Griechenland – Die zunehmende Sichtung von Hasenkopf-Kugelfischen in den flachen Küstengewässern beunruhigt derzeit viele Badegäste und Küstenfischer. Nach Einschätzung der wissenschaftlichen Gemeinschaft ist die aufkommende Panik jedoch unbegründet. Ein maßgeblicher Grund dafür, dass sich die eigentlich tiefseeliebenden Tiere den Stränden nähern, liegt in falschem menschlichem Verhalten, insbesondere der unbedachten Fütterung durch Urlauber und Einheimische.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Hasenkopf-Kugelfisch ist ein invasives Neozoon, das sich seit Anfang der 2000er Jahre im griechischen Mittelmeer etabliert hat.
- Menschliches Anfüttern lockt die Fische aus ihren natürlichen tieferen Lebensräumen in flache Badezonen.
- Meeresbiologen warnen eindringlich vor dem Verzehr des giftigen Fisches und fordern ein striktes Ende der Fütterung von Wildtieren.
Klimawandel begünstigt die Ausbreitung
In einem Interview mit dem griechischen Fernsehsender SKAI erklärte der Professor für Meeresbiologie, Drosos Koutsoumpas, die Hintergründe der aktuellen Entwicklung. Er betonte, dass die oft geschürte Panik nicht der Realität entspreche. Der Hasenkopf-Kugelfisch (Lagocephalus) gehöre zu den vielen invasiven Arten, die in den vergangenen Jahrzehnten in das Mittelmeer eingewandert seien. In Griechenland sei die Art erstmals in den Jahren 2002 und 2003 vermehrt aufgetreten und habe sich seitdem hervorragend an die mediterranen Bedingungen angepasst.
Laut Koutsoumpas hängt die starke Vermehrung des Fisches maßgeblich mit der Erderwärmung und dem Klimawandel zusammen. Da die Art fähig sei, in der neuen Umgebung zu überleben und starke Populationen zu bilden, breite sie sich rasant aus. Ein intaktes und gesundes marines Ökosystem trage jedoch natürlicherweise dazu bei, den Bestand solcher invasiven Fische zu regulieren.
Falsche Tierliebe als Risiko am Strand
Das eigentliche Problem an den Küsten ist nach Angaben des Experten menschgemacht. Unter normalen Bedingungen halte sich der Kugelfisch in tieferen Gewässern auf und meide den direkten Strandbereich. Die vermehrten Begegnungen mit Schwimmern resultierten daraus, dass Menschen die Wildtiere fälschlicherweise wie Haustiere behandeln würden.
Um die Folgen dieses Verhaltens zu verdeutlichen, zog der Meeresbiologe einen Vergleich zur Meeresschildkröte heran. Auch hier sei das Phänomen zu beobachten, dass Strandbesucher die Tiere füttern. Dieses Verhalten sei ein fataler Fehler. Die Meeresbewohner gewöhnten sich daran, in flachen Gewässern nach Nahrung zu suchen, anstatt ihr natürliches Jagdverhalten in der Tiefe auszuüben. Bleibe die menschliche Fütterung dann aus, steige das Risiko, dass die Tiere in Erwartung von Nahrung zubeißen.
Strikte Verzehrwarnung und wirtschaftliche Schäden
Neben dem Appell an das richtige Verhalten im Wasser sprach der Meeresbiologe eine absolute Verzehrwarnung aus. Der Hasenkopf-Kugelfisch dürfe unter keinen Umständen gegessen werden, da er starke Nervengifte enthält. Darüber hinaus bereitet die invasive Ausbreitung der Art nicht nur dem Tourismus Sorgen: Wie Koutsoumpas abschließend betonte, verursacht der Kugelfisch auch erhebliche wirtschaftliche und praktische Probleme für die lokalen Fischer, deren Netze und Fänge regelmäßig beschädigt werden.