Athen – Die griechische Polizei hat ein neues, hochmodernes Verkehrsmanagement-System namens „Traffic Commander“ vorgestellt, das dem täglichen Verkehrschaos im Großraum der Hauptstadt entgegenwirken soll. Durch die Bündelung von Echtzeitdaten aus 24 verschiedenen Quellen, den Einsatz von Drohnen und künftige KI-Integration rechnet das Ministerium für Bürgerschutz nach der vollständigen Implementierung im September mit einer spürbaren Verbesserung des Verkehrsflusses um bis zu 30 Prozent.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ziel ist eine Verbesserung des Verkehrsflusses um 25 bis 30 Prozent im Großraum Athen ab September.
- Das System bündelt Daten aus 24 Quellen, unterstützt durch eine Drohnen-Flotte und Bodenkräfte.
- Die Software wurde von der griechischen Polizei ohne zusätzliche Entwicklungskosten in-house programmiert.
Ein In-House-Projekt der griechischen Polizei
Die Einsatzzentrale für Verkehrsüberwachung (THEPEK) im Hauptquartier der Athener Polizei (GADA) ist der Knotenpunkt des neuen Systems. Der Polizeidirektor der Region Attika, Generalmajor Thanassis Kampras, bezeichnete das Projekt als einen entscheidenden Schritt in der digitalen Transformation der Behörde. Die Region Attika gilt mit ihren mehr als vier Millionen Einwohnern als eine der komplexesten verkehrstechnischen Herausforderungen in Europa. Täglich strömen etwa 700.000 Fahrzeuge in das Zentrum der Metropole und bewegen sich auf einem über 1.600 Kilometer langen Straßennetz.
Das System „Traffic Commander“ verarbeitet laut Polizeiangaben jeden Tag rund 50.000 verkehrsrelevante Ereignisse. Dabei greift es auf 24 verschiedene Datenquellen zurück, um den Beamten ein einheitliches Lagebild zu liefern. Der Leiter des Entwicklerteams, Anastasios Kalaitzidis, betonte, dass die Software von internen Ingenieuren der Polizei programmiert wurde und keine externen Entwicklungskosten verursacht habe. Es handele sich nicht nur um eine digitale Karte, sondern um ein Werkzeug, das Informationen in direkt anwendbares Einsatzwissen übersetze. Zukünftig sollen zudem Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) in die Plattform integriert werden.
Großspende der griechischen Reeder
Für die Überwachung aus der Luft greift die Polizei auf eine neue Flotte zurück. Die Vereinigung der Griechischen Reeder (EEE) finanzierte die Anschaffung von zehn hochmodernen Drohnen, die speziell auf polizeiliche Anforderungen zugeschnitten sind. Der Wert der Ausrüstung beläuft sich auf 125.000 Euro. Der Generalsekretär der Reedervereinigung, Dimitris Fafalios, erklärte bei der Präsentation, dass die Spende Teil eines langfristigen gesellschaftlichen Engagements sei. Die Luftaufnahmen sollen eine schnellere Reaktion der Einsatzkräfte bei Unfällen oder massiven Staus ermöglichen.
Verkehrsziele und Fokus auf soziale Sicherheit
Der Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, ordnete das neue Verkehrssystem in eine umfassendere Strategie der sogenannten „sozialen Polizeiarbeit“ ein. Das Verkehrsaufkommen sei, nach den steigenden Lebenshaltungskosten, aktuell das größte Problem für die Bewohner des Großraums Athen. Ziel sei es, mit der bestehenden Infrastruktur die bestmögliche Verkehrssteuerung zu erreichen. Ab September, wenn der reguläre Alltag nach der Sommerpause zurückkehrt, erwarte das Ministerium eine Reduzierung der Verkehrsbelastung um 25 bis 30 Prozent. Um dies zu kontrollieren, wird das System künftig monatliche Auswertungsberichte erstellen.
Im Rahmen dieser bürgernahen Strategie verwies der Minister auch auf die jüngsten Erfolge im Bereich der Verkehrssicherheit. Im ersten Halbjahr 2026 führte die griechische Polizei landesweit rund 1,57 Millionen Alkoholkontrollen durch – eine deutliche Steigerung gegenüber den 750.000 Kontrollen im Vorjahreszeitraum. Dabei wurden 13.613 Fahrer mit überhöhtem Alkoholpegel registriert, was einer Quote von 0,86 Prozent entspricht. Im Jahr 2025 lag der Anteil bei deutlich höheren 2,11 Prozent. Diese Veränderung im Fahrverhalten wertete das Ministerium als konkreten Beleg für die Wirksamkeit der verstärkten Polizeipräsenz auf den Straßen.