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Junge griechische Fachkräfte arbeiten konzentriert an Computern in einem modernen Großraumbüro in Athen.
Wirtschaft

Griechischer Arbeitsmarkt: Wo bis 2035 die meisten Jobs entstehen?

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
17.06.2026 12:41
Antonia Feldberg
GriechenlandBeruf & Investitionen
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Symbolbild | GRland
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Griechenland – Der griechische Arbeitsmarkt steht durch den wachsenden Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung vor einem tiefgreifenden Strukturwandel, der bis zum Jahr 2035 Hunderttausende neue Stellen in bestimmten Sektoren schaffen wird. Gleichzeitig offenbaren aktuelle Erhebungen gravierende personelle Lücken bei IT-Spezialisten, da das Land im europäischen Vergleich bei der digitalen Fachkräftequote deutlich hinterherhinkt und wertvolle Talente an das Ausland verliert.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • EU-Schlusslicht bei IT: Nur 2,5 Prozent der Beschäftigten in Griechenland sind Experten für Informations- und Kommunikationstechnologie.
  • Wachstum durch Ersatzbedarf: Bis 2035 entstehen laut Prognosen massive Vakanzen im Vertrieb, in der Lehre und im Pflegebereich.
  • Ursachen für Abwanderung: Niedrige Gehälter und die mangelnde Digitalisierung von Kleinunternehmen treiben IT-Fachkräfte in den Brain Drain.

KI und die strukturelle Neuordnung der Arbeitswelt

Technologische Entwicklungen verändern die Kriterien, nach denen Unternehmen künftig ihr Personal auswählen, grundlegend. Gemäß dem Iceberg Index des MIT besitzt Künstliche Intelligenz potenziell die Fähigkeit, rund 11,7 Prozent der derzeitigen Arbeitnehmer zu ersetzen. Dies zwingt sowohl Arbeitskräfte als auch Ausbildungsstätten zur Anpassung. Während Routineaufgaben zunehmend von Algorithmen übernommen werden, wächst der Bedarf an Fachpersonal in den Bereichen Gesundheit, persönliche Betreuung, Bildung sowie an hoch qualifizierten Technikern.

Massiver Mangel an IT-Spezialisten in Griechenland

Obwohl die Digitalisierung rasant voranschreitet, weist der griechische Arbeitsmarkt ein signifikantes Defizit an Technologieexperten auf. Nach Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat aus dem Jahr 2025 machen Spezialisten für Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) in Griechenland lediglich 2,5 Prozent der Gesamtbeschäftigten aus. Damit verzeichnet das Land den niedrigsten Wert innerhalb der Europäischen Union, deren Durchschnitt bei 5 Prozent liegt.

Die Spitzenplätze im EU-Vergleich belegen Schweden mit einem Anteil von 8,9 Prozent, gefolgt von Luxemburg (8,7 Prozent) und Finnland (7,8 Prozent). Am unteren Ende der Skala rangieren neben Griechenland auch Rumänien (2,7 Prozent) und Italien (3,8 Prozent). Zudem verdeutlichen die Eurostat-Zahlen ein starkes Ungleichgewicht der Geschlechter in der Branche: Europaweit waren 80,5 Prozent der im Jahr 2025 beschäftigten Technologieexperten männlich.

Die Gründe für das griechische IT-Defizit

Die unzureichende Zahl an heimischen IT-Fachkräften lässt sich auf mehrere strukturelle Herausforderungen der griechischen Wirtschaft und Gesellschaft zurückführen. Vier wesentliche Faktoren begünstigen diese Entwicklung:

  • Der Brain Drain: Hoch qualifizierte Softwareentwickler und Ingenieure wandern ins Ausland ab oder arbeiten remote für internationale Konzerne, die deutlich attraktivere Aufstiegschancen bieten.
  • Klaffende Lohnlücke: Die Gehälter im inländischen Technologiesektor liegen weit unter dem europäischen Durchschnitt, was den heimischen Privatsektor für neue Absolventen unattraktiv macht.
  • Geringe digitale Intensität: Der Markt wird stark von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) dominiert, denen oft das Budget oder das technische Know-how fehlt, um spezialisiertes IT-Personal zu integrieren.
  • Diskrepanz bei den Fähigkeiten: Es existiert eine Lücke zwischen dem akademischen Wissen der Absolventen und den praktischen Anforderungen des Marktes, insbesondere im Umgang mit neuesten Spitzentechnologien.

Staatliche Initiativen und Berufe der Zukunft

Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat das zuständige Arbeitsministerium Informationskampagnen an den Gymnasien des Landes gestartet. Schüler sollen gezielt über zukunftsträchtige Berufsfelder und geeignete Studiengänge aufgeklärt werden. Der offizielle Mechanismus zur Diagnose des Arbeitsmarktbedarfs des Ministeriums listet folgende Berufe als besonders gefragt für die kommenden Jahre auf:

  • Netzwerk- und Datenbankingenieure
  • Softwareentwickler
  • Techniker für Computersysteme und Netzwerke
  • Techniker für Industrieanlagen und Automatisierung
  • Elektroniker für intelligente Gebäude (z.B. KNX-Systeme)
  • Techniker für fortschrittliche Kühlsysteme
  • IoT-Ingenieure (Internet of Things)
  • Fachkräfte im Gesundheitswesen und in der medizinischen Betreuung
  • Bediener und Wartungstechniker für medizinische Geräte
  • Führungskräfte für Lebensmittelsicherheit und Qualitätsmanagement
  • Vorarbeiter im Bergbau
  • Führungskräfte in der Exportförderung und Lieferkette
  • Techniker für elektrische Anlagen und Bediener von Baumaschinen

CEDEFOP-Prognose: Hunderttausende neue Stellen bis 2035

Das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP) prognostiziert für Griechenland bis zum Jahr 2035 einen massiven Bedarf an Arbeitskräften. Dieser entsteht nicht nur durch technologisches Wachstum, sondern primär durch die notwendige Ersetzung einer großen Zahl von Mitarbeitern, die in den Ruhestand treten. Zu den gefragtesten Berufsgruppen zählen demnach Lehrkräfte, Büroangestellte, Maschinenbediener, medizinisches Personal sowie Vertriebsmitarbeiter. Berufe wie Filialleiter im Einzelhandel oder klassische Sekretariatsaufgaben werden hingegen an Bedeutung verlieren.

Die konkreten Prognosen für den Personalbedarf auf dem griechischen Arbeitsmarkt bis 2035 umfassen unter anderem folgende Positionen:

  • Beschäftigte in persönlichen Dienstleistungen: 337.718 Stellen
  • Vertriebsmitarbeiter: 269.655 Stellen
  • Allgemeine Büroangestellte und Datenerfasser: 144.425 Stellen
  • Fahrer und Bediener mobiler Anlagen: 128.274 Stellen
  • Lehrkräfte: 122.011 Stellen
  • Fachkräfte im Gesundheitswesen: 119.928 Stellen
  • Fachkräfte für Wirtschaft und Verwaltung: 81.837 Stellen
  • Rechts-, Sozial- und Kulturberufe: 67.534 Stellen
  • Mitarbeiter im Kundenservice: 59.640 Stellen
  • Beschäftigte in der persönlichen Pflege: 56.052 Stellen
  • Fachkräfte in der Landwirtschaft (marktorientiert): 44.987 Stellen
  • Arbeiter in der Elektro- und Elektronikbranche: 39.726 Stellen
  • Arbeiter in Metallverarbeitung und Maschinenbau: 36.744 Stellen
  • Fachkräfte für Informations- und Kommunikationstechnologie: 29.222 Stellen
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