Kreta – Nach Monaten großer Sorge um die Wasserversorgung hat sich die Lage auf der griechischen Insel deutlich entspannt. Intensive Regenfälle ließen die Reserven in zwei wichtigen Stauseen stark steigen. Der Aposelemis-Stausee ist inzwischen zu mehr als 85 Prozent gefüllt, während der Potamon-Stausee bei Rethymno bereits überläuft. Die Verantwortlichen sehen darin eine wichtige Entlastung, warnen aber vor verfrühter Entwarnung.
Im Aposelemis-Stausee befinden sich nach Angaben von Aris Papadogiannis, dem Geschäftsführer der kretischen Entwicklungsorganisation OAK, derzeit 20,7 Millionen Kubikmeter Wasser. Noch im Februar 2026 waren es rund 1,35 Millionen Kubikmeter gewesen. Die für die Versorgung von drei Gemeinden tatsächlich verfügbaren Reserven lagen damals sogar unter 700.000 Kubikmetern.
Mehr Sicherheit für die Wasserversorgung im Osten Kretas
Der Aposelemis-Stausee ist eine zentrale Trinkwasserquelle für Heraklion, Chersonissos und Agios Nikolaos. Auf dem Höhepunkt der Tourismussaison versorgt die Anlage bis zu 450.000 Menschen. Die nun erreichten Wasserreserven schaffen nach Einschätzung von Papadogiannis die Voraussetzungen, um den Bedarf im Osten Kretas während der kommenden zwei Jahre zu decken.
Gegenüber der griechischen Zeitung Ta Nea erinnerte der OAK-Chef daran, dass noch einen Monat zuvor die Wasserknappheit das beherrschende Thema bei Treffen und Beratungen gewesen sei. In den zurückliegenden Monaten hatten mehrere Gemeinden auf Kreta zeitweise den Notstand wegen Wassermangels ausgerufen. Für die Versorgung in schwierigen Phasen sei auch die Zusammenarbeit mit den kommunalen Wasserbetrieben entscheidend gewesen, erklärte Papadogiannis.
Potamon-Stausee läuft erstmals im Oktober über
Auch am Potamon-Stausee in der Region Amari bei Rethymno hat sich die Lage grundlegend verändert. Seit Freitag, dem 30. Oktober 2026, läuft das Reservoir über – nach den vorliegenden Angaben erstmals in einem Oktober. Es hat rund 22,5 Millionen Kubikmeter Wasser aufgenommen. Diese Menge gilt als ausreichend, um den Bewässerungsbedarf der Gegend in den kommenden drei Jahren zu decken.
Der hohe Füllstand ist damit besonders für die Landwirtschaft eine positive Entwicklung. Papadogiannis mahnt dennoch zu Vorsicht: Die Klimakrise, wachsende Besucherzahlen und steigende Anforderungen der Landwirtschaft machten einen langfristig besseren Umgang mit Wasser erforderlich. Die jüngsten Regenfälle verschafften Kreta vor allem zusätzliche Zeit, um seine Infrastruktur weiterzuentwickeln.
Zu den laufenden Projekten gehört eine Wasseraufbereitungsanlage am Potamon-Stausee. Der Bau mit einem Volumen von 25 Millionen Euro soll künftig auch die Trinkwasserversorgung von Rethymno und dessen touristisch geprägten Gebieten stärken. Nach den Angaben des OAK-Chefs ist vorgesehen, die Stadt innerhalb der nächsten drei Jahre mit aufbereitetem Wasser aus dem Stausee zu versorgen. Er bezeichnet das Vorhaben als besonders umweltfreundlich.
Undichte Staumauer bei Chania bleibt ein Problem
Nicht an allen Wasseranlagen der Insel sind die Schwierigkeiten gelöst. Am Valsamiotis-Stausee bei Chania führen seit Längerem erhebliche Lecks dazu, dass nicht die ursprünglich vorgesehene Wassermenge gespeichert werden kann.
Obwohl die Anlage bislang nicht in der Zuständigkeit des OAK liegt, hat die Organisation Untersuchungen zur Behebung der Wasserverluste und zum Leitungsnetz ausgearbeitet. Über eine mögliche Übernahme der Verwaltung wird mit den zuständigen Ministerien gesprochen. Geplant sind Reparaturen an den undichten Stellen und ein Rohrleitungsnetz, das Wasser zur Bewässerung der Ebene von Chania nutzbar machen soll. Die Kosten dafür werden auf etwa 14 Millionen Euro geschätzt.
Außergewöhnliche Regenmengen im Oktober
Wie stark die Niederschläge waren, zeigen Messungen des Nationalen Observatoriums Athen. An der Station Xyloskalo bei der Samaria-Schlucht im Raum Chania fielen vom 1. bis zum 18. Oktober 2026 insgesamt 1.011 Millimeter Regen – nach den Angaben des Observatoriums ein Rekordwert.
An der Messstation Farangi wurden 764 Millimeter verzeichnet, in Anogia bei Rethymno 693 Millimeter und in Potamoi in der Region Lasithi mehr als 500 Millimeter. Die außergewöhnlichen Niederschläge erklären den schnellen Anstieg der Pegel. Für Papadogiannis bleibt die Aufgabe nun, die vorübergehende Entlastung für eine dauerhaft verlässlichere Wasserbewirtschaftung zu nutzen.
Mit Informationen von: Entwicklungsorganisation Kretas (OAK), Nationales Observatorium Athen.