Griechenland – In keinem anderen EU-Land ist der Anteil der Menschen mit übermäßig hohen Wohnkosten so groß wie in Griechenland. Nach Eurostat-Daten für 2025 geben 26,4 Prozent der Bevölkerung mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen aus. Im EU-Durchschnitt liegt dieser Anteil bei 7,7 Prozent. Besonders groß ist die Belastung unter Menschen, die von Armut bedroht sind.
Der sogenannte Wohnkostenüberlastungsindikator erfasst nicht nur die Miete oder die Rate eines Immobilienkredits. Einbezogen werden auch Versorgungsrechnungen, Instandhaltung und wohnbezogene Steuern. Entscheidend ist, wie hoch diese gesamten Ausgaben im Verhältnis zum verfügbaren Nettoeinkommen ausfallen.
Griechenland deutlich über dem EU-Durchschnitt
Die griechische Quote ist mehr als dreimal so hoch wie der EU-Mittelwert. Auch Deutschland mit 11,2 Prozent und Dänemark mit 14,7 Prozent liegen deutlich darunter. Die Zahlen zeigen zudem, wie unterschiedlich die Belastung in der EU verteilt ist.
| Land | Gesamtbevölkerung | Armutsgefährdete |
|---|---|---|
| Griechenland | 26,4 % | 82,6 % |
| Dänemark | 14,7 % | 59,8 % |
| Deutschland | 11,2 % | 35,0 % |
| Schweden | 10,8 % | 46,8 % |
| Estland | 8,8 % | – |
| EU-Durchschnitt | 7,7 % | 29,1 % |
| Spanien | 7,2 % | 28,3 % |
| Frankreich | 6,4 % | 25,4 % |
| Italien | 5,0 % | 21,7 % |
| Zypern | 2,4 % | 7,6 % |
Die Prozentwerte geben jeweils den Anteil der betreffenden Bevölkerungsgruppe an, deren Wohnkosten über 40 Prozent des verfügbaren Einkommens liegen. Für armutsgefährdete Menschen in Estland ist in den vorliegenden Angaben kein eigener Wert genannt.
Rund 2,7 Millionen Menschen in Griechenland betroffen
EU-weit sind den Daten zufolge mehr als 34 Millionen Menschen von einer übermäßigen Wohnkostenbelastung betroffen. In Griechenland sind es rund 2,7 Millionen. Trotz seiner wesentlich geringeren Einwohnerzahl steht das Land damit im breiteren europäischen Vergleich an sechster Stelle nach der absoluten Zahl der Betroffenen.
Für diesen europäischen Vergleich werden 9,4 Millionen Betroffene in Deutschland, 8,6 Millionen in der Türkei, 4,4 Millionen in Frankreich, 3,5 Millionen in Spanien und 2,9 Millionen in Italien genannt. Die Türkei ist in dieser Ländervergleichsreihe enthalten, zählt jedoch nicht zu den Mitgliedstaaten der EU.
Für Immobilienpreise und Mieten in der EU wird in der Auswertung seit 2015 ein Anstieg von 69 Prozent genannt. Die hohen Wohnkosten treffen die Länder allerdings nicht in gleichem Verhältnis zu den dort verfügbaren Einkommen.
Unter Armutsgefährdeten trifft es mehr als vier von fünf
Besonders ausgeprägt ist die Wohnkostenüberlastung bei Menschen mit einem Einkommen unter 60 Prozent des nationalen mittleren verfügbaren Äquivalenzeinkommens. Diese Gruppe gilt statistisch als armutsgefährdet. In Griechenland überschreiten 82,6 Prozent der Armutsgefährdeten die Schwelle, ab der mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufgewendet werden. Im EU-Durchschnitt sind es 29,1 Prozent.
Das mittlere verfügbare Äquivalenzeinkommen in der EU betrug den Angaben zufolge jährlich 22.939 Euro, also rund 1.912 Euro monatlich. 60 Prozent dieses Monatswerts entsprechen rechnerisch etwa 1.147 Euro. Für die statistische Armutsgefährdung wird allerdings der jeweilige nationale Median zugrunde gelegt; der EU-Rechenwert ist somit keine einheitliche Armutsschwelle für alle Mitgliedstaaten.
Der Vergleich mit Zypern macht den Abstand deutlich: Dort liegt die Überlastungsquote bei 2,4 Prozent der Gesamtbevölkerung und 7,6 Prozent der armutsgefährdeten Gruppe. Als mögliche Erklärungsfaktoren für den besonderen Druck in Griechenland werden das Fehlen eines breit organisierten sozialen Wohnungsangebots, die Ausbreitung kurzfristiger Vermietungen und hohe Energiekosten genannt.
Die Forscherin Hanna Widmer von der ETH Zürich verweist auf steigende Mieten und Immobilienpreise, mit denen die Einkommen vieler Haushalte nicht Schritt halten. Rikke Skovgaard Nielsen von der Universität Aalborg betont außerdem, dass die Folgen hoher Wohnkosten zwischen Ländern aufgrund ihrer unterschiedlichen sozialen Sicherungssysteme stark variieren.
Mit Informationen von: Eurostat.