Griechenland – Extreme Wetterumschwünge und die Folgen der Klimakrise konfrontieren Griechenland zunehmend mit Naturphänomenen, die dort einst als absolute Seltenheit galten. Zerstörerische Tornados und Wasserhosen häufen sich im ganzen Land, wobei die Region Ioannina das jüngste Opfer dieser klimatischen Eskalation wurde. Ein massiver Wirbelsturm riss dort Stromleitungen und Masten nieder, was zu großflächigen Stromausfällen führte, während die Behörden in Epirus in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt wurden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Tornado in Ioannina unterbrach die Stromversorgung für mindestens acht Dörfer und deckte in Mesopotamo zahlreiche Dächer ab.
- Die Regionen der nordwestlichen Peloponnes und der Ionischen Inseln gelten bei Experten mittlerweile als das “Bermuda-Dreieck” für griechische Wirbelstürme.
- Statistisch verzeichnet Griechenland jedes Jahr 8 bis 10 Tornados über Land sowie 10 bis 12 gefährliche Wasserhosen.
Verwüstungen im Nordwesten und Notfalleinsätze
In der Region um Ioannina hinterließ das jüngste Unwetter erhebliche Schäden an der Infrastruktur. Durch die Wucht des Tornados stürzten Strommasten des Energieversorgers DEI um, wodurch mindestens acht Dörfer komplett im Dunkeln lagen. Techniker des staatlichen Netzbetreibers DEDDIE arbeiten seither unter Hochdruck daran, die Stromversorgung wiederherzustellen. In der Ortschaft Mesopotamo riss der Sturm die Ziegel von zahlreichen Hausdächern. Die Anwohner kämpfen bei anhaltendem Regen darum, ihre Häuser vor weiteren Wasserschäden zu schützen. Der Zivilschutz der Region Epirus bleibt angesichts der volatilen Wetterlage in höchster Alarmbereitschaft.
Eine Spur der Zerstörung quer durch das Land
Der Vorfall im Nordwesten ist nur das jüngste Glied in einer wachsenden Kette ähnlicher Wetterkatastrophen in Griechenland. Auf der Insel Korfu wütete kürzlich ein schwerer Tornado im Dorf Afionas an der Nordwestküste. Er zerstörte die Einrichtungen von fünf Geschäften vollständig und deckte Wohnhäuser ab. Parallel dazu führten Sturmböen in Kavvadades zu stundenlangen Stromausfällen, weil umstürzende Bäume die Leitungen kappten. Wenige Monate zuvor sorgte ein unerwarteter Tornado in Lakkoma auf der Halbinsel Chalkidiki für Panik, als er über eine Kartbahn fegte und schwere Gegenstände sowie Zelte durch die Luft schleuderte. Eine historische Dimension zeigte das Phänomen auf der Insel Zakynthos, als Wirbelstürme in den Orten Kalamaki und Argasi ganze Olivenbäume ausrissen und die Dächer von landwirtschaftlichen Stallungen kilometerweit forttrugen.
Das griechische “Bermuda-Dreieck” für Wirbelstürme
Die Daten der griechischen Meteorologen belegen deutlich, dass das Land vor diesen extremen Wetterereignissen nicht mehr sicher ist. Der Nordwesten der Peloponnes sowie die Ionischen Inseln gelten in Fachkreisen inzwischen als das “Bermuda-Dreieck” für die Entstehung von Tornados. Ursache dafür ist das Zusammentreffen von durchziehenden Tiefdruckgebieten aus dem Westen, starken atmosphärischen Druckunterschieden und den thermischen Wechselwirkungen zwischen dem warmen Meerwasser und dem Festland. Als besonders zerstörerisch stufen Experten dabei jene Wasserhosen ein, die sich über dem Meer bilden und anschließend mit voller Wucht auf die Küstenregionen treffen.
Erhöhte Gefahr in den Nachtstunden
Die wissenschaftliche Gemeinschaft warnt davor, dass die sogenannten Übergangsjahreszeiten das höchste Risiko für die westlichen und südlichen Teile des Landes bergen – beginnend im September und reichend bis ins Frühjahr. Die größte Gefahr geht dabei von den Nacht- und frühen Morgenstunden aus. Wenn sich nachts heftige Gewitter oder Hagelschauer entwickeln, sorgt die fehlende Sonneneinstrahlung in Kombination mit dem ohnehin noch warmen Mittelmeer für eine extreme atmosphärische Instabilität. Obwohl diese Wirbelstürme, deren Wolkensäulen bis zu einem Kilometer in die Höhe ragen können, meist nicht länger als 15 Minuten andauern, reicht diese kurze Zeitspanne aus, um eine Schneise der Verwüstung von rund 150 Metern Breite zu hinterlassen.