Thessaloniki – Auf einem Ryanair-Flug von Griechenland nach Deutschland ist es am 10. Juli zu einem schweren Zwischenfall gekommen. Kurz nach dem Start in Thessaloniki zerbrach das Fenster an Sitzplatz 11F, was zu einem plötzlichen Druckabfall führte. Ein 61-jähriger serbischer Passagier wurde dabei durch den enormen Sog teilweise aus dem Flugzeugfenster gezogen und überlebte nur dank des Eingreifens seiner Mitreisenden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das Kabinenfenster zerbrach in rund 15.000 Fuß Höhe bei einer Geschwindigkeit von über 600 km/h.
- Der betroffene Passagier wurde mit dem Oberkörper ins Freie gesogen und erlitt schwere Verletzungen.
- Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB leitet unter Führung der griechischen Behörden die Untersuchung.
Dramatische Rettungsaktion durch Mitreisende
Wie die britische Zeitung The Guardian unter Berufung auf den Betroffenen Ljubisa Karovic berichtet, habe dieser unmittelbar nach der Explosion das Bewusstsein verloren. Der Mann sei mehrfach ohnmächtig geworden, während er mit Kopf und rechtem Arm aus dem Rumpf der Maschine hing. Seine Ehefrau Svetlana habe geschildert, dass ihr Mann rund eineinhalb bis zwei Minuten zwischen der Kabine und dem Freien festklemmte.
Den Berichten zufolge seien ausschließlich andere Fluggäste zur Hilfe geeilt. Ein namentlich nicht genannter Mitreisender habe den 61-Jährigen mit enormem Krafteinsatz zurück in die Kabine gezogen. Anschließend habe der Helfer versucht, das offene Fenster abzudichten. Nachdem eine erste Tasche sofort nach draußen gesaugt worden sei, habe er das Loch erfolgreich mit einem Kabinenkoffer blockiert.
Vorwürfe gegen die Kabinenbesatzung
Der Anwalt der Familie, Vassilis Tsiaras, erhob schwere Vorwürfe gegen das Kabinenpersonal. Die Crewmitglieder hätten in dieser kritischen Phase keine Hilfe geleistet und unter Schock gestanden. Lediglich das Verhalten des Piloten, der umgehend den vorgeschriebenen rapiden Sinkflug zur Wiederherstellung eines sicheren Kabinendrucks einleitete, sei lobend hervorzuheben. Der Anwalt betonte, sein Mandant sei nur durch glückliche Umstände am Leben geblieben.
In einer offiziellen Erklärung verteidigte Ryanair das Vorgehen seiner Mitarbeiter. Die Fluggesellschaft erklärte, dass während der Dekompression und des schnellen Sinkflugs alle Passagiere sowie die Besatzung verpflichtet seien, auf ihren Plätzen zu bleiben und Sauerstoffmasken zu tragen. Nach Erreichen einer sicheren Höhe habe sich die Crew um den Verletzten gekümmert, ihn zu seiner Familie umgesetzt und einen an Bord anwesenden Arzt hinzugezogen. Zudem sei für die Notlandung in Thessaloniki medizinisches Personal am Boden alarmiert worden.
Schwere Verletzungen und laufende Untersuchungen
Der 61-jährige Unternehmer erlitt durch den Vorfall schwere Verbrennungen und Blutergüsse am rechten Arm sowie im Brustbereich. Sein Gesicht sei durch den extremen Druckunterschied stark angeschwollen. Mediziner hätten ihm mitgeteilt, dass der Heilungsprozess langwierig werde und er für die kommenden sechs Wochen eine Halskrause tragen müsse. Auch eine operative Behandlung sei nicht ausgeschlossen. Der Passagier fordert nun eine angemessene Entschädigung von der Fluggesellschaft, da ihm diese bislang lediglich Umbuchungsangebote unterbreitet habe.
Die genauen Umstände des Fensterbruchs sind Gegenstand offizieller Untersuchungen. Das amerikanische National Transportation Safety Board (NTSB) hat angekündigt, die Ermittlungen in Kooperation mit den zuständigen griechischen Flugaufsichtsbehörden zu übernehmen und den Vorfall technisch zu analysieren.