Europa – Die anhaltende historische Hitzewelle in Europa hat bereits Dutzende Menschenleben gefordert und zwingt Behörden zu beispiellosen Schutzmaßnahmen. Während in Frankreich mindestens 55 hitzebedingte Todesfälle gemeldet wurden, platzen in Ostdeutschland Autobahnen auf und mehrere Länder rufen für die Bevölkerung die höchste Warnstufe aus.
Das Wichtigste auf einen Blick
- In Ostdeutschland riss der Fahrbahnbelag der Autobahn A2 auf, was zu Schäden an 30 Fahrzeugen führte.
- Frankreich verzeichnet bereits 55 Hitzetote, Notfallmediziner warnen vor einer Überlastung der Kliniken.
- Für Südengland und weite Teile der Niederlande gilt wegen erwarteter 40 Grad Celsius die rote Warnstufe.
Schäden auf der A2 und höchste Alarmstufe in Nachbarländern
Die extremen Temperaturen hinterlassen massive Schäden an der kritischen Infrastruktur. Wie die Zeitung BZ berichtet, entstanden am Donnerstagabend auf der Autobahn A2 in Ostdeutschland gefährliche Risse im Fahrbahnbelag. Durch diese sogenannten Blow-ups wurden etwa 30 Fahrzeuge beschädigt und zwei Personen leicht verletzt. Die Behörden sperrten den betroffenen Streckenabschnitt umgehend für den Verkehr.
Gleichzeitig verschärft sich die Lage in den europäischen Nachbarländern. Der britische Wetterdienst Met Office hat für weite Teile Südenglands den roten Alarm aufrechterhalten – eine Premiere für drei aufeinanderfolgende Tage. Auch in den Niederlanden gilt fast landesweit die höchste Warnstufe. Dort blieben etliche Schulen geschlossen, da die Prognosen Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius vorhersagen. In Serbien riefen die Behörden angesichts erwarteter 36 Grad in Belgrad die Bevölkerung dazu auf, sich ausreichend zu hydrieren und unnötige Wege konsequent zu vermeiden. Während in Frankreich und Großbritannien der Höhepunkt der Hitzewelle überschritten scheint, warnen Meteorologen in Italien davor, dass die härtesten Tage noch bevorstehen, mit erwarteten Höchstwerten von 40 Grad am Wochenende.
Frankreich meldet Dutzende Todesfälle und Notstand im Gesundheitssystem
In Frankreich spüren die Menschen die fatalen Konsequenzen der Hitze besonders deutlich. Das Land verzeichnet bislang 55 Tote, die auf die extremen Wetterbedingungen zurückzuführen sind. Am Mittwoch kletterte das Thermometer in Paris auf exakt 40,9 Grad Celsius. Obwohl eine schrittweise Abkühlung prognostiziert wird, rechnen die Behörden mit einem weiteren Anstieg der Opferzahlen.
Die Krankenhäuser geraten dabei zunehmend unter Druck. Ärzte und Pflegepersonal berichten von einem spürbaren Anstieg hitzebedingter Notfälle und Einweisungen. Wilfried Samy, Sprecher der französischen Vereinigung der Notfallmediziner, erklärte, dass die Kliniken nicht ausreichend auf die Bewältigung dieser extremen Hitzewelle vorbereitet seien. Die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit des medizinischen Personals seien enorm, so Samy.
Abgesagte Events und massiver Run auf Klimaanlagen
Die Hitzewelle zwingt zur Absage zahlreicher Kultur- und Freizeitveranstaltungen. In Paris forderte die Polizei die Organisatoren großer Events, darunter das Musikfestival Solidays, zur Absage auf. Die geplante Pride-Parade wurde in den September verlegt. Zudem erließen die französischen Behörden für den heutigen Freitag ein striktes Alkoholverbot im öffentlichen Raum – an dem Tag, an dem Frankreich bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Boston gegen Norwegen antritt. Monumente und kulturelle Einrichtungen stellten den Betrieb vorübergehend ein, auch im Agrarsektor werden massive Ausfälle registriert.
Europaweit suchen die Menschen nach Abkühlung, was zu Lieferengpässen führt. In Großbritannien sind Ventilatoren in den Geschäften weitgehend vergriffen, und asiatische Hersteller von Klimaanlagen verzeichnen einen drastischen Umsatzanstieg auf dem europäischen Markt. Laut Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) vom Juli 2025 verfügen lediglich rund 20 Prozent der europäischen Haushalte über eine Klimaanlage. Um der unzureichenden Kühlungsinfrastruktur gegenzusteuern, kündigte der staatliche französische Energiekonzern EDF Investitionen in Höhe von 80 Millionen Euro an, um Schulen, Kindergärten und Tagesstätten zügig mit Kühlsystemen auszustatten.