Athen – Wer in Griechenland mit dem Auto oder Mietwagen unterwegs ist, muss beim Tanken weiterhin wachsam sein. Trotz der jüngsten behördlichen Schließung von 92 Tankstellen bleibt die Betrugsquote an den Zapfsäulen auf einem im europäischen Vergleich außergewöhnlich hohen Niveau. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass fast jede vierte Tankstelle im Großraum Athen weniger Kraftstoff in den Tank fließen lässt, als der Kunde am Ende bezahlt. Dieses strukturelle Problem betrifft Einheimische ebenso wie Touristen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 23,1 Prozent der Tankstellen in Athen liefern erwiesenermaßen weniger Benzin als berechnet.
- Bis zu 15 Prozent Abweichung bei der abgegebenen Spritmenge wurden bei verdeckten Testkäufen festgestellt.
- Staatliche Preisdeckel werden von Branchenvertretern als eine der Hauptursachen für die illegalen Praktiken genannt.
Verdeckte Testkäufe decken systematische Mindermengen auf
Die detaillierten Zahlen stammen aus einer neuen Studie des Labors für Kraftstofftechnologie der Nationalen Technischen Universität Athen (EMP). Für die Erhebung wurden in diesem Jahr insgesamt 200 verdeckte Testkäufe mit bleifreiem 95-Oktan-Benzin durchgeführt, davon 130 in Athen und 70 in der nordgriechischen Metropole Thessaloniki.
In der Hauptstadtregion Athen sank der Anteil der fehlerhaften Kraftstoffabgaben im Jahr 2026 zwar auf 23,1 Prozent, nachdem er 2025 noch bei 33,1 Prozent gelegen hatte. Die maximale Abweichung von der bezahlten Menge belief sich dabei auf knapp 15 Prozent. Die restlichen 76,9 Prozent der Proben bewegten sich innerhalb der gesetzlich zulässigen Toleranzgrenzen. Diese Entwicklung deutet laut den Studienautoren darauf hin, dass die verstärkten Kontrollen der Behörden erste Wirkungen zeigen, das Problem aber keineswegs gelöst ist.
In Thessaloniki fällt die Verbesserung geringer aus. Dort wurden bei 18,6 Prozent der Testkäufe Fehlmengen festgestellt, ein leichter Rückgang gegenüber den 20 Prozent aus dem Vorjahr. Auffällig ist jedoch, dass die Schwere des Betrugs im Norden des Landes zugenommen hat: Die maximale Abweichung stieg von 12,7 Prozent im Jahr 2025 auf nun 14 Prozent an.
Verbandschef kritisiert Verzögerungen und Preisdeckel
Wie Giannis Aligizakis, Präsident des Verbandes der Mineralölunternehmen in Griechenland (SEEPE), bei der Präsentation der Ergebnisse betonte, sei eine Betrugsquote von 23 Prozent für ein europäisches Land schlichtweg zu hoch. Er benannte zwei wesentliche Faktoren, die diese hartnäckige Kriminalität an den Zapfsäulen begünstigen.
Zum einen warf er dem Staat vor, bei der Einführung wirksamer Kontroll- und Sanktionsmaßnahmen viel zu zögerlich agiert zu haben. Zum anderen kritisierte der Verbandschef die seit 2022 geltende gesetzliche Gewinnobergrenze für Kraftstoffe. Dieser staatliche Eingriff habe die Rentabilität zahlreicher legal operierender Tankstellen derart komprimiert, dass der wirtschaftliche Druck in der Branche enorm gestiegen sei, was wiederum unlautere Praktiken befeuere.