Athen – In Teilen der griechischen Hauptstadt berichten Anwohner und Gebäudenutzer von Wassereinbrüchen in Kellern, die zuvor jahrelang trocken waren. Weil gleichzeitig die Metro-Linie 4 unter dicht bebauten Vierteln entsteht, steht ein möglicher Zusammenhang mit den Bauarbeiten im Raum. Ein solcher Einfluss ist technisch denkbar, aber nicht schon durch die Nähe eines Tunnels bewiesen.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem ein Gebäude an der Vasilissis-Sofias-Allee und Meldungen aus Wohnhäusern im Viertel Kypseli. Der Geotechnikprofessor Kostas Sachpazis von der Universität Westmakedonien erläutert gegenüber der Zeitung To Vima, warum jeder Fall einzeln untersucht werden muss. Der Untergrund Athens ist geologisch uneinheitlich; selbst benachbarte Häuser können ganz unterschiedliche Wasserverhältnisse aufweisen.
Warum sich Grundwasser schon zwischen zwei Häusern anders verhält
Unter Athen liegen verschiedene feste und lockere Gesteins- und Bodenschichten. Rund um den Syntagma-Platz kommen etwa Athener Schiefer und oberflächliche Verwitterungsmaterialien vor. Auch vergleichsweise festes Schiefergestein ist von Rissen und Trennflächen durchzogen. Durch diese kann Wasser eindringen, sich sammeln oder seitlich weiterfließen.
Deshalb erlaubt die geologische Situation eines Hauses keine sicheren Rückschlüsse auf das Nachbargebäude. Entscheidend sind die örtlichen Schichten, vorhandene Klüfte und die Richtung, in der sich das Grundwasser tatsächlich bewegt.
Wie Tunnel und Stationen den Wasserfluss verändern können
Eine unterirdische Konstruktion mit weitgehend wasserdichten Wänden kann wie eine Barriere im Grundwasserstrom wirken. Wasser wird dann möglicherweise umgelenkt oder staut sich auf einer Seite. In der Folge können lokal der Wasserstand oder der Druck steigen. Ob das geschieht, hängt unter anderem von Tiefe, Form und Bauweise der Anlage sowie von den Gesteinen und der ursprünglichen Fließrichtung ab.
Ein Tunnel muss den Wasserfluss nicht zwangsläufig stark beeinflussen: Das Wasser kann ihn seitlich oder in tieferen Schichten umgehen. Größere Baugruben, Stationen und Schächte mit ausgedehnten dichten Wänden können dagegen anders wirken. Auch die umgekehrte Entwicklung ist möglich: Wenn eine Konstruktion zunächst Wasser ableitet und diese Drainage später wegfällt, kann der Grundwasserstand wieder auf frühere Werte steigen.
Die Existenz einer Metro-Röhre unter einem Viertel beweist daher keinen Zusammenhang mit einem überfluteten Keller. Sachpazis fordert vergleichbare Messungen aus der Zeit vor, während und nach den Arbeiten, bevor eine Ursache benannt wird.
Ein kleiner Druckanstieg kann für den Keller genügen
Nach Einschätzung des Experten muss das Grundwasser nicht dramatisch steigen, damit ein bislang trockener Keller plötzlich nass wird. Bereits eine begrenzte Druckänderung kann genügen, wenn die Abdichtung Schwachstellen aufweist. Wasser dringt möglicherweise durch Risse im Mauerwerk, Fugen, Rohrdurchführungen oder beschädigte Dichtungen ein.
Weitere mögliche Ursachen sind mangelhafte Entwässerung, überlastete oder ausgefallene Pumpen und Niederschläge, deren Wasser im Boden versickert. Regen erklärt allerdings nicht jedes Ereignis. Ebenso müssen Lecks in Wasser- oder Abwasserleitungen und Defekte an Anlagen des Gebäudes selbst ausgeschlossen werden.
Was bei den Vorfällen in Athen untersucht werden müsste
Für den im Bericht angesprochenen Keller des griechischen Außenministeriums wäre nach Sachpazis zunächst die genaue Eintrittsstelle des Wassers zu bestimmen. Zu kontrollieren sind Wände, Fugen, Leitungsdurchführungen, Abdichtungen, Pumpen und Schächte. Parallel müssten mögliche Undichtigkeiten im öffentlichen Wasser- und Abwassernetz geprüft werden.
Besonders aufschlussreich wären Grundwasserstandsmessungen über einen längeren Zeitraum, die mit dem zeitlichen Ablauf der Bauarbeiten und den Niederschlagsdaten abgeglichen werden. Auch eine Untersuchung der Wasserzusammensetzung kann Hinweise auf seine Herkunft geben. Ein dreidimensionales geologisches Modell wäre nötig, um mögliche Umwege des Wassers neben oder unter einer Konstruktion nachzuvollziehen.
Die Berichte aus verschiedenen Vierteln rechtfertigen somit eine systematische Beobachtung. Sie belegen aber weder eine gemeinsame Ursache aller Vorfälle noch, dass die Metro-Linie 4 für sie verantwortlich ist.
Was London, Amsterdam und Köln zeigen
Bei der Londoner Verlängerung der Jubilee Line von 1994 bis 1999 bestand die Sorge, dass Bauarbeiten Bodenbewegungen in der Nähe des Westminster-Palasts und des Uhrturms Big Ben auslösen könnten. Schutzmaßnahmen durch das Einbringen von Material in den Untergrund und fortlaufende Messungen sollten die Bewegungen begrenzen.
In Amsterdam führten 2008 undichte unterirdische Wände an einer Station der Noord/Zuidlijn zu erheblichen Setzungen. Historische Gebäude im Bereich Vijzelgracht wurden beschädigt; stellenweise sank der Boden um etwa 23 Zentimeter. Die Arbeiten mussten unterbrochen werden, und umfangreiche Sicherungen waren erforderlich.
In Köln stürzte 2009 das Historische Archiv der Stadt ein, wobei zwei Menschen starben. Technische und gerichtliche Untersuchungen brachten den Einsturz mit unkontrolliertem Eindringen von Boden und Wasser durch einen fehlerhaften Abschnitt einer Schlitzwand beim Stadtbahnbau in Verbindung.
Diese Fälle unterscheiden sich technisch und in ihren Folgen. Sie unterstreichen die Bedeutung von Baugrunduntersuchungen, Wassermanagement und kontinuierlicher Überwachung, sind aber kein Beleg für einen vergleichbaren Vorgang in Athen.
Welche Maßnahmen bei einer bestätigten Ursache helfen können
Kommt Wasser durch Fugen oder Risse, können gezielte Reparaturen, Abdichtungsinjektionen und verbesserte Isolierung infrage kommen. Bei zu hohem Wasserdruck oder Grundwasserstand sind gegebenenfalls Drainagen, spezielle Schächte oder Pumpen erforderlich. Wenn ein unterirdisches Bauwerk den natürlichen Fluss blockiert, können Umleitungswege oder Systeme zum Druckausgleich untersucht werden.
Welche Lösung geeignet ist, lässt sich erst nach belastbaren Messungen und einer technischen Bewertung entscheiden. Eine schlecht geplante Entwässerung könnte sonst zwar einen Keller trockenlegen, das Wasserproblem aber auf benachbarte Grundstücke verlagern.