Evros – Ein investigativer Bericht des britischen Senders BBC erhebt schwere Vorwürfe gegen die Griechische Polizei (ELAS) hinsichtlich der Handhabung von Grenzkontrollen. Den publizierten Recherchen zufolge sollen die griechischen Sicherheitsbehörden systematisch Migranten rekrutiert haben, um andere Schutzsuchende über den Grenzfluss in die Türkei zurückzudrängen. Die polizeiliche Führungsebene in Athen weist die weitreichenden Anschuldigungen zurück und beruft sich auf die strikte Einhaltung des internationalen Rechts.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein britischer Bericht beschuldigt Griechenland, Migranten für Pushbacks einzusetzen.
- Die sogenannten Söldner sollen aus Syrien, Afghanistan und Pakistan stammen.
- Betroffene berichten von physischer Gewalt und Raub am Grenzfluss Evros.
- Die Griechische Polizei verortet die Vorwürfe in die Zeit einer Übergangsregierung von 2023.
- Frontex und griechische Menschenrechtskommissionen untersuchen über 100 gemeldete Fälle.
Schwere Vorwürfe über rekrutierte Söldner an der Grenze
Laut den internen Dokumenten und Zeugenaussagen, auf die sich die britischen Medien berufen, organisierten und überwachten hochrangige Offiziere der Grenzpolizei diese umstrittene Praxis. Die angeworbenen Männer, die bei den Einsätzen maskiert aufgetreten sein sollen, stammten den Informationen zufolge primär aus Syrien, Afghanistan und Pakistan. Für ihre Beteiligung an den gewaltsamen Zurückweisungen in die Türkei erhielten sie offenbar finanzielle Vergütungen, Mobiltelefone oder offizielle Dokumente, die ihnen eine ungehinderte Weiterreise innerhalb von Griechenland ermöglichten.
Die gesammelten Berichte der zurückgewiesenen Personen zeichnen ein Bild extremer Härte. Eine Frau aus Syrien schilderte, dass sie gemeinsam mit ihrer Familie festgenommen und an maskierte Männer übergeben worden sei. Diese hätten der Familie alle persönlichen Gegenstände abgenommen und sie zum Fluss Evros gebracht, wo sie zur Rückkehr gezwungen wurden. Ein weiterer Migrant gab zu Protokoll, er sei bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und unter massiver Platznot zusammen mit Dutzenden anderen Personen abtransportiert worden. Eine interne Zeugenaussage eines namentlich nicht genannten Grenzschützers soll zudem Hinweise auf angebliche sexuelle Übergriffe durch die rekrutierten Helfer enthalten.
Interne Ermittlungen und die Rolle der Behörden
Die Grenzregion am Evros, welche eine hochsensible Außengrenze der Europäischen Union darstellt, ist stark militarisiert. Eine polizeiliche Quelle behauptete in dem Bericht, es gäbe keinen dort stationierten Beamten, der nichts von den systematischen Pushbacks wisse. In einem Disziplinarverfahren im Jahr 2024 sollen Grenzschützer den Einsatz derartiger Gruppen teilweise eingeräumt haben. Dabei fiel der intern verwendete Begriff „Boatmen“. Zudem wurde die Nutzung verschlüsselter Kommunikationskanäle zur Koordinierung der geheimen Operationen beschrieben.
Ein spezifischer Vorfall aus dem Juni 2023 wurde bereits durch das Büro für Grundrechte der Frontex näher beleuchtet. In dem untersuchten Fall soll eine Gruppe von 10 bis 20 Personen unter der direkten Anleitung griechischer Offiziere gehandelt haben. Das Dokument hält physische sowie verbale Misshandlungen, Todesdrohungen und die erzwungene Überquerung des Flusses fest. Ehemalige Beteiligte gaben an, sie seien unter massivem Druck rekrutiert worden. Zu ihren Aufgaben habe neben dem Transport der Menschen auch die gezielte Vernichtung von Beweismaterial gehört.
Verfahren vor europäischen Gerichten und Stellungnahme der Regierung
Die Griechische Nationale Menschenrechtskommission hat die Lage ebenfalls im Blick und dokumentiert seit dem Jahr 2020 landesweit mehr als 100 Vorfälle, die in das Raster illegaler Rückführungen fallen. Mehrere fundierte juristische Beschwerden, die auch Vorwürfe von schwerwiegender Gewalt umfassen, sind derzeit vor europäischen Gerichten anhängig.
Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis äußerte sich gegenüber dem britischen Sender zu der Thematik. Er erklärte, keine Kenntnis von den spezifischen Vorwürfen im aktuellen Bericht zu haben. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Griechenland das unbestreitbare Recht und die Pflicht habe, seine Grenzen zu schützen. Er fügte an, dass Europa die strategischen Fehler der Vergangenheit im Umgang mit massiver Migration nicht wiederholen dürfe. Auch die europäische Agentur Frontex bezog Stellung und wies Anschuldigungen zurück, man würde bei Rechtsverletzungen wegsehen. Die Organisation betonte ihren Beitrag zu einem legalen und geordneten Grenzmanagement.
Offizielle Reaktion der Griechischen Polizei
Das Hauptquartier der Griechischen Polizei (ELAS) veröffentlichte eine detaillierte Replik auf die Berichterstattung. Quellen aus dem Sicherheitsapparat betonten, dass die in den internationalen Medien geschilderten Vorfälle an der Landgrenze sich auf Behauptungen stützen, die in die Amtszeit einer Übergangsregierung im Jahr 2023 fallen. Die Behörde hob hervor, dass man sich in den vergangenen Jahren wiederholt und mit klaren Fakten zu ähnlichen Behauptungen geäußert habe.
Die offizielle und unveränderte Position der ELAS lautet: „Die Schutzmaßnahmen an den Grenzen des Landes erfolgen im Rahmen des internationalen, des europäischen und des nationalen Rechts, unter voller Achtung der Grundrechte und der Menschenwürde.“ Die Polizeiführung wies darauf hin, dass solche Publikationen zumeist auf nicht objektiv verifizierbaren Zeugenaussagen basieren. Dennoch versicherte die Behörde, dass jede eingehende Beschwerde über das geltende legislative Rahmenwerk sowie über nationale und europäische Kontrollmechanismen umgehend untersucht werde. Die zuständigen Instanzen stünden jedem institutionellen Gremium zur Verfügung, um absolute Transparenz bezüglich der realen Faktenlage zu gewährleisten.