgewählte Partnerunternehmen im Rahmen eines Early-Access-Programms. Zu den ersten Kunden gehören der E-Commerce-Marktplatz Skroutz, der Finanzsoftware-Entwickler Profile Software sowie das Technologieunternehmen Omilia, das KI-gestützte Sprachsysteme in 17 Ländern anbietet. Der genaue Standort des Rechenzentrums innerhalb des Großraums Athen wird von AWS aus Sicherheitsgründen streng geheim gehalten.
Treffen im Regierungssitz und Zukunftspläne für Alexa und Kindle
Die strategische Bedeutung des Projekts spiegelte sich auch auf politischer Ebene wider. Im Vorfeld der Ankündigung kam es im Athener Megaro Maximou zu einem offiziellen Treffen zwischen dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis und dem Senior Vice President von Amazon, Panos Panay. Im Zentrum der Gespräche standen zukünftige Kooperationen, die weit über das klassische Cloud-Geschäft hinausgehen. Neben dem Ausbau der Infrastruktur für Amazons satellitengestützten Internetdienst wurden auch Pläne zur vollständigen Integration της griechischen Sprache in die Ökosysteme von Kindle und Alexa besprochen.
Über die genaue Höhe der aktuellen Investition oder die Gesamtkapazität des neuen Rechenzentrums machte der griechische AWS-Länderchef Thanasis Patsakas keine konkreten Angaben. Er betonte jedoch, dass die Infrastruktur so konzipiert sei, dass sie flexibel mit der Nachfrage wachsen könne. Das Management verwies darauf, dass sich das Gesamtvolumen der Investitionen des Mutterkonzerns in der erweiterten Region Südosteuropa auf rund 60 Millionen US-Dollar beläuft.
Langfristiges Engagement und Investitionen in grüne Energie
Die Inbetriebnahme der Local Zone ist Teil einer langfristigen Investitionsstrategie, die im Jahr 2020 mit der Einrichtung eines AWS CloudFront Edge Locations in der griechischen Hauptstadt begann. Seitdem wurden ein lokales Vertriebsbüro aufgebaut, das europaweit erste „AWS Outposts Validation Lab“ in Betrieb genommen und erhebliche Investitionen in den Bereich der erneuerbaren Energien getätigt. Amazon unterstützt in Griechenland mittlerweile grüne Energieprojekte mit einer Gesamtkapazität von 657 MW.
Angesichts des personellen Wachstums hat das Unternehmen zudem neue, größere Büroräumlichkeiten im Athener Vorort Marousi bezogen. Triebfeder für diese Expansion ist der rasante digitale Wandel der griechischen Wirtschaft. Nach aktuellen Daten von Amazon nutzen mittlerweile mehr als 400.000 Unternehmen im Land KI-Anwendungen, wobei rund 60.000 Betriebe erst im Laufe des vergangenen Jahres eingestiegen sind. AWS geht davon aus, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiter beschleunigen und den Bedarf an lokaler Rechenleistung massiv erhöhen wird.