Griechenland – Fünf staatliche Digitalprojekte sollen bis zum Frühjahr 2027 wichtige Bereiche der Verwaltung und öffentlichen Sicherheit modernisieren. Geplant sind neue Verfahren zur Erfassung von Katastrophenschäden und Verkehrsverstößen, ein sicheres Funknetz für Einsatzkräfte, der Ausbau der Raumfahrtinfrastruktur und eine überarbeitete Transparenzplattform. Die Zeitpläne reichen von November 2026 bis Mai 2027.
Bei den genannten Terminen geht es nicht durchgehend um fertige Systeme: Teilweise sind zunächst Ausschreibungen oder Vertragsabschlüsse vorgesehen. Digitalminister Dimitris Papastergiou erklärte gegenüber der griechischen Nachrichtenagentur AMNA, Technologie solle Probleme des Alltags lösen und den Staat effizienter und transparenter machen. Für alle fünf Vorhaben gebe es konkrete Meilensteine. Papastergiou verwies dabei auch auf die Forderung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis nach greifbaren Ergebnissen der Regierungsarbeit.
| Vorhaben | Geplanter Meilenstein |
|---|---|
| Kritisches Funknetz MCNGR | Ausschreibung im November 2026; technische Angebotsprüfung im März 2027 |
| Digispect und Katastrophenerfassung | Produktivbetrieb ab Januar 2027 |
| Digitales System für Verkehrsverstöße | Vertrag im Januar 2027; stufenweiser Start im März 2027 |
| Hellas Space 2.0 | Erste Vertragsabschlüsse im März 2027 |
| Neue Transparenzplattform Diavgeia | Regierungsmeilenstein im Mai 2027 |
Katastrophenschäden: Digispect soll Behörden vernetzen
Im Januar 2027 soll ein integriertes Programm zur digitalen Erfassung von Naturkatastrophen in den regulären Betrieb gehen. Dazu gehört Digispect, ein System zur Dokumentation und Bearbeitung von Schäden nach Naturereignissen. Ortsbesichtigungen und die Erfassung der erforderlichen Angaben sollen künftig in einer einheitlichen digitalen Umgebung zusammenlaufen.
Dafür sind 43 Schnittstellen zu staatlichen Diensten und Registern vorgesehen, darunter die griechische Steuerbehörde AADE und das Kataster. Daten zu betroffenen Immobilien sollen so aus bestehenden Registern abgerufen werden können. Betroffene sollen außerdem den Bearbeitungsstand ihres Falls verfolgen können.
90 Millionen Euro für sichere Kommunikation im Einsatz
Beim Nationalen Netz für kritische drahtlose Kommunikation (MCNGR) ist die Veröffentlichung der Ausschreibung für November 2026 vorgesehen. Die Bewertung der technischen Angebote soll im März 2027 folgen. Das Projekt hat einen Etat von 90 Millionen Euro.
Geplant ist ein einheitliches und gesichertes Kommunikationssystem für Einsätze mit besonders hohen Anforderungen an Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit. Nutzen sollen es unter anderem Angehörige der griechischen Polizei und der Küstenwache. Vorgesehen ist die Unterstützung von Aufgaben wie Grenzüberwachung und -kontrolle sowie Such- und Rettungseinsätzen. Dafür sollen unterschiedliche Telekommunikationstechnologien und Infrastrukturen kombiniert werden.
Verkehrsverstöße: Kameradaten und Bußgelder in einem System
Auch die Bearbeitung von Verstößen gegen die griechische Straßenverkehrsordnung soll digitalisiert werden. Für das zentrale Informationssystem ist die Vertragsunterzeichnung im Januar 2027 geplant; ab März soll es schrittweise in den produktiven Betrieb gehen.
Die neue Plattform soll Informationen über Verkehrsverstöße und Bußgelder an einer Stelle bündeln. Auch Daten aus dem vorgesehenen Netz von Kameras zur Erfassung von Regelverstößen sollen dort einfließen. Für die zuständigen Behörden soll das die Bearbeitung vereinfachen und bislang notwendige manuelle Einzelschritte reduzieren. Die angekündigten Termine beziehen sich auf die Systemeinführung, nicht auf einen bereits abgeschlossenen landesweiten Einsatz der Kameras.
Hellas Space 2.0: 350 Millionen Euro für Raumfahrttechnik
Im März 2027 sollen die ersten Verträge für Hellas Space 2.0 unterzeichnet werden. Es handelt sich um die zweite Phase des nationalen griechischen Raumfahrtprogramms. Das Budget beträgt insgesamt 350 Millionen Euro. Die Umsetzung ist in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA und dem griechischen Raumfahrtzentrum geplant.
Das Programm umfasst nationale Weltrauminfrastruktur, Schlüsseltechnologien, neue Anwendungen, Forschung und die Ausbildung beziehungsweise Entwicklung spezialisierter Fachkräfte. Schwerpunkte bilden die Erdbeobachtung, sichere Konnektivität und die Nutzung von Satellitendaten für den Katastrophenschutz sowie die Umweltüberwachung. Auch die griechische Raumfahrtindustrie soll an der Entwicklung von Technologien und Dienstleistungen beteiligt werden.
Diavgeia: Mehr Transparenz, mögliche KI-Funktionen
Für Mai 2027 hat die Regierung einen Meilenstein bei der Neufassung von Diavgeia gesetzt. Über dieses System werden Verwaltungsentscheidungen öffentlich zugänglich gemacht. Die geplante Modernisierung soll stärker auf strukturierten Informationen und Metadaten aufbauen; Daten und Dokumente der bisherigen Plattform sollen in das neue System übertragen werden.
Zusätzlich wird geprüft, ob künstliche Intelligenz und Sprachmodelle bei der Kategorisierung, bei der Informationssuche und bei der Verbesserung von Metadaten eingesetzt werden können. Ihr Einsatz ist damit Teil der Überlegungen, nicht bereits als laufende Funktion beschrieben. Der Plan sieht außerdem Maßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten und zur Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vor.