Griechenland – Der hochgiftige Hasenkopf-Kugelfisch breitet sich unkontrolliert in den griechischen Küstengewässern aus und greift zunehmend auch Badegäste an. Das invasive Raubtier, das über den Sueskanal aus dem Indischen Ozean in das Mittelmeer eingewandert ist, verursacht nicht nur Verletzungen bei Schwimmern in beliebten Urlaubsregionen, sondern bedroht auch die Existenz der lokalen Fischer. Um eine weitere Ausbreitung zu stoppen, plant die griechische Regierung nun die Einführung einer staatlichen Fangprämie, um das maritime Ökosystem und den Tourismus zu schützen.
Die ungleiche Auseinandersetzung zwischen dem fremden Eindringling und der heimischen Tierwelt hat sich längst zu einem ökologischen und wirtschaftlichen Problem entwickelt. Da dem Fisch im Mittelmeer die natürlichen Feinde fehlen, vermehrt er sich rasant und verdrängt einheimische Arten. Urlauber und Einheimische an den Stränden von Attika bis Kreta sehen sich mit einer neuen Realität konfrontiert, die besondere Vorsicht beim Baden erfordert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Invasive Hasenkopf-Kugelfische attackieren Schwimmer in flachen Gewässern, unter anderem an den Stränden von Attika, Kreta und den Dodekanes-Inseln.
- Der Verzehr des Fisches ist absolut tödlich, da seine inneren Organe das starke Nervengift Tetrodotoxin (TTX) enthalten.
- Der Staat plant eine Fangprämie von 6 Euro pro Kilogramm, um die Population des Schädlings einzudämmen und Fischer zu entschädigen.
Angriffe auf Schwimmer in beliebten Urlaubsregionen
Was im Jahr 2013 als vereinzelte Sichtung begann, hat sich zu einem flächendeckenden Problem entwickelt. Der Hasenkopf-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus) taucht mittlerweile in Schwärmen auf und zeigt ein zunehmend furchtloses Verhalten. An den Küsten von Attika, darunter in Saronida, Varkiza und Vouliagmeni, wurden in letzter Zeit vermehrt Angriffe auf Badegäste gemeldet. Die Fische attackieren Schwimmer selbst in extrem flachem Wasser von nur 20 Zentimetern Tiefe.
Die scharfen, schnabelartigen Zähne der Tiere verursachen tiefe Bisswunden. Kürzlich musste ein Badegast in Varkiza nach einem Biss in den Unterschenkel ärztlich versorgt werden. Weitere Opfer wurden mit Verletzungen an den Beinen und anderen Körperteilen in das Asklipieio-Krankenhaus in Voula eingeliefert. Experten weisen darauf hin, dass viele leichtere Vorfälle gar nicht erst gemeldet werden. Bis zum vergangenen Jahr wurden im gesamten Mittelmeerraum 28 schwere Angriffe dokumentiert, einige davon führten zur Amputation von Fingern.
Tödliches Gift und fehlende natürliche Feinde
Der Fisch, der ursprünglich im Indischen Ozean, im Pazifik und im Roten Meer beheimatet ist, gelangte durch die Erweiterungen des Sueskanals in den Jahren 2001 und 2015 in das Mittelmeer. Steigende Wassertemperaturen begünstigten seine Ausbreitung von Kreta und Rhodos bis hinauf nach Thessaloniki und Korfu. Die eigentliche Gefahr geht jedoch von seinem Inneren aus: Die Organe des Fisches enthalten Tetrodotoxin (TTX), ein Nervengift, für das es kein Gegengift gibt und dessen Verzehr unweigerlich zu einem qualvollen Tod führt.
Gleichzeitig rottet der Räuber die heimischen Fischbestände aus. Er ernährt sich von Tintenfischen, Krabben und Meerbrassen und zerstört dabei die Netze der Fischer. Der jährliche Schaden für die griechische Küstenfischerei wird vom Hellenischen Zentrum für Meeresforschung (HCMR) auf über 6.000 Euro pro Fischer geschätzt. Die Überfischung natürlicher Feinde wie Schwertfisch, Hai und Goldmakrele hat dazu geführt, dass der Kugelfisch an der Spitze der marinen Nahrungskette des Ägäischen Meeres operiert.
Staatliche Maßnahmen: Sechs Euro Fangprämie pro Kilo
Um der Plage Herr zu werden, greift der griechische Staat nun zu wirtschaftlichen Anreizen. Nach erfolgreichen Pilotprojekten auf Kreta und den Dodekanes plant die Regierung, eine Prämie von 6 Euro pro Kilogramm gefangenen Hasenkopf-Kugelfisch auszuzahlen. Ein ähnliches Modell wird bereits in Zypern angewendet, wo die Prämie kürzlich von 3,00 auf 4,80 Euro angehoben wurde, mit dem Ziel, 125 Tonnen der invasiven Art aus dem Meer zu holen. Auch die Türkei subventioniert die Befischung der Tiere.
Parallel dazu suchen Wissenschaftler nach industriellen Nutzungsmöglichkeiten. Im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Forschungsprojekts „Lagomeal“ untersuchen Forscher des HCMR und des Forschungszentrums Demokritos, ob und wie das tödliche Gift extrahiert werden kann, um aus den Fischen sicheres Fischmehl für die Tierzucht zu produzieren. Auch in Ägypten laufen ähnliche Forschungsarbeiten zur Isolierung des Toxins.
Ökologisches Ungleichgewicht im Mittelmeer
Die Invasion des Kugelfisches ist nur ein Symptom einer viel größeren Krise im marinen Ökosystem. Anastasia Miliou, Forschungsdirektorin am Institut für Meeresschutz Archipelagos, ordnet die Situation historisch ein. Mehr als 3.500 Jahre lang hätten die Bewohner des Mittelmeerraums die gleichen heimischen Fischarten verzehrt. Dies ändere sich nun durch menschliche Eingriffe radikal. Neben dem Klimawandel seien vor allem ungeprüftes Ballastwasser der Schifffahrt und die massive Überfischung für das Ungleichgewicht verantwortlich.
Mittlerweile haben sich mehr als 1.000 fremde Arten im Mittelmeer angesiedelt, darunter der ebenfalls giftige Feuerfisch, der Trompetenfisch und die Blaue Krabbe. Um das Ökosystem zu retten, fordern Meeresbiologen ein Umdenken. Anstatt nur die Jagd auf invasive Arten zu fördern, sollten Fischer finanziell unterstützt werden, ihre Tätigkeit zeitweise ruhen zu lassen. Nur so könnten sich die Bestände der natürlichen Raubfische erholen, um die weitere Ausbreitung der Schädlinge auf natürliche Weise zu stoppen.