Griechenland – Eine neue, massive Welle von afrikanischem Staub überzieht seit dem heutigen Dienstag, 14. April, weite Teile des Landes und bringt verbreitet Schlammregen mit sich. Das meteorologische Phänomen wird die Atmosphäre voraussichtlich bis zum Ende der Woche erheblich belasten. Angesichts der sinkenden Luftqualität hat die Nationale Organisation für öffentliche Gesundheit (EODY) einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zum Schutz der Bevölkerung veröffentlicht.
Die dichten Staubwolken aus der Sahara reduzieren nicht nur die Sichtweite, sondern stellen auch ein ernstzunehmendes medizinisches Risiko dar. Der Griechische Wetterdienst (EMY) prognostiziert eine kontinuierliche Ausbreitung von Westen nach Osten. Die Behörden fordern insbesondere gefährdete Personengruppen auf, ihre Aufenthalte im Freien auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und entsprechende Vorkehrungen zu treffen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Staubwolke betrifft am Dienstag zunächst den Westen und breitet sich bis Donnerstag über das ganze Land aus.
- Die Kombination aus hohen Temperaturen und Niederschlägen führt zu landesweitem Schlammregen.
- Besonders gefährdet sind Kinder, Personen über 65 Jahren sowie Menschen mit Atemwegs- und Herzerkrankungen.
- Die Gesundheitsbehörde rät zum Tragen von FFP2-Masken im Freien.
- Für Schulen gelten spezielle Anweisungen, darunter die Verlegung des Sportunterrichts in Innenräume.
Die zeitliche Ausbreitung der afrikanischen Staubwolke
Die offizielle Prognose der Meteorologen zeichnet ein klares Bild der atmosphärischen Entwicklung für die kommenden Tage. Für den heutigen Dienstag, 14. April, erklärte der Griechische Wetterdienst (EMY), dass die meteorologischen Bedingungen den Transport von afrikanischem Staub vor allem im Westen und Süden des Landes stark begünstigen. Am Mittwoch, 15. April, verlagert sich der Schwerpunkt laut den Experten auf die zentralen und südlichen Landesteile, bevor sich die Konzentration am Donnerstag, 16. April, auf den Osten und Südosten Griechenlands konzentriert.
Das Informationsportal für die atmosphärische Zusammensetzung in Griechenland, AtmoHub, stuft das aktuelle Ereignis als mittelstark ein. Das Portal wird von der Forschungsgruppe des Nationalen Observatoriums Athen (NOA) koordiniert und vom europäischen Atmosphärenüberwachungsdienst Copernicus unterstützt. Den Daten zufolge werden die gesetzlichen Grenzwerte für die Luftqualität in den Regionen Ionische Inseln, Westgriechenland, Mittelgriechenland und Epirus bereits überschritten. Ab Mittwochmittag dehnt sich das Phänomen auf die Kykladen, den Dodekanes und die Ägäisinseln aus. Lediglich einige Gebiete in der Evros-Region könnten am Donnerstag von der massiven Staubglocke verschont bleiben.
Zusammensetzung des Staubs und medizinische Risikogruppen
Der Ferntransport von Wüstenstaub über Tausende von Kilometern ist ein natürliches Frühlingsphänomen. Der Staub stammt primär aus der nordafrikanischen Sahara und besteht aus Sand- und Staubpartikeln unterschiedlicher Größe. Diese können chemische Substanzen sowie Mikroorganismen wie Viren, Bakterien und Pilze enthalten. Die Nationale Organisation für öffentliche Gesundheit (EODY) betont jedoch, dass diese luftgetragenen Mikroorganismen ein üblicher Bestandteil der Atmosphäre sind und es keine wissenschaftlichen Belege für die Übertragung von Infektionskrankheiten durch Staub gibt.
Dennoch stellt die hohe Partikelkonzentration eine massive physische Belastung dar. Die Behörde warnt ausdrücklich, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen einem stark erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Dazu gehören Säuglinge und Kinder, Senioren über 65 Jahren sowie Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder der Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Auch Personen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zur primären Risikogruppe.
Die Exposition gegenüber dem Staub äußert sich durch vielfältige klinische Symptome. Dazu zählen Augenreizungen, tränende Augen, Niesen, Halsschmerzen, hartnäckiger Husten, Atemnot und Engegefühl in der Brust. In Krankenhäusern wird während solcher Episoden regelmäßig ein Anstieg von Notfällen aufgrund von schweren Asthmaanfällen, COPD-Exazerbationen und akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen verzeichnet.
Strikte Verhaltensregeln und Schutzmaßnahmen im Alltag
Um gesundheitliche Schäden zu minimieren, hat die Nationale Organisation für öffentliche Gesundheit (EODY) verbindliche Richtlinien für die Bevölkerung herausgegeben. Asthmatiker und Personen mit Atemwegserkrankungen müssen ihren Behandlungsplan strikt einhalten und gegebenenfalls nach ärztlicher Rücksprache die Dosierung ihrer Inhalationsmedikamente erhöhen. Entsprechende Inhalationsgeräte sind zwingend ständig mitzuführen. Bei Herz-Kreislauf-Patienten erfordern Symptome wie unregelmäßiger Herzschlag oder Erstickungsgefühle sofortige ärztliche Hilfe.
Für die Allgemeinbevölkerung gelten strenge Präventivmaßnahmen. Aktivitäten im Freien, insbesondere körperliche Arbeit und Sport, sollen auf das absolute Minimum reduziert oder in geschlossene Räume verlegt werden. Wenn das Verlassen des Hauses unvermeidlich ist, wird dringend das Tragen einer Atemschutzmaske der Klassen FFP2, KN95 oder N95 empfohlen. Bei Autofahrten müssen die Fenster geschlossen bleiben, während die Klimaanlage auf Umluftbetrieb gestellt werden sollte.
Zusätzlich muss die Luftqualität in Innenräumen geschützt werden. Fenster und Türen sind bestmöglich abzudichten. Die Gesundheitsbehörde rät dazu, Oberflächen regelmäßig mit einem feuchten Tuch zu reinigen und Böden nass zu wischen. Aktivitäten, die die Luftqualität zusätzlich verschlechtern, wie Rauchen, Staubsaugen oder das Abbrennen von Kerzen, sind strikt zu vermeiden. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr durch viel Wasser wird ebenfalls dringend empfohlen.
Besondere Anweisungen für den gesamten Schulbetrieb
Ein besonderer Fokus der behördlichen Anordnungen liegt auf dem Schutz von Schülern. Die Direktionen aller Bildungseinrichtungen sind angewiesen, sämtliche Aktivitäten im Freien zu unterbinden. Der Sportunterricht muss in geeignete, geschlossene Sporthallen verlegt werden. Ist dies räumlich nicht möglich, soll der Unterricht im regulären Klassenzimmer stattfinden. Geplante Bildungsausflüge, Museumsbesuche oder Schulfahrten müssen verschoben werden.
Während der Pausen sind Aktivitäten mit intensiver körperlicher Anstrengung, wie Fußballspiele auf dem Schulhof, zu vermeiden. Das Lehrpersonal ist angehalten, alternative, ruhige Beschäftigungen zu fördern. Um das Eindringen des Staubs zu verhindern, müssen die Fenster der Klassenzimmer während der gesamten Unterrichtszeit geschlossen bleiben.
Schließlich richten sich die Anweisungen auch an das Reinigungspersonal der Schulen. Vor Unterrichtsbeginn und nach Schulschluss müssen alle Kontakt- und Arbeitsflächen, insbesondere Tische und Bänke, zwingend feucht abgewischt werden. Die Böden der Unterrichtsräume sind täglich nass zu wischen, um abgelagerte Staubpartikel effektiv zu binden und zu entfernen.