Athen – Tausende Fahrzeuge nutzen sie täglich, doch nur wenige kennen ihre wahre Geschichte. Mehrere zentrale Verkehrsadern in der griechischen Hauptstadt tragen zwei unterschiedliche Namen. Von der Kifisou- und Vouliagmenis-Avenue bis hin zur Kifisias und Vasilissis Amalias hat jede Straße ihren eigenen historischen Hintergrund. Oft widersetzt sich die alte Bezeichnung im Volksmund der offiziellen Umbenennung, oder verschiedene Streckenabschnitte tragen offiziell abweichende Titel.
Die Gründe für diese dualen Namensgebungen sind vielfältig. In einigen Fällen hat die jeweilige Gemeindeverwaltung beschlossen, historische Persönlichkeiten oder Institutionen zu ehren, während die Bevölkerung weiterhin den alten Namen verwendet. In anderen Fällen ändert sich der Straßenname exakt an der Grenze zu einem neuen Stadtteil, obwohl es sich um dieselbe durchgehende Fahrbahn handelt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zahlreiche Hauptstraßen in Athen besitzen mehr als einen Namen.
- Die Leoforos Thisseos in Kallithea heißt offiziell Eleftheriou Venizelou.
- Die Leoforos Athinon trug historisch bedingt den Namen Leoforos Kavalas.
- Eine militärische Umbenennung betraf 2018 die Straße zum Flughafen.
- Auch die bekannte Küstenstraße ändert in Voula ihren offiziellen Namen.
Theseus und Eleftherios Venizelos in Kallithea
Die Leoforos Thisseos bildet die größte und wichtigste Verkehrsachse der Gemeinde Kallithea. Sie beginnt als direkte Verlängerung der Kallirois-Straße im Stadtteil Koukaki und endet senkrecht zur Poseidonos-Avenue im Viertel Tzitzifies. Der ursprüngliche Name geht auf die griechische Mythologie zurück. Der Legende nach ging Theseus, der Sohn des mythischen Königs Ägeus, an den Küsten der heutigen Gemeinde Kallithea an Land, nachdem er den Minotaurus auf Kreta besiegt hatte.
Im Laufe der Zeit entschied sich die zuständige Stadtverwaltung von Kallithea jedoch für eine Änderung der Beschilderung. Die Straße wurde offiziell in Leoforos Eleftheriou Venizelou umbenannt. Mit diesem Schritt sollte der einflussreiche Politiker geehrt werden, der insgesamt sieben Mal das Amt des griechischen Premierministers bekleidete. Im täglichen Sprachgebrauch der Einwohner haben sich jedoch beide Bezeichnungen fest etabliert.
Der Weg nach Westen und die historische Grenze
Die Leoforos Athinon ist die primäre Hauptverkehrsader, die vom Zentrum der Hauptstadt in Richtung Westen zur Nationalstraße Athen-Korinth führt. In der Vergangenheit war diese Strecke als Leoforos Kavalas bekannt. Der Grund dafür war rein geografischer Natur: Sie bildete neben der Iera Odos die einzige weitere nördliche Ein- und Ausfahrt der Stadt. In der historischen Periode zwischen 1913 und 1920 endete das griechische Staatsgebiet in der nordgriechischen Stadt Kavala, was dieser Route ihren alten Namen verlieh.
Ein ähnliches Phänomen der gespaltenen Identität zeigt sich im Süden der Stadt. Die Leoforos Amfitheas erstreckt sich von der Syngrou-Avenue bis zum Pikrodafni-Bach. Überschreitet man diese Grenze in die Gemeinde Alimos, führt die Straße unter dem Namen Leoforos Eleftherias weiter. Die meisten Bürger und Autofahrer nutzen beide Namen synonym für die gesamte Länge der Straße, was für Ortsfremde oft irreführend sein kann.
Umbenennung durch die Militärakademie
Die wichtige Verbindungsstraße zwischen dem Vorort Vari und dem internationalen Flughafen wurde im Jahr 2018 offiziell umbenannt. Die ehemalige Leoforos Varis-Koropiou heißt seitdem Leoforos Evelpidon. Diese tiefgreifende Änderung erfolgte nach einem direkten Antrag von Alkiviadis Stefanis, dem damaligen Chef des Griechischen Generalstabs des Heeres (GES), um die Militärakademie Evelpidon institutionell zu würdigen.
Auch die Odos Pireos, die trotz ihrer Bezeichnung als einfache Straße eigentlich ein 10 Kilometer langer zentraler Verkehrsweg zwischen dem Athener Zentrum und Piräus ist, fällt in diese Kategorie. Der spezifische Abschnitt, der vom Omonia-Platz über den Koumoundourou-Platz und die archäologische Stätte Kerameikos führt, trägt offiziell den Namen Panagi Tsaldari. Diese Namensgebung ehrt den Premierminister, der Griechenland zwischen 1932 und 1935 regierte.
Küstenstraße und die Verbindung zum Imittos
Die als “Paraliaki” weithin bekannte Küstenstraße misst insgesamt 15,4 Kilometer. Sie nimmt ihren Anfang in Piräus, führt durch Palaio Faliro, Kallithea, Alimos, Elliniko sowie Glyfada und endet schließlich in Voula. Genau an diesem geografischen Punkt ändert sich der Name der Leoforos Poseidonos offiziell in Leoforos Konstantinou Karamanli, was auf den Straßenschildern der südlichen Vororte dokumentiert ist.
Weiter im Landesinneren erstreckt sich die Leoforos Katechaki mit einer Länge von 9 Kilometern. Sie beginnt an der Kifisias-Avenue und führt zur Mesogeion-Avenue, durch Papagou und das Universitätsgelände von Zografou bis zur Ringstraße des Imittos. Der Teilabschnitt von der Mesogeion-Avenue bis zur Ringstraße heißt von offizieller Seite Panagiotou Kanellopoulou, ist aber im allgemeinen Sprachgebrauch der Athener überwiegend als der südliche Teil der Alimou-Katechaki-Avenue bekannt.