Griechenland – Griechische Berufs- und Hobbyfischer haben den Kampf gegen den hochgiftigen Hasenkopf-Kugelfisch aufgenommen. Um die massenhafte Ausbreitung der invasiven Art einzudämmen, startete auf Initiative aus Rhodos ein zehntägiger, landesweiter Angelwettbewerb. Das Vordringen des Fisches bedroht nicht nur das heimische Meeresökosystem und die wirtschaftliche Existenz der Fischer, sondern durch vereinzelt registrierte Angriffe auf Schwimmer zunehmend auch den Tourismus in der Region.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rund 6.000 Euro Verlust pro Jahr erleiden Fischer durchschnittlich durch zerstörte Netze und gefressene Fänge.
- Die griechische Regierung prüft eine Fangprämie von sechs Euro pro Kilogramm, um den Bestand aktiv zu reduzieren.
- Ein einziges Weibchen des Fisches kann jährlich bis zu eine Million Eier ablegen, was die rasante Ausbreitung begünstigt.
Zunehmende Gefahr für Urlauber und Wirtschaft
Der Hasenkopf-Kugelfisch, der ursprünglich durch den Suezkanal in das Mittelmeer gelangte, breitet sich nahezu unkontrolliert aus, da er in den griechischen Gewässern kaum natürliche Feinde hat. Wie lokale Behörden berichten, hat sich das Verhalten der Tiere zuletzt verändert. Erste registrierte Angriffe auf Badegäste alarmieren nun auch die für Griechenland essenzielle Tourismusbranche. Auf der Insel Kastellorizo (Megisti) plant der Bürgermeister Nikolas Asvestis bereits eigene kommunale Maßnahmen, um der Plage entgegenzuwirken. Gleichzeitig warnen Meeresbiologen, dass die traditionelle mediterrane Artenvielfalt – darunter Tintenfische und Doraden – massiv gefährdet ist, wenn nicht umgehend gehandelt wird.
Massive Schäden für die lokale Fischerei
Für die griechische Fischereiindustrie entwickelt sich die Invasion zu einem existenziellen Problem. Der Raubfisch frisst nicht nur die Bestände leer, sondern zerstört auch systematisch Fischernetze und Angelschnüre. Nach Angaben des Griechischen Zentrums für Meeresforschung belaufen sich die durchschnittlichen materiellen Schäden pro Fischer auf über 6.000 Euro jährlich. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat der Hobbyfischer und Koch Michalis Karpodinis aus Rhodos den Wettbewerb “Sea Safe Greece” ins Leben gerufen, der bis zum 30. Juni andauert. Wie der Initiator erklärte, richte sich die Bedrohung gegen die gesamte maritime Wirtschaft. Die Auswirkungen auf das Ökosystem und die Fischbestände seien auf Kreta und dem Dodekanes bereits massiv spürbar.
Fangprämien und wissenschaftliche Ansätze
Die Griechische Regierung diskutiert derzeit intensiv über Gegenmaßnahmen. Eine Option, die bereits in einem Pilotprojekt auf Kreta getestet wurde, ist die Einführung einer staatlichen Prämie von sechs Euro pro gefangenem Kilo Kugelfisch. Alternativ schlagen wissenschaftliche Einrichtungen ein Fangverbot für natürliche Feinde des Kugelfisches, wie etwa Hornhechte und bestimmte Schildkrötenarten, vor, um das ökologische Gleichgewicht auf natürliche Weise wiederherzustellen. Parallel dazu forschen griechische Institute im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projekts “Lagomeal” an der industriellen Verwertung. Dabei soll geprüft werden, wie das hochgiftige Tetrodotoxin aus dem Fisch entfernt werden kann, um diesen künftig sicher zu Fischmehl für die Tierzucht zu verarbeiten.