Kreta – Ein schweres Unwetter hat auf der griechischen Mittelmeerinsel tiefgreifende Schäden hinterlassen und ein Menschenleben gefordert. Intensive Regenfälle führten in mehreren Regionen zu massiven Überschwemmungen, Erdrutschen und zerstörter Infrastruktur. Besonders hart getroffen ist der Bezirk Rethymno, wo ein vermisster Landwirt am Donnerstagvormittag im Zuge einer groß angelegten Suchaktion nur noch tot geborgen werden konnte.
Die massiven Wassermassen verwandelten Straßen in reißende Flüsse und schnitten ganze Dorfgemeinschaften von der Außenwelt ab. Parallel dazu mussten weite Teile Kretas über das Notrufsystem 112 evakuiert oder vor extremen Gefahren gewarnt werden, während die lokalen Behörden mit den verheerenden Auswirkungen auf das Verkehrsnetz und private Wohngebäude kämpfen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- In der Region Rethymno wurde ein vermisster Landwirt tot aufgefunden, während zahlreiche Dörfer im gebirgigen Hinterland durch Erdrutsche von der Außenwelt abgeschnitten sind.
- Wegen eingebrochener Küsten- und Landstraßen gaben die Behörden landesweite 112-Notfallwarnungen für weite Teile Kretas heraus.
- Der Schulbetrieb in den gesamten Bezirken Chania und Rethymno bleibt aufgrund der extremen Wetterbedingungen am Donnerstag vollständig ausgesetzt.
Tragischer Vorfall im Bezirk Rethymno
In der Gemeinde Agios Vasileios nahm die Suche nach einem vermissten Landwirt ein tödliches Ende. Der Mann aus dem Dorf Karines hatte sich am späten Mittwochabend zu seiner Schafherde begeben und galt seither als vermisst. Wie der Feuerwehrkommandant Nikolaos Tzanidakis erklärte, wurde das Verschwinden am Donnerstagvormittag offiziell gemeldet. Trotz einer schnellen Mobilisierung von Polizei- und Feuerwehrkräften, deren Arbeit durch die widrigen Wetterbedingungen stark behindert wurde, kam für den Mann jede Hilfe zu spät.
Gemeinde Mylopotamos fordert Ausrufung des Notstands
Angesichts der dramatischen Lage hat der Bürgermeister von Mylopotamos, Giorgos Klados, den Minister für Klimakrise und Zivilschutz, Evaggelos Tournas, offiziell um die Ausrufung des Notstands gebeten. Die Situation in den Bergdörfern Zoniana, Livadia und Axos ist kritisch, während die Zufahrt nach Anogeia vollständig blockiert ist. Staatliche und kommunale Räumdienste arbeiten unermüdlich daran, die Verkehrswege von Geröll und Schlammmassen zu befreien.
In der Gegend von Diskouri entging ein älteres Ehepaar nur knapp einer Katastrophe. Ihr Fahrzeug stürzte in ein Flussbett, nachdem die Fahrbahn durch die starken Regenfälle völlig unterspült worden war und einbrach. Familienangehörige konnten das Paar retten, das anschließend vorsorglich in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Laut Bürgermeister Klados sei eine Brücke zur Hälfte vom Fluss weggespült worden – ein Ausmaß an Zerstörung, das laut älteren Anwohnern an die historischen Unwetterkatastrophen des Jahres 1986 erinnere.
Zerstörte Infrastruktur und überflutete Wohnhäuser
Auch in der Gemeinde Heraklion sind die Auswirkungen verheerend. Im Dorf Roukani stehen Häuser, Scheunen und Höfe unter Wasser. Der Ort ist ab dem Gebiet Profitis Ilias vom restlichen Verkehrsnetz abgeschnitten. Berichten zufolge drangen die Fluten so schnell in die Gebäude ein, dass einige Anwohner erst durch den Lärm der Wassermassen aus dem Schlaf gerissen wurden.
Gleichzeitig kam es in den Küstengebieten der Gemeinde Hersonissos zu extremen Sachschäden. In Gouves brach die stark frequentierte Küstenstraße aufgrund der Unterspülung buchstäblich in der Mitte durch. Die Wucht der Wassermassen war so enorm, dass mindestens drei geparkte Fahrzeuge in das angrenzende Meer gespült wurden.
Behörden reagieren mit Warnungen und Schulschließungen
Aufgrund der unberechenbaren Lage hat der Zivilschutz über das Notrufsystem 112 weitreichende Warnungen an die Bevölkerung verschickt. Betroffen sind unter anderem die Regionen Agios Nikolaos, Elounda, Milatos und Limnes im Bezirk Lasithi sowie die Gegend um Minoa Pediada in Heraklion. Die Bürger wurden dringend angewiesen, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und auf sämtliche Fahrten zu verzichten.
Als präventive Maßnahme bleiben am Donnerstag alle Schulen im gesamten Bezirk Chania sowie in Rethymno geschlossen. Die Anordnung betrifft sowohl die Primar- als auch die Sekundarstufe, um Schüler und Lehrkräfte vor den unkalkulierbaren Risiken des Unwetters zu schützen.