Griechenland – Rund 2.500 Beschäftigte der Pizzakette Pizza Fan müssen weiter um ihre Löhne und Arbeitsplätze bangen. Erste Teilzahlungen haben begonnen, doch das Arbeitszentrum Athen fordert die vollständige Auszahlung der Oktobergehälter, einschließlich nicht offiziell deklarierter Lohnbestandteile. Gleichzeitig werden neue Gesprächsprotokolle aus Ermittlungen gegen ein mutmaßliches Schwarzgeldnetzwerk bekannt.
Das Arbeitszentrum verlangt auch, sämtliche Arbeitsplätze zu sichern. Die bisher angelaufenen Zahlungen haben die Unsicherheit der Belegschaft nicht beendet. Wie es mit den noch offenen Vergütungen weitergeht, bleibt vorerst ungeklärt.
Hunderte Firmen und wechselnde Beschäftigungsverhältnisse
Die Ermittlungsakten enthalten zahlreiche Stunden überwachter Gespräche sowie Fotografien, mit denen Geldwege und geschäftliche Aktivitäten dokumentiert wurden. Geprüft werden Vorgänge, deren rechtliche Einordnung noch offen ist, darunter Geschäfte auf griechischen Inseln. Im Mittelpunkt steht ein weit verzweigtes Geflecht aus Hunderten Unternehmen, zwischen denen Beschäftigte immer wieder gewechselt haben sollen.
In aufgezeichneten Unterhaltungen wird beschrieben, wie Betriebe als Deckmantel genutzt worden sein sollen. Ein Gesprächspartner spricht davon, in einem Restaurant oder als Rettungsschwimmer an einem Hotelpool zu arbeiten. Das Restaurant bezeichnet er zugleich als Ort, an dem er sich bei Bedarf verstecken könne.
Nach den Ermittlungsunterlagen soll zudem eine Person mit gewerkschaftlicher Funktion Dokumente im Zusammenhang mit dem Netzwerk von einer Region in eine andere gebracht haben. Weitere Gespräche betreffen vollständig bezahlte Reisen und Hotelaufenthalte: Selbst anfallende Steuern seien übernommen worden, sodass die Reisenden nichts aus eigener Tasche zahlen mussten. Als Reiseziel wird unter anderem Rhodos genannt.
Ermittlungen gegen mutmaßlichen Drahtzieher und mögliche Helfer
Als mutmaßlicher Kopf des Netzwerks wird in der Anklageschrift Angelos Giannakopoulos genannt, der Eigentümer von Choriatiko. Die Behörden prüfen die Geschäftstätigkeit der beteiligten Firmen und den Verdacht umfangreicher Schwarzgeldbewegungen. Die Vorwürfe gegen die Beschuldigten sind noch nicht gerichtlich geklärt.
Parallel dazu untersucht die Abteilung für interne Angelegenheiten der griechischen Steuerbehörde AADE, ob eigene Mitarbeiter in die Vorgänge verwickelt sein könnten. Die Untersuchung wurde auf Anweisung des Behördenleiters Giorgos Pitsilis eingeleitet. Auch die internen Ermittler der griechischen Polizei prüfen eine mögliche Beteiligung von Polizeibeamten.
Für die rund 2.500 Mitarbeiter von Pizza Fan steht unterdessen die Sicherung ihres Einkommens im Vordergrund. Das Arbeitszentrum Athen beharrt auf der vollständigen Bezahlung des Oktobers und dem Erhalt aller Stellen, während die Ermittlungen zu dem Unternehmensnetzwerk weiterlaufen.
Mit Informationen von: Arbeitszentrum Athen, griechische Steuerbehörde AADE, griechische Polizei.