Griechenland – Elf Menschen haben während der Waldbrandsaison 2026 ihr Leben verloren. Obwohl die erfasste Brandfläche unter dem Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre lag, fällt die Bilanz schwer aus: Nur zwölf Großbrände waren für rund 80 Prozent der verbrannten Fläche verantwortlich. Besonders betroffen waren Attika, Kreta und Mittelgriechenland. Eine gemeinsame Auswertung von Umwelt- und Feuerexperten benennt erhebliche Defizite bei der Vorbeugung und beim Umgang mit großen Bränden.
Die Bilanz wurde von WWF Griechenland, der pyrometeorologischen Forschungsgruppe FLAME der METEO-Einheit am Nationalen Observatorium Athen und dem Waldbrand-Observatorium Firewatch erarbeitet. Die Fachleute sehen Fortschritte beim schnellen Eingreifen gegen kleinere Feuer. Sobald sich ein Brand jedoch großflächig ausbreitete, traten nach ihrer Einschätzung weiterhin Schwächen bei Vorbereitung, Koordination und Prävention zutage.
60 größere Brände und rund 35.400 Hektar verbrannte Fläche
Nach Daten des europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS wurden zwischen dem 1. Mai und dem 20. Oktober 2026 insgesamt 60 größere Waldbrände mit einer erfassten Brandfläche von 35.396 Hektar registriert. Das sind 29 Prozent weniger als der Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre von 49.643 Hektar. Dennoch liegt 2026 seit 2006 sowohl bei der verbrannten Fläche als auch bei der Zahl der kartierten Brände auf Rang acht der schwersten Jahre.
Die Kartierung erfasst vor allem Feuer mit einer Ausdehnung von mehr als 20 bis 30 Hektar. Tausende kleinere Brandherde, häufig mit Flächen unter fünf Hektar, werden darin nicht vollständig abgebildet. Die tatsächlich insgesamt verbrannte Fläche könnte deshalb nach Einschätzung der Fachleute 40.000 Hektar überschreiten.
Besonders auffällig ist die Konzentration der Schäden: Die zwölf Feuer, bei denen jeweils mehr als 500 Hektar verbrannten, zerstörten zusammen über 28.100 Hektar. Damit entfielen etwa 80 Prozent der von EFFIS erfassten Gesamtfläche auf nur diese zwölf Ereignisse.
Attika, Kreta und Mittelgriechenland besonders betroffen
In Attika wurden 13.631 Hektar Brandfläche erfasst, auf Kreta 7.888 Hektar und in Mittelgriechenland 7.659 Hektar. Zusammen entfielen damit mehr als 80 Prozent der kartierten Brandfläche auf diese drei Regionen. Für Kreta war es die größte betroffene Fläche seit 2006.
Große Feuer bei Porto Germeno und Rethymno Ende Juli entwickelten sich unter extremen Windbedingungen. Beim Brand in Böotien und Westattika am 31. Juli erreichte die mittlere Windgeschwindigkeit ungefähr 50 Kilometer pro Stunde. Dieser Wert lag oberhalb des 99,9. Perzentils der Messwerte für den Zeitraum 1991 bis 2020. Die Brände bei Konitsa und im nördlichen Evros brachen dagegen nach einer längeren Phase atmosphärischer Trockenheit aus.
Der Zeitraum von Oktober 2025 bis April 2026 war insgesamt wärmer und niederschlagsreicher als üblich. Zugleich wurden weniger atmosphärische Trockenheit und geringere Schneefälle beobachtet. Diese Entwicklung war regional aber keineswegs einheitlich: Ausgerechnet Kreta, Attika und Mittelgriechenland gehörten zu den Gebieten mit einem vergleichsweise geringen Niederschlagsüberschuss.
Erneute Brände gefährden die Regeneration der Wälder
Sechs Schutzgebiete wurden von den Feuern erfasst, insgesamt auf einer Fläche von 3.739 Hektar. Betroffen waren drei Natura-2000-Gebiete, ein Nationalpark und zwei Wildtierschutzgebiete.
Besonders problematisch sind nach Einschätzung der Autoren die 5.944,3 Hektar, die bereits innerhalb der vorangegangenen 20 Jahre einmal gebrannt hatten. Wiederholte Feuer erschweren die natürliche Regeneration und erhöhen das Risiko einer langfristigen Verschlechterung der Waldökosysteme. Ein großer Teil dieser Flächen liegt in den Brandgebieten von Rethymno auf Kreta, Karystos, Porto Germeno und Kithairon in der Region Attika-Böotien sowie auf Skyros und Paros.
Allein in Attika verbrannten in den vergangenen 20 Jahren mindestens 110.000 Hektar. Etwa ein Fünftel dieser Fläche war mindestens zweimal von Feuer betroffen. Die wiederholte Belastung macht nach der Auswertung zusätzlichen Schutz notwendig.
Im Gebiet Trapezitsa bei Konitsa beschädigte ein Feuer hoch gelegene Waldvegetation mit Schwarzkiefern, Tannen und weißrindigen Kiefern. Die Untersuchung beschreibt dort unter anderem einen häufigeren Übergang des Feuers in die Baumkronen. Solche Kronenbrände erschweren die Brandbekämpfung erheblich.
Vorbeugung: Hohe Mittel, aber zahlreiche Verträge erst nach Saisonbeginn
Für Präventionsmaßnahmen wurden nach der Auswertung mindestens 176,8 Millionen Euro bereitgestellt. Bei den untersuchten öffentlichen Aufträgen sank der vertraglich gebundene Wert für Vorbeugungsprojekte allerdings um 52,3 Prozent gegenüber dem entsprechenden Zeitraum 2025 und um 49,2 Prozent gegenüber 2024. Die Autoren bringen den Rückgang teilweise mit dem schrittweisen Abschluss des aus dem europäischen Wiederaufbaufonds finanzierten Programms Antinero in Verbindung.
Ein weiteres Problem betrifft den Zeitpunkt kommunaler Brandschutzaufträge. Vor dem Beginn der Waldbrandsaison am 1. Mai waren lediglich 14 Prozent der betreffenden Verträge unterzeichnet. Weitere 66,3 Prozent wurden erst zwischen Mai und August abgeschlossen, als die Waldbrandsaison bereits lief.
Die Untersuchung kritisiert zudem Lücken bei Transparenz und Rechenschaftspflicht. Die Kennzeichnung der Verträge, die geografische Zuordnung von Maßnahmen und der Zugang zu einzelnen Kostenpositionen seien nicht immer ausreichend. Für wichtige Ausgaben, etwa Verträge zur Anmietung privater Löschflugzeuge, fehlten öffentlich zugängliche vollständige Angaben.
Was sich nach Einschätzung der Fachleute ändern muss
Positiv bewertet der Bericht die verbesserte Erstbekämpfung, die Mobilisierung von Bodeneinsatzkräften und Fortschritte bei der Untersuchung von Brandursachen. Eine schnelle Reaktion kann verhindern, dass sich ein kleiner Brand zu einem Großfeuer entwickelt. Bei bereits stark ausgedehnten, komplexen Feuern sehen die Autoren jedoch weiter Probleme bei der Einsatzkoordination, der Nutzung wissenschaftlicher Beratung und der Zusammenarbeit mit freiwilligen Waldbrandhelfern.
Darüber hinaus fordert die Auswertung bessere Kontrollen und eine sorgfältigere Wartung der Stromnetze, da diese mögliche Zündquellen darstellen. Das griechische Gesetz 5281/2026, „Energi Machi“ („Aktiver Kampf“), wertet WWF Griechenland als wichtigen institutionellen Schritt: Es greife mehrere langjährige Vorschläge der Organisation für ein umfassenderes Waldbrandmanagement auf. Entscheidend sei nun die tatsächliche Umsetzung.
Für die kommenden Brandsaisons nennen die Autoren fünf Prioritäten:
- Weniger Brandausbrüche: gezielte Prävention, systematische Untersuchungen von Ursachen und öffentliche Bereitstellung entsprechender Daten.
- Bessere Bekämpfung von Großbränden: engere operative Abstimmung, wissenschaftliche Unterstützung sowie wirksamerer Einsatz von Bodenkräften und Freiwilligen.
- Schutz gefährdeter Ökosysteme: Vorbeugung in Hochrisikogebieten, Schutzgebieten und wiederholt abgebrannten Waldflächen stärken.
- Nachvollziehbarer Mitteleinsatz: Ausgaben für Prävention und Brandbekämpfung sowie deren Ergebnisse systematisch erfassen und bewerten.
- Konsequente Nachbereitung: nach jeder Waldbrandsaison die gewonnenen Erkenntnisse unter Beteiligung aller zuständigen Stellen auswerten.
Mit Informationen von: WWF Griechenland, Forschungsgruppe FLAME der METEO-Einheit am Nationalen Observatorium Athen, Firewatch, Europäisches Waldbrandinformationssystem (EFFIS).