Euböa – Eine ungewöhnlich intensive Abfolge seismischer Aktivitäten hat am Sonntagnachmittag den nördlichen Teil der griechischen Insel Euböa erschüttert. Innerhalb von nur eineinhalb Stunden verzeichnete das Geodynamische Institut der Nationalen Sternwarte Athen insgesamt zwanzig Beben unterschiedlicher Intensität. Die stärkste Erschütterung erreichte eine Magnitude von 5,2 auf der Richterskala und sorgte für erhebliche Beunruhigung bei der lokalen Bevölkerung sowie bei Besuchern der Region. Die Serie begann um 12:58 Uhr mit einem ersten signifikanten Stoß der Stärke 4,8, dessen Epizentrum rund sechs Kilometer südlich der Ortschaft Prokopi lokalisiert wurde. Unmittelbar danach folgten weitere messbare Erschütterungen, die das Einsatzprotokoll der staatlichen Behörden auslösten.
Die ununterbrochenen Erdstöße führten zu spürbaren Auswirkungen in den Bergdörfern der Insel, wobei vor allem die historische Bausubstanz in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Ministerium für Klimakrise und Zivilschutz hat sofortige Maßnahmen eingeleitet, um die Stabilität der Infrastruktur zu überprüfen und mögliche Gefahrenquellen für die Bürger zu isolieren. Bislang konzentrieren sich die staatlichen Maßnahmen auf die Schadensaufnahme und die Prävention, während die seismologischen Netzwerke das Gebiet rund um die Uhr überwachen. Der griechische Katastrophenschutzmechanismus befindet sich auf der höchsten lokalen Alarmstufe.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Innerhalb von 90 Minuten wurden auf Euböa 20 Erdbeben registriert.
- Die stärkste Erschütterung wies eine Magnitude von 5,2 auf.
- Das Epizentrum befand sich südlich der Ortschaft Prokopi.
- Es gibt Berichte über Gebäudeschäden und kleinere Erdrutsche, jedoch keine Verletzten.
- Die Feuerwehr und der Zivilschutz patrouillieren in den betroffenen Gebieten.
Gebäude stürzen ein und Panik während einer Taufe
Die Wucht der Erschütterungen hat in mehreren Ortschaften der Gemeinde Mantoudi-Limni-Agia Anna zu materiellen Schäden geführt. Der zuständige Bürgermeister, Giorgos Tsapourniotis, gab an, dass insbesondere die Dörfer Prokopi und Dafnousa schwer betroffen seien, wo bereits im Vorjahr ähnliche seismische Ereignisse Schäden angerichtet hatten. In der Ortschaft Dafnousa sei ein älteres Gebäude vollständig eingestürzt. Personen seien dabei jedoch nicht zu Schaden gekommen, da die Anwohner rechtzeitig ins Freie fliehen konnten. Der stellvertretende Bürgermeister fügte hinzu, dass tiefe Risse in mehreren Wohnhäusern festgestellt worden seien und die Bewohner die Gebäude vorsorglich geräumt hätten.
Besondere Dramatik entwickelte sich am Rande von Prokopi. In der Kirche Agios Georgios fand zum Zeitpunkt des Hauptbebens eine Taufe statt. Die Erschütterungen lösten bei den Gästen und dem Priester Panik aus, sodass die Zeremonie abgebrochen wurde und alle Anwesenden das Gebäude fluchtartig verließen. Trotz der Intensität der Beben blieben wichtige religiöse und kulturelle Stätten der Region unversehrt. Übereinstimmenden Meldungen zufolge haben weder die bekannte Pilgerstätte des Heiligen Johannes des Russen, die jährlich Tausende von Touristen anzieht, noch das Museum für kleinasiatische Kultur architektonische Schäden erlitten.
Einschätzung der Seismologen und weitere Warnungen
Die griechische Wissenschaftsgemeinschaft beobachtet die Entwicklung des Phänomens auf Euböa mit großer Aufmerksamkeit, bemüht sich jedoch, die Bevölkerung zu beruhigen. Der Professor für Seismologie an der Aristoteles-Universität Thessaloniki, Kostas Papazachos, ordnete die Ereignisse als natürliche, wenn auch extrem intensive seismische Sequenz ein. Er wies darauf hin, dass die kommenden Tage in der Region schwierig bleiben könnten und weitere Erschütterungen im Bereich von 5,0 auf der Richterskala nicht auszuschließen seien. Er mahnte die Anwohner zur Vorsicht, insbesondere beim Betreten von älteren Wohngebäuden ohne moderne erdbebensichere Fundamente.
Ähnlich äußerte sich der Präsident der Organisation für Erdbebenplanung und -schutz (OASP). Er erklärte, dass die Region zwar kein Potenzial für ein gewaltiges Megabeben besitze, das Phänomen die Einwohner jedoch noch einige Tage beschäftigen werde. Der Forschungsdirektor am Geodynamischen Institut, Athanasios Ganas, bestätigte, dass das bekannte geologische Bruchsystem bei Prokopi eine begrenzte Dynamik aufweise und Erschütterungen von maximal 5,5 bis 6,0 auf der Richterskala erzeugen könne. Er betonte, dass die vielen alten Steinhäuser und verlassenen Gebäude im Bergland des Kandili-Massivs nun dringend von den Behörden auf ihre strukturelle Integrität überprüft werden müssten.
Ministerium für Klimakrise bewertet die Lage
Auf politischer und administrativer Ebene hat der Vorfall sofortige Reaktionen hervorgerufen. Der Minister für Klimakrise, Euaggelos Tournas, steht in permanentem Kontakt mit der kommunalen Verwaltung von Mantoudi und koordiniert die staatlichen Hilfsmaßnahmen. Die Abteilungen des Generalsekretariats für die Wiederherstellung von Naturkatastrophen und staatliche Hilfe wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, um eine rasche Begutachtung der betroffenen Strukturen zu gewährleisten. Bisherige Inspektionen bestätigen den Einsturz von Mauern, kleinere Hangrutsche an ländlichen Straßen sowie Risse in der Bausubstanz.
Um sich ein präzises Bild von der Zerstörung zu machen und die notwendigen finanziellen und logistischen Hilfen auf den Weg zu bringen, begab sich Minister Tournas in Begleitung des Generalsekretärs Petros Kampouris persönlich in die am stärksten betroffenen Ortschaften. Die schnelle Präsenz der Regierung unterstreicht die Notwendigkeit, strukturelle Schwächen in den Bergdörfern zeitnah zu dokumentieren und die Sicherheit des Straßennetzes vor Einbruch der Dunkelheit zu garantieren, da weitere Erdrutsche durch Nachbeben jederzeit ausgelöst werden könnten.
Erhöhte Alarmbereitschaft der griechischen Feuerwehr
Die operative Reaktion der Sicherheitskräfte erfolgte unmittelbar nach der ersten Erschütterung. Auf Anweisung des Leiters der Griechischen Feuerwehr, Generalleutnant Theodoros Vagias, wurden sämtliche Feuerwehreinheiten in der Region Attika und auf der Insel Euböa mobilisiert. Gleichzeitig wurden die erste und siebte Spezialeinheit für Katastrophenschutz (EMAK) in Alarmbereitschaft versetzt. Die Einsatzzentrale bestätigte, dass bislang keine Notrufe zur Rettung von eingeschlossenen Personen eingegangen seien, was angesichts der eingestürzten Bausubstanz als glücklicher Umstand gewertet wird.
Zur präventiven Sicherung der Gebiete sind derzeit über 20 Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr auf der Insel unterwegs. Die Mannschaften patrouillieren auf dem lokalen Straßennetz, um in enger Abstimmung mit der griechischen Polizei mögliche Blockaden durch Geröll frühzeitig zu erkennen und abzusichern. Eine spezialisierte Such- und Rettungsgruppe der EMAK verlegte ihren Standort prophylaktisch in das Epizentrum der seismischen Aktivitäten, um im Falle eines stärkeren Nachbebens ohne Verzögerung eingreifen zu können. Die Behörden appellieren an die Bürger, strikt den Anweisungen des Zivilschutzes zu folgen.