Chalkida – Um Badegästen ein sicheres Schwimmen zu ermöglichen, haben griechische Lokalbehörden an mehreren Küstenabschnitten spezielle schwimmende Barrieren installiert. Die Maßnahme, die primär auf der Insel Euböa umgesetzt wird, soll die Strände vor dem Eindringen von Quallen und dem invasiven Hasenkopf-Kugelfisch schützen, dessen zunehmende Präsenz in den vergangenen Wochen zu erheblicher Verunsicherung geführt hatte.
Das Wichtigste auf einen Blick
- In den Buchten von Chalkida wurden bereits 2,5 Kilometer Schutznetze gegen Meerestiere verlegt.
- Eine interaktive Karte des Netzwerks ELNAIS dokumentiert Sichtungen der Fische in Echtzeit.
- Das Rote Kreuz warnt eindringlich vor dem Verzehr der Hasenköpfe, da diese ein tödliches Nervengift enthalten.
Barrieren gegen Eindringlinge im Mittelmeer
Die Stadtverwaltung von Chalkida hat sich nach monatelangen Vorbereitungen für die Installation von Schutznetzen im nördlichen Golf von Euböa entschieden. Das System, das zuvor vom staatlichen Allgemeinen Chemielabor genehmigt wurde, umfasst zunächst 2,5 Kilometer engmaschige Netze. In den kommenden Wochen sollen weitere sieben Kilometer an Barrieren aus Athen in die Region transportiert werden.
Der zuständige Vizebürgermeister von Chalkida, Antonis Spanos, erklärte gegenüber der britischen Zeitung Guardian, dass die Sicherheit der Bürger oberste Priorität habe. Man wolle lieber vorsorgen, als später die Folgen zu bedauern. Die Behörden hätten zudem zahlreiche Anrufe von besorgten Anwohnern erhalten. Viele ältere Menschen hätten betont, sie würden erst wieder mit ihren Enkelkindern baden gehen, wenn die Barrieren im Wasser schwämmen. Die Netze bieten laut Spanos einen doppelten Nutzen, da sie auch Quallen abwehren, die im vergangenen Jahr für Probleme gesorgt hatten.
Klimawandel begünstigt neue Meeresbewohner
Für die Montage am Meeresgrund sind lokale Tauchteams verantwortlich. Der 63-jährige Taucher Nikos Choulieris, der eine örtliche Tauchschule betreibt, zeigte sich von den aktuellen Entwicklungen überrascht. Er betonte, er habe in über 40 Jahren Taucherfahrung nie gedacht, einmal solche Barrieren errichten zu müssen. Die gestiegenen Wassertemperaturen hätten jedoch neue Bedingungen geschaffen, die die Ausbreitung der Tiere begünstigten. Die verwendeten Netze seien äußerst dicht und widerstandsfähig, sodass selbst die markanten Zähne eines Hasenkopfes diese nicht durchdringen könnten.
Wissenschaftler beruhigen: Gefahr oft überschätzt
Während die Gemeinden aufrüsten, mahnen Meeresbiologen zur Besonnenheit. Der Wissenschaftler Giannis Batzakas von der Universität der Ägäis ordnete die Situation nüchterner ein. Die Berichte über die angebliche Gefährlichkeit einer direkten Begegnung seien oft übertrieben. Zwar sähen die Fische mit ihren markanten Zähnen bedrohlich aus und verursachten regelmäßig Schäden an den Ausrüstungen von Fischern, doch Angriffe auf Menschen seien extrem selten und erfolgten in der Regel nur bei direkter Provokation.
Um die Bevölkerung transparent zu informieren, wurde eine interaktive Google-Karte veröffentlicht. Das vom Frühwarnsystem für invasive Arten (ELNAIS) betriebene Tool verzeichnet unter dem wissenschaftlichen Namen “Lagocephalus sceleratus” alle bestätigten Sichtungen der Tiere entlang der griechischen Küste.
Rotes Kreuz warnt vor tödlichem Verzehr
Trotz der Entwarnung durch Meeresbiologen bezüglich möglicher Angriffe gibt es klare Verhaltensregeln. Das Griechische Rote Kreuz hat eine offizielle Gesundheitswarnung herausgegeben. Demnach sollten Personen, die von einem Hasenkopf gebissen werden, umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, da die schnabelähnlichen Kiefer tiefe Wunden und starke Blutungen verursachen können.
Noch eindringlicher warnen die Hilfsorganisationen vor dem Essen der Tiere. Die Fische dürfen unter keinen Umständen verzehrt werden. Organe und Fleisch enthalten das Nervengift Tetrodotoxin, für das es kein bekanntes Gegengift gibt und dessen Aufnahme sowohl für marine Raubtiere als auch für Menschen tödlich enden kann.