Griechenland – Reisende in Europa sehen sich in dieser Sommersaison mit massiven Einschränkungen im Flugverkehr konfrontiert. Nach neuesten Erhebungen von Eurocontrol verzeichnet Griechenland einen drastischen Anstieg der Flugverspätungen um 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was zu Dringlichkeitstreffen der nationalen Luftfahrtbehörden führt. Gleichzeitig sorgt das neue biometrische Grenzkontrollsystem der Europäischen Union (EES) für zusätzliche Engpässe und Wartezeiten von bis zu fünf Stunden an internationalen Drehkreuzen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Griechenland verzeichnet einen Anstieg der Flugverspätungen um 63 Prozent.
- Der griechische Luftraum verursacht 13 Prozent aller europäischen Verzögerungen.
- Das neue EU-Grenzkontrollsystem EES führt zu Wartezeiten von bis zu fünf Stunden.
Griechischer Luftraum als Nadelöhr im europäischen Netzwerk
Während die flugverkehrsbedingten Verspätungen im europäischen Durchschnitt laut Eurocontrol um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind, entwickelt sich Griechenland deutlich gegen den Trend. Der aktuelle Sommerbericht der europäischen Flugsicherungsorganisation für die letzte Juniwoche belegt, dass das Land für insgesamt 13 Prozent aller Verzögerungen im europäischen Netzwerk verantwortlich ist. Neun Prozent dieser Verspätungen entfallen auf das Kontrollzentrum für den Raum Athen, weitere vier Prozent auf das regionale Zentrum in Mazedonien.
Diese Entwicklung fällt in eine Zeit extremer Belastung für die Luftfahrt. Ende Juni wurde mit 37.165 Flügen an einem einzigen Tag ein neues Jahreshoch in Europa registriert, womit sogar die Spitzenwerte des Vorjahres übertroffen wurden. Die Gesamtzahl der europäischen Flüge stieg im Vergleichszeitraum um 1,6 Prozent an. Die massiven Probleme in Griechenland haben konkrete Ursachen: Experten verweisen auf strukturelle Kapazitätsengpässe und einen akuten Personalmangel bei der Flugsicherung. Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund der anhaltenden Krise im Nahen Osten zahlreiche Fluggesellschaften ihre Routen verlegen mussten, was den Transitverkehr über dem griechischen Festland und der Ägäis zusätzlich in die Höhe treibt.
Krisentreffen in Athen und strukturelle Maßnahmen
Die angespannte Situation hat die staatlichen Stellen auf den Plan gerufen. Für den heutigen Tag wurde eine Sondersitzung anberaumt, an der hochrangige Vertreter der griechischen Zivilluftfahrtbehörde (YPA), der Luftfahrtbehörde APA, des Athener Flughafens sowie der Fluggesellschaften teilnehmen. Allein am Internationalen Flughafen Athen werden täglich rund 900 kommerzielle Flüge sowie etwa 100 Fracht- und Privatflüge abgefertigt. Es wird geschätzt, dass fast 80 Prozent der dortigen Verzögerungen während der Stoßzeiten direkt auf Limitierungen bei der Flugsicherung zurückzuführen sind. Diese Engpässe lösen eine Kettenreaktion aus, die sich auf Folgeflüge, Flugzeuge und Crew-Verfügbarkeiten auswirkt. Die Behörden prüfen nun operative Maßnahmen, um das Personal aufzustocken und die Rekordzahlen der touristischen Hochsaison besser zu bewältigen.
EU-Kommission räumt massive Probleme beim EES-System ein
Abseits des griechischen Luftraums kämpft Europa mit einer weiteren infrastrukturellen Herausforderung am Boden. Die Europäische Kommission bestätigte gravierende Anlaufschwierigkeiten mit dem neuen automatisierten Ein- und Ausreisesystem (EES). An Flughäfen wie in Brüssel stauen sich die Passagiere in Spitzenzeiten bis zu fünf Stunden, da die Grenzdienste mit der digitalen Erfassung überfordert sind. Das EES ersetzt den traditionellen Stempel im Pass durch eine digitale Registrierung, bei der auch biometrische Daten von Nicht-EU-Bürgern gespeichert werden.
Wie ein Sprecher der Kommission, Markus Lammert, erklärte, werde am morgigen Tag ein Dringlichkeitstreffen mit der Luftfahrtindustrie stattfinden. Angesichts von über zwei Millionen Passagierregistrierungen pro Woche und dem herannahenden Hochsommer drohe sich die Lage weiter zuzuspitzen. Die Kommission betonte, dass viele Schwierigkeiten nicht primär an der Software lägen, sondern auf bestehende strukturelle Defizite in den Flughafen-Infrastrukturen zurückzuführen seien. Um die nationalen Behörden zu entlasten, soll nun zusätzliches Personal der europäischen Grenzschutzagentur Frontex an den am stärksten betroffenen Flughäfen eingesetzt werden.