Griechenland – Die irische Fluggesellschaft Ryanair wird ihre Basis in Thessaloniki für die Wintersaison 2026 schließen und die Flugkapazitäten am Flughafen Athen sowie auf Kreta drastisch reduzieren. Diese Entscheidung führt zum Verlust von 700.000 Sitzplätzen und insgesamt 12 internationalen Flugrouten, da das Unternehmen die Preispolitik der Betreibergesellschaft Fraport Greece scharf kritisiert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Schließung der Ryanair-Basis in Thessaloniki und Abzug von drei Flugzeugen.
- Kapazitätskürzungen von 60 Prozent in Thessaloniki und 22 Prozent in Athen.
- Keine Winterflüge mehr ab den kretischen Flughäfen Chania und Heraklion.
- Insgesamt 12 Routen nach Deutschland, Schweden und Italien werden gestrichen.
- Fraport Greece verweist auf vertraglich festgelegte Inflationsanpassungen aus dem Jahr 2016.
Rückzug aus Thessaloniki und Kreta
Die am Donnerstag, den 8. Mai, bekannt gegebene Umstrukturierung des Winterflugplans 2026 stellt einen massiven Einschnitt in die griechische Luftfahrtanbindung dar. Die Schließung der Basis in Thessaloniki bedeutet den direkten Abzug von drei stationierten Passagiermaschinen, was laut Angaben von Ryanair einem Investitionsvolumen von 300 Millionen US-Dollar entspricht. Die Kapazität an diesem Standort wird dadurch um 60 Prozent gekürzt. Am Flughafen Athen fällt die Reduzierung mit 22 Prozent ebenfalls signifikant aus.
Darüber hinaus stellt die Fluggesellschaft ihren Betrieb an den Flughäfen von Chania und Heraklion während der kommenden touristischen Nebensaison vollständig ein. Diese Maßnahmen führen landesweit zu einem Einbruch von 700.000 Sitzplätzen, was einem Rückgang von 45 Prozent im Vergleich zum Winter 2025 entspricht. Auf der Streichliste stehen exakt 12 Verbindungen, darunter Flüge von Thessaloniki nach Berlin, Frankfurt-Hahn, Niederrhein, Göteborg, Posen, Stockholm, Venedig-Treviso und Zagreb. Auch die Routen von Athen nach Mailand-Bergamo sowie von Chania nach Paphos entfallen komplett.
Streit um Flughafengebühren und Steuersenkungen
Als Hauptgrund für den radikalen Rückzug nennt das Management die aus ihrer Sicht mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Flughäfen. Zwar habe die griechische Regierung im Vorfeld eine richtige Entscheidung getroffen, indem die sogenannte Flughafenentwicklungssteuer (ADF) ab November 2024 um 75 Prozent – von 12 Euro auf 3 Euro pro Passagier – gesenkt wurde. Diese Maßnahme sollte die ganzjährige Anbindung Griechenlands stärken.
Laut dem Unternehmen weigerten sich jedoch die meisten griechischen Flughäfen, insbesondere die von Fraport Greece verwalteten Standorte, diese finanzielle Entlastung an die Passagiere weiterzugeben. Stattdessen hätten die Betreiber den Vorteil für sich behalten. Auch der Flughafen Athen werde seine Gebühren für den kommenden Winter weiter anheben. Folglich seien die griechischen Destinationen in der Winter- und Zwischensaison, in der die Tourismusbranche stark auf Low-Cost-Carrier angewiesen ist, nicht mehr rentabel operierbar.
Harte Kritik an Fraport Greece
Der Chief Commercial Officer (CCO) von Ryanair, Jason McGuinness, erhob in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe gegen die Betreiber. Er warf Fraport vor, eine Monopolstellung auszunutzen. Die Gebühren seien seit 2019 um 66 Prozent gestiegen. “Das Schlüsselproblem sind die Gebühren der Fraport, und es ist eine Tatsache, dass sie um 66 Prozent über denen von 2019 liegen”, betonte McGuinness.
Die Fluggesellschaft sieht sich daher gezwungen, ihre Kapazitäten in Länder zu verlagern, in denen die staatlichen Steuersenkungen an die Kunden weitergegeben wurden. Als direkte Profiteure dieses Strategiewechsels wurden Albanien, regionale Flughäfen in Italien sowie Schweden benannt. Auf die Frage nach möglichen Lösungsansätzen gab der CCO an, dass es bisher keine Verhandlungen zwischen den beiden Parteien gegeben habe. Fraport habe lediglich die neuen Tarife für die nächste Wintersaison kommuniziert.
Reaktion der Betreiber und gescheiterte Wachstumspläne
Die Betreibergesellschaft Fraport Greece wies die Vorwürfe umgehend zurück. Von offizieller Seite hieß es, es habe keine willkürliche Anpassung der Gebühren gegeben. Die aktuellen Tarife basieren demnach strikt auf dem ursprünglichen Konzessionsvertrag aus dem Jahr 2016. Dieser sehe eine jährliche Anpassung vor, die exakt 90 Prozent des allgemeinen Inflationsanstiegs entspreche.
Im Vorfeld dieser Eskalation hatte Ryanair der griechischen Regierung noch einen ehrgeizigen Fünfjahresplan vorgelegt. Dieser sah vor, das jährliche Passagieraufkommen auf 12 Millionen zu steigern und 50 neue Routen einzurichten – allerdings unter der strikten Prämisse sinkender Flughafengebühren. Zum Abschluss seiner Erklärung bedauerte McGuinness die Schließung der Basis in Thessaloniki ausdrücklich. Die Stadt und die gesamte Region würden einen erheblichen Rückschlag erleiden, da die Airline in den vergangenen Wintermonaten einen Großteil der internationalen Anbindung Nordgriechenlands sichergestellt hatte.