Griechenland – Nur wenige Stunden von der Hauptstadt Athen entfernt, verbirgt sich im Golf von Euböa ein Naturphänomen, das Reisenden ein völlig unerwartetes Landschaftsbild bietet. Zwischen dem Norden der Insel Euböa und dem Festland der Region Phthiotis liegt ein unbewohnter Archipel aus sieben kleinen Inseln. Diese Formation, die vor Ort oft als die „Seychellen Griechenlands“ bezeichnet wird, zieht mit ihren flachen, türkisblauen Gewässern und feinen Sandstränden jeden Sommer Erholungssuchende an, die ein exotisches Küstenflair mitten in Europa suchen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Lichadonisia bestehen aus sieben vulkanischen Inseln im nördlichen Golf von Euböa.
- Die Inselgruppe ist unbewohnt, zeigt aber Überreste menschlicher Siedlungen auf der Hauptinsel.
- Bootsüberfahrten starten regelmäßig von Agios Georgios auf Euböa und dem Festlandort Kamena Vourla.
Monolia als Zentrum des Inselarchipels
Die bekannteste und flächenmäßig größte Insel der Gruppe ist die Hauptinsel Monolia. Sie bildet das primäre Ziel für die meisten Tagesausflügler. Eine üppige, grüne Vegetation prägt das Innere der Insel, während die Küstenlinie von einem ausgedehnten, goldfarbenen Sandstrand gesäumt wird. Das Wasser fällt hier extrem flach ab und behält dadurch bis weit ins Meer hinein angenehm warme Temperaturen. Um Monolia herum gruppieren sich die weiteren sechs Eilande: Megali Strongyli, Mikri Strongyli, Vorias, Steno, Vagia und Limani. Hinzu kommen noch einige kleinere Felsformationen, die in der Region als Pontikonisia bekannt sind. Obwohl die Inseln heute ein reines Naturrefugium darstellen, zeugen verlassene Steinhäuser auf Monolia davon, dass hier noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein eine kleine, dauerhafte Gemeinschaft lebte.
Vulkanische Ursprünge und eine Naturgewalt
Hinter der heutigen paradiesischen Kulisse verbirgt sich eine bewegte geologische Historie. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Entstehung der Inselgruppe auf eine starke vulkanische Aktivität in der Region zurückzuführen ist. Ursprünglich bildeten diese Landmassen keine eigenständigen Inseln, sondern waren fest mit der Küstenlinie des nördlichen Euböa verbunden. Erst gewaltige tektonische Verschiebungen und insbesondere das große Erdbeben im Jahr 426 v. Chr. führten dazu, dass weite Teile des Landes im Meer versanken und die Landspitze vom Rest der Insel abgetrennt wurde. So entstand die heutige isolierte Formation im Wasser.
Die mythologische Verbindung zu Herakles
Wie bei vielen Orten in Griechenland verschmilzt auch hier die Geologie mit der antiken Mythologie. Der Legende nach geht der Name der Inseln auf Lichas zurück, einen loyalen Diener des Halbgottes Herakles. Lichas überbrachte seinem Herrn unwissentlich das von Deianira gesandte, in Gift getränkte Gewand. Als Herakles die tödliche Wirkung spürte und den Verrat vermutete, packte er seinen Diener in einem Wutanfall und schleuderte ihn weit hinaus ins offene Meer. Der griechische Meeresgott Poseidon verwandelte die ins Wasser fallenden Körperteile des Lichas schließlich in jene Inseln, die bis heute seinen Namen tragen.
Praktische Hinweise für die Überfahrt
Für Reisende, die dieses Naturparadies erkunden möchten, beschränkt sich die Hauptsaison auf die Monate von Mai bis Anfang Oktober. In dieser Zeit herrscht reger Bootsverkehr. Die Anreise erfolgt primär über zwei feste Routen. Vom Festland aus starten kleine Passagierschiffe aus dem Küstenort Kamena Vourla in Phthiotis, der ohnehin für seine Thermalquellen bekannt ist. Die kürzere Überfahrt bietet sich jedoch von der Inselseite an. Das kleine Hafendorf Agios Georgios auf Euböa liegt nur rund vier Kilometer von dem Archipel entfernt. Der Ort hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten touristischen Ausgangspunkt entwickelt und dient vielen Besuchern als ruhige Basis für den Ausflug zu den Lichadonisia.