Nordgriechenland – Eine Nichtregierungsorganisation soll Spenden für schwer kranke Kinder zweckentfremdet haben. Von rund vier Millionen Euro, die bei Spendenaktionen zusammenkamen, gelangte nach den bisherigen Ermittlungen nur etwa eine Million an die Familien. Sechs Menschen wurden festgenommen. Die Polizei untersucht zudem, ob Geld in Luxusausgaben und die Manipulation von Fußballspielen floss.
Den mutmaßlich unrechtmäßigen Vermögensvorteil beziffern die Ermittler auf 2,8 Millionen Euro. Zu den Festgenommenen zählen der 37 Jahre alte Gründer der Organisation, seine 35-jährige Partnerin und ein Fußballschiedsrichter. Die Hilfsorganisation soll Geld von Bürgern, Unternehmern, Künstlern und Sportlern erhalten haben.
Spendenaufrufe mit Fotos schwer kranker Kinder
In sozialen Netzwerken warb die Organisation laut Polizei mit Fotos von Kindern, die wegen schwerer Erkrankungen finanzielle Unterstützung für Krankenhausaufenthalte und Operationen benötigten. Die Ermittler erfassten 92 Spendenaktionen für 74 begünstigte Personen. In 34 Fällen sollen Eltern weniger Geld erhalten haben, als bei den jeweiligen Aufrufen zusammenkam.
Auslöser der Ermittlungen war die Anzeige einer Mutter, deren Kind an einer Tumorerkrankung leidet. Für das Kind waren rund 300.000 Euro gesammelt worden. Nach Aussage der Mutter wurde der Betrag jedoch nicht für dessen Behandlung verwendet.
Die Gelder sollen zunächst auf private Bankkonten gelangt sein. Von dort seien sie unter anderem für teure Kleidung, Uhren und Handtaschen bekannter Luxusmarken, Reisen und Restaurantbesuche ausgegeben worden. Ein Teil des Geldes soll zudem in Scheinfirmen geflossen sein.
Verdacht auf manipulierte Amateurfußballspiele
Ein weiterer Teil der Ermittlungen betrifft den Amateurfußball in Pieria im Norden Griechenlands. Der 37-jährige NGO-Gründer soll im Hintergrund als Funktionär mehrerer Fußballvereine gewirkt und diese mit mehr als 250.000 Euro finanziert haben.
Nach den Erkenntnissen der Ermittler stand er in Kontakt mit einem leitenden Schiedsrichter aus Katerini. Gemeinsam sollen sie versucht haben, vor allem Spiele der örtlichen Meisterschaft des Fußballverbands von Pieria zu beeinflussen. Pro Partie seien 300 bis 500 Euro für die Bestechung von Schiedsrichtern vorgesehen gewesen. Geld aus den Spendenaktionen soll außerdem für Wetten auf manipulierte Begegnungen eingesetzt worden sein.
Mehr als 246.000 Bankbewegungen überprüft
Die griechische Geldwäschebekämpfungsbehörde überprüfte 29 Bankkonten und mehr als 246.000 Kontobewegungen. Auf Konten der Organisation und ihres Gründers stellte sie für den Zeitraum seit 2018 Beträge von insgesamt mehr als 5,8 Millionen Euro fest.
Gegen die sechs Festgenommenen wurden Strafverfahren wegen Beteiligung an einer kriminellen Gruppe, Bestechung, Bestechlichkeit sowie Verstößen gegen das Sportrecht eingeleitet. Dem 37-jährigen Gründer, seiner Partnerin und deren Bruder werden zusätzlich Betrug, Veruntreuung und Geldwäsche vorgeworfen. Die Vorwürfe sind noch nicht gerichtlich geklärt.
Die Beschuldigten bleiben vorerst in Gewahrsam. Ihre Anhörungen vor einem Ermittlungsrichter sind für Dienstag, Mittwoch und Donnerstag vorgesehen. Die Ermittlungen dauern an; dabei wird auch geprüft, ob weitere Personen beteiligt waren.
Mit Informationen von: Griechische Polizei, griechische Geldwäschebekämpfungsbehörde.