Thessaloniki – Die irische Fluggesellschaft Ryanair erwägt Insidern zufolge die Schließung ihrer Basis am Flughafen Makedonia ab dem kommenden Herbst. Dieser drastische Schritt bedroht weite Teile der internationalen Flugverbindungen und versetzt die lokalen Tourismusbehörden in Nordgriechenland in höchste Alarmbereitschaft. Vertreter der Stadtverwaltung fordern nun rasche Antworten von der Airline und der zuständigen Flughafenbetreibergesellschaft.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Billigfluggesellschaft Ryanair prüft die Schließung ihrer festen Basis am Flughafen von Thessaloniki zum kommenden Herbst.
- Ein Abzug der drei dort stationierten Flugzeuge würde eine massive Streichung internationaler Routen bedeuten.
- Als Grund für den möglichen Rückzug führt die Fluglinie laut ersten Informationen gestiegene Flughafengebühren an.
- Der Bürgermeister von Thessaloniki hat für Dienstag um 16:00 Uhr eine Dringlichkeitskonferenz mit dem Ryanair-Management angesetzt.
Krisensitzung der lokalen Behörden und Tourismusvertreter
In Reaktion auf die drohende Schließung berief der Bürgermeister von Thessaloniki, Stelios Angeloudis, am Montag eine Dringlichkeitssitzung ein. An diesem strategischen Treffen nahmen unter anderem die stellvertretende Regionalgouverneurin für Tourismus, Vicky Hatzivasileiou, sowie leitende Vertreter der örtlichen Tourismusorganisation teil. Ziel der Zusammenkunft war es, eine koordinierte Vorgehensweise gegenüber der Fluggesellschaft zu entwickeln und die wirtschaftlichen Interessen der zweitgrößten griechischen Stadt zu wahren. Die Teilnehmer zeigten sich zutiefst besorgt über die möglichen Auswirkungen auf die lokale Wirtschaftskraft.
Um den Informationsfluss auf nationaler Ebene zu sichern, trat die Stadtverwaltung umgehend mit dem Generalsekretär der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr (EOT), Andreas Fiorentinos, in Kontakt. Zudem wurde ein offizielles Schreiben an die Tourismusministerin Olga Kefalogianni übermittelt, um die Zentralregierung in die Krisenbewältigung einzubinden. Auf Initiative des Bürgermeisters findet nun am Dienstag, den 5. Mai um 16:00 Uhr, eine entscheidende Videokonferenz mit der Führungsebene von Ryanair statt. Bis zum Ende der laufenden Woche soll ein weiteres, erweitertes Treffen aller städtischen Gremien folgen, um die Lage nach der Unterredung abschließend zu bewerten.
Streit um Flughafengebühren mit Fraport Greece
Im Zentrum des Konflikts stehen offenbar die aktuellen Kostenstrukturen am Flughafen Makedonia. Die Stadtverwaltung von Thessaloniki hat parallel zu den Krisengesprächen eine formelle Anfrage an die Betreibergesellschaft Fraport Greece gerichtet. Die Behörden fordern Aufklärung darüber, ob sich die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit kürzlich verschärft haben und inwieweit die Betreibergesellschaft offiziell über die Rückzugspläne der irischen Fluggesellschaft informiert wurde. Ryanair selbst begründet ihre Überlegungen mit einer Erhöhung der operativen Abgaben am Standort.
Diese Argumentation folgt einem branchenbekannten Muster der Fluggesellschaft bei Verhandlungen über europäische Stützpunkte. Wenn die Gebühren an einem Flughafen aus Sicht des Unternehmens steigen, droht die Fluggesellschaft regelmäßig mit dem Abzug von Fluggeräten zu günstigeren Konkurrenzstandorten. Ähnliche Szenarien spielten sich in der jüngeren Vergangenheit bereits an den griechischen Regionalflughäfen von Chania auf Kreta und auf der Insel Kos ab. Auch auf internationaler Ebene setzt das Unternehmen diesen Hebel konsequent ein, wie die aktuellen Entwicklungen am Hauptstadtflughafen Berlin zeigen.
Dort kündigte Ryanair erst Ende April an, ihre Basis ab dem kommenden Oktober vollständig zu schließen und alle sieben stationierten Flugzeuge abzuordnen. Dies führt am deutschen Knotenpunkt zu einer drastischen Reduzierung des Flugangebots von und nach Berlin um 50 Prozent. In einer offiziellen Mitteilung erklärte die Airline, die betroffenen Kapazitäten an kostengünstigere Standorte in Ländern wie Schweden, der Slowakei, Albanien und Italien verlagern zu wollen, wo die staatlichen Luftverkehrsabgaben weitaus geringer ausfallen.
Wirtschaftliche Folgen für Nordgriechenland
Für den Flughafen Makedonia, an dem Ryanair aktuell drei Flugzeuge fest stationiert hat, wäre ein Abzug ein herber logistischer Rückschlag. Dieser drohende Einschnitt fällt paradoxerweise in eine Phase extrem starken Wachstums für die gesamte Region. Nach einem wirtschaftlich sehr erfolgreichen Jahr 2025 verzeichnete der Flughafen im ersten Quartal 2026 einen weiteren massiven Aufschwung. In den Monaten Januar bis März stieg das Passagieraufkommen um 5,1 Prozent auf insgesamt 1,47 Millionen Fluggäste. Der für den Tourismus entscheidende internationale Flugverkehr trug dazu maßgeblich bei und erreichte über 857.000 Passagiere, was einem Plus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Die politische Führung der angrenzenden Gemeinden warnt daher eindringlich vor den weitreichenden Konsequenzen. Chrysa Arapoglou, die Bürgermeisterin der Nachbargemeinde Kalamaria, betonte in einer offiziellen Stellungnahme die strategische Bedeutung des Unternehmens als zentraler Luftfrachtführer für den gesamten nordgriechischen Raum. Ein Wegfall der Verbindungen würde die Wirtschaft, den anlaufenden Tourismus und die Mobilität der Bürger massiv beeinträchtigen. Sie forderte den Staat, die Betreibergesellschaft und die lokalen Institutionen auf, unverzüglich und kompromisslos zu handeln, um die Basis in Thessaloniki zu sichern und die Infrastruktur der Region vor einer weiteren verkehrstechnischen Abwertung zu schützen.