Griechenland – Nach den katastrophalen Waldbränden der vergangenen Jahre hat der griechische Staat umfangreiche Erosionsschutzmaßnahmen in den Gebieten von Drosopigi und Kryoneri abgeschlossen. Innerhalb von weniger als zehn Monaten wurden Schutzbauten auf einer Fläche von 950 Stremmata errichtet, um die stark gefährdeten Hänge im Norden der Hauptstadtregion zu stabilisieren. Das Infrastrukturprojekt mit einem Gesamtbudget von über einer Million Euro bildet den Auftakt für eine umfassende Wiederaufforstung und soll die umliegenden Gemeinden vor drohenden Sturzfluten bewahren.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Erosionsschutzmaßnahmen umfassen eine stark geneigte Fläche von 950 Stremmata.
- Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf exakt 1.085.539,31 Euro.
- Allein bei den verheerenden Feuern im Juli 2025 wurden 2.265 Stremmata Wald vernichtet.
- Das betroffene Gebiet ist Teil des Parnitha-Ökosystems, das 158 Vogelarten beheimatet.
- Eine großflächige Wiederaufforstung auf rund 3.000 Stremmata hat bereits begonnen.
Eine historische Naturlandschaft fällt den Flammen zum Opfer
Für viele Jahrzehnte galt das weitläufige Waldgebiet von Drosopigi als ein beispielloses Naturparadies auf der Halbinsel Attika. Als einer der bedeutendsten Wälder des Landes beherbergte das Areal unberührte Pfade, natürliche Quellen und jahrhundertealte Platanen sowie mächtige Eichen und Kiefern. Die tiefen Schluchten boten zahlreichen seltenen Tier- und Vogelarten einen geschützten Lebensraum. Geografisch erstreckte sich das Gebiet von der Nationalstraße auf Höhe der Mautstelle Afidnes bis weit in die angrenzenden Wälder von Kryoneri und Tatoi.
Innerhalb von nur vierzehn Jahren wurde dieses geschlossene Ökosystem jedoch von drei schweren Brandkatastrophen nahezu vollständig ausgelöscht. Das erste große Feuer im Jahr 2012 vernichtete weite Teile der östlichen Waldflächen in der Nähe lokaler Militäreinrichtungen und entwaldete Gebiete, in denen historische Baumriesen standen. Im August 2021 folgte ein weiterer massiver Brand, der die Regionen Varympompi und Kryoneri schwer traf. Der endgültige Schlag ereignete sich im Juli 2025, als die Flammen die letzten verbliebenen Grünflächen sowie Gebäude, die die vorherigen Katastrophen überstanden hatten, zerstörten.
Zwischen den einzelnen Brandereignissen mussten unzählige verbrannte Stämme entfernt werden, da diese eine akute Gefahr für die örtliche Infrastruktur und den natürlichen Wasserabfluss in den Bächen darstellten. Ohne die natürliche Barriere der Bäume und des Wurzelwerks drohten massive Erdrutsche bei starken Regenfällen.
Erosionsschutz und Wiederaufforstung in Rekordzeit
Die Waldgebiete von Drosopigi liegen größtenteils innerhalb der Grenzen der Gemeinde Afidnes und bilden ein administratives Dreiländereck mit den Gemeinden Oropos, Acharnes und Dionysos. Unter der Koordination der zuständigen Forstdienststellen des Griechischen Ministeriums für Umwelt und Energie wurde eines der größten Anti-Erosionsprojekte der Region entwickelt. Die Finanzierung in Höhe von 1.085.539,31 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) übernahmen private Akteure, darunter ein lokaler Zementhersteller und die Paul und Alexandra Canellopoulos Stiftung.
Die baulichen Maßnahmen umfassen spezielle Holzkonstruktionen und Hangabstützungen an Orten mit extremer Neigung, um das Abrutschen des Erdreichs zu verhindern. Parallel zu diesen baulichen Stabilisierungsarbeiten haben die Forstbehörden mit der Bepflanzung eines weitaus größeren Areals von rund 3.000 Stremmata begonnen. Viele der neuen Setzlinge stammen aus den Baumschulen lokaler Freiwilligenorganisationen. Diese strukturellen Schritte sind von entscheidender Bedeutung, da das betroffene Gebiet Teil des größeren Parnitha-Ökosystems ist, welches offiziell als Lebensraum für 158 Vogelarten registriert ist.
Lokale und nationale Behörden betonen die Dringlichkeit
Die Notwendigkeit dieser schnellen Umsetzung ergab sich primär aus der unmittelbaren Nähe der verbrannten Flächen zu bewohnten Siedlungsgebieten. Der griechische Minister für Umwelt und Energie, Stavros Papastavrou, äußerte sich zu den Fortschritten: “In weniger als einem Jahr werden die Erosionsschutzwerke in Drosopigi und Kryoneri fertiggestellt übergeben, was beweist, dass durch die Zusammenarbeit von Staat, lokaler Selbstverwaltung, Freiwilligen, Zivilgesellschaft und Privatsektor wesentliche und messbare Ergebnisse erzielt werden können.” Diese Eingriffe würden Menschenleben, Eigentum und die natürliche Umwelt schützen und die Voraussetzungen für eine natürliche Regeneration schaffen.
Auch auf kommunaler Ebene wird die langfristige Perspektive des Projekts hervorgehoben. Der stellvertretende Bürgermeister von Oropos, Giannis Vlachos, wies darauf hin, dass die bloße Pflanzung neuer Bäume nicht ausreiche. Vielmehr sei die systematische Pflege und die kontinuierliche Bewässerung in den kommenden Monaten entscheidend, um den Setzlingen ein stabiles Wachstum zu ermöglichen. Die Bürgermeisterin der benachbarten Gemeinde Dionysos, Katerina Maichosoglou, erklärte ergänzend, dass durch die Eingriffe nicht nur die Waldfläche geschützt, sondern vor allem die Sicherheit der Anwohner und deren Eigentum nach den traumatischen Erfahrungen der Brände maßgeblich erhöht werde.