Chios – Der Flughafen der griechischen Ägäisinsel Chios soll für rund vier Monate den Betrieb einstellen, damit Arbeiten an der Start- und Landebahn fortgesetzt werden können. Über den Zeitplan ist ein Streit zwischen dem Infrastrukturministerium und örtlichen Behörden entbrannt. Minister Christos Dimas erklärte, die Schließung sei mit lokalen Vertretern abgestimmt worden. Diese weisen seine Darstellung ausdrücklich zurück.
In einem Interview mit dem Sender Antenna TV sagte Dimas, bei dem Ausbauprojekt sei zunächst nichts schiefgelaufen. Mit den Institutionen auf Chios habe man wiederholt darüber gesprochen, dass der Flughafen zeitweise geschlossen werden müsse. Auf deren Wunsch habe das Ministerium akzeptiert, den Betrieb frühestens ab dem 15. November 2026 zu unterbrechen, damit der Flughafen während des Sommers genutzt werden könne.
Nach Angaben des Ministers war ursprünglich eine längere Unterbrechung vorgesehen. In Abstimmung mit dem Auftragnehmer seien jedoch Arbeiten der zweiten und dritten Bauphase zeitlich zusammengelegt worden.
Region, Gemeinde und Handelskammer bestreiten eine Einigung
Regionalgouverneur Kostas Moutzouris widersprach dem Minister. Die Regionalverwaltung sei zu dieser konkreten Frage niemals um ihre Meinung gebeten worden; sämtliche Entscheidungen seien ohne ihre Beteiligung getroffen worden, erklärte er.
Auch der Bürgermeister von Chios, Giannis Malafis, wies zurück, eine solche Lösung vorgeschlagen oder ausgehandelt zu haben. Bei einer Entscheidung dieser Tragweite würde die Gemeinde nach seinen Angaben über die zuständigen Institutionen und unter Einbeziehung des Gemeinderats handeln.
Die Handelskammer von Chios, die ebenfalls in einem mit institutionellen Stellen verhandelnden Gremium vertreten ist, dementierte die Aussagen des Ministers. Regionalverwaltung, Gemeinde und Handelskammer haben um ein Gespräch mit dem Ministerpräsidenten gebeten. Laut dem vorliegenden Bericht blieb ihre Anfrage bislang unbeantwortet.
Auch die griechische Zivilluftfahrtbehörde (YPA) hatte bei Bekanntgabe der geplanten viermonatigen Schließung eine andere Darstellung geliefert: Sie erklärte, einen entsprechenden Antrag des Bauunternehmens genehmigt zu haben.
Zwei Jahre Verzögerung und Streit um die Landebahn
Die Erweiterung des Flughafens hat sich dem Bericht der griechischen Zeitung Efimerida ton Syntakton zufolge bereits um etwa zwei Jahre verzögert. Die Zeitung kritisiert, dass der Auftragnehmer den Großteil des Projektbudgets erhalten habe und nun die mehrmonatige Schließung benötige, um die Arbeiten weiterzuführen.
Besonders umstritten ist der vorgesehene Umfang der Fertigstellung. Bis März sollen nach dem Bericht lediglich 1.300 Meter der Start- und Landebahn übergeben werden, obwohl der vertraglich geschuldete Ausbau 1.799 Meter umfasse. Der Auftragnehmer habe zudem bereits 2023 eine Prämie für die fristgerechte Fertigstellung in Höhe von 690.000 Euro einschließlich Mehrwertsteuer erhalten.
Die Zeitung wirft der Regierung vor, die Verantwortung des Auftragnehmers für die Verzögerungen herunterzuspielen. Sie verweist dabei auch auf einen Besuch des Ministerpräsidenten auf Chios im Mai 2024. Damals habe er nach ihrer Darstellung eine spätere Fertigstellung gebilligt, sofern sie in eine Wahlkampfphase falle. Für diese Bewertung wird in dem Bericht keine eigenständige Bestätigung vorgelegt.
Erneut Wasser in der renovierten Passagierhalle
Zusätzliche Kritik löste ein weiterer Wassereinbruch in der erst kürzlich renovierten Passagierhalle des Flughafens „Omiros“ aus. Nach starkem Regen drang erneut Wasser in das Gebäude ein; im Innenraum mussten Eimer aufgestellt werden.
Bereits nach einem früheren Vorfall war versucht worden, die Verantwortung der Zivilluftfahrtbehörde zuzuschreiben. Damals hieß es, nicht entfernte Baureste auf dem Dach hätten die Entwässerungsrinnen verstopft. Ob diese Erklärung auch für den erneuten Wassereinbruch zutrifft, ist nicht geklärt.
Damit stehen neben der geplanten Betriebspause weiterhin die Verantwortlichkeiten für den Baufortschritt und die Probleme in der renovierten Passagierhalle zur Debatte.
Mit Informationen von: Griechisches Ministerium für Infrastruktur und Verkehr, Regionalverwaltung der Nördlichen Ägäis, Gemeinde Chios, Handelskammer Chios, griechische Zivilluftfahrtbehörde (YPA).