Griechenland – Nach einem verheerenden Großbrand am Samstagabend in den Vororten von Thessaloniki hat die griechische Regierung für die betroffenen Gebiete den Notstand ausgerufen. Während 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr weiterhin gegen die Flammen in einer Recyclinganlage im Großraum der Hafenstadt kämpfen, breitet sich eine massive Giftwolke über das Land aus. Die toxischen Abgase der Industriebrände in den Gemeinden Oreokastro und Pavlos Melas haben sich mittlerweile über die Atmosphäre bis nach Athen ausgebreitet.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Notstand für die betroffenen Vororte im Norden Thessalonikis verhängt.
- 120 Feuerwehrleute bekämpfen weiterhin brennende Kunststoff- und Reifenstapel.
- Giftige Rauchgase und Feinstaubpartikel breiten sich bis in die Hauptstadt Athen aus.
Gefährliche Schadstoffe bedrohen die Atemluft
In der Industriezone von Filothei brennen weiterhin leicht entflammbare Materialien wie Autoreifen, Kunststoffe und Aluminium. Die zuständigen Behörden und Mediziner warnen eindringlich vor den weitreichenden Folgen der massiven Luftverschmutzung. Dimosthenis Sarigiannis, Professor für Umwelttechnik an der Universität Thessaloniki, erklärte gegenüber dem staatlichen Rundfunk ERT, dass durch die Verbrennung der industriellen Abfälle ein hochgefährliches Gemisch entstehe. Dabei würden flüchtige toxische Substanzen freigesetzt, die sich an Rußpartikel binden. Es entstünden krebserregende aromatische Kohlenwasserstoffe sowie Dioxine und Furane, die sich im menschlichen Körper anreichern könnten. Die Halbwertszeit für den Abbau dieser Toxine im Organismus betrage rund 16,5 Jahre.
Die größte unmittelbare Gefahr geht von den feinen PM2.5-Partikeln aus, die tief in das Atemsystem eindringen können. Echtzeitmessungen belegen, dass die Feinstaubwolke durch die Windrichtung bereits das Zentrum von Thessaloniki und den Vorort Kalamaria erreicht hat. Sarigiannis riet gefährdeten Personengruppen wie älteren Menschen, Schwangeren und chronisch Kranken, spezielle Atemschutzmasken zu tragen, Fenster zwingend geschlossen zu halten und Klimaanlagen ausschließlich im Umluftmodus zu betreiben. Ein möglicher Regenschauer könne die Luftqualität zwar durch Auswaschung der Partikel kurzfristig verbessern, jedoch verlagere sich die Toxizität dann in den Boden, was höchste Vorsicht bei der Reinigung von Außenanlagen erfordere.
Bilanz der Zerstörung im Katastrophengebiet
Neben dem tragischen Verlust von Menschenleben erfassen die lokalen Behörden derzeit das Ausmaß der immensen materiellen Zerstörung. Im Ortsteil Anthoupoli brannten drei Betriebe vollständig aus, weitere Unternehmen erlitten schwere Bauschäden. Auch in Filothei meldet die Stadtverwaltung massive Zerstörungen an Wohngebäuden, Zäunen und der Wasserinfrastruktur. Ein lokaler Fußballplatz sowie acht hölzerne Lagerhallen wurden den Flammen komplett geopfert. In der Produktionszone von Efkarpia verzeichneten die Einsatzkräfte den Totalverlust von drei Gewerbebetrieben, während fünf weitere im Außenbereich stark beschädigt wurden.
Die Bürgermeister der betroffenen Gebiete, Pantelis Tsakiris (Oreokastro) und Dimitris Aslanidis (Pavlos Melas), zeigten sich erleichtert über die schnelle Reaktion der Zentralregierung. Die erste Phase der systematischen Schadensaufnahme soll bis zum morgigen Dienstag abgeschlossen sein, um rasch Entschädigungsverfahren für die betroffenen Einwohner und Unternehmer einzuleiten.
Polizei drängt auf klare Schutzanweisungen
Miltos Chatzigiannakis, Generalsekretär der griechischen Polizei (ELAS), besuchte die stark zerstörten Gebiete im Norden der Stadt. Er appellierte eindringlich an die zuständigen staatlichen Stellen und betonte die Dringlichkeit einer lückenlosen Überwachung der Luftqualität. Chatzigiannakis forderte, dass den Anwohnern in der Gefahrenzone umgehend klare und präzise Anweisungen zu den erforderlichen Maßnahmen für den persönlichen Selbstschutz übermittelt werden müssen.