Griechenland – Für den dritten Tag in Folge wird das griechische Stromnetz durch extreme Temperaturen auf eine harte Probe gestellt. Wegen der intensiven Nutzung von Klimaanlagen in Privathaushalten und Unternehmen bleibt die Stromnachfrage auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Trotz der massiven Belastung funktioniert das System bislang ohne landesweite Ausfälle. Dieser Stabilitätstest ist vor allem auf die hohe Produktion aus erneuerbaren Energien (Erneuerbare-Energien-Anlagen), die ständige Verfügbarkeit konventioneller Kraftwerke sowie die internationalen Stromverbindungen in die Nachbarländer zurückzuführen.
Für Urlauber, Residenten und Unternehmen in Griechenland bedeutet dies vorerst Entwarnung vor flächendeckenden Blackouts, auch wenn es am Mittwochnachmittag vereinzelt zu lokalen Störungen kam.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rekordbedarf: Am Mittwochnachmittag kletterte die Stromnachfrage auf einen Spitzenwert von 10.618 Megawatt.
- Grüne Dominanz: Über 80 Prozent der Stromproduktion wurden in den Mittagsstunden durch erneuerbare Energien gedeckt.
- Stromexporteur: Trotz der Hitzewelle verzeichnete Griechenland Netto-Stromexporte von 563 Megawatt, unter anderem nach Italien.
Ökostrom als Retter in der Not
Die aktuellen Daten verdeutlichen die gewandelte Struktur der griechischen Energieversorgung. Um 15:00 Uhr am Mittwoch, den 22. Juli, belief sich die Nachfrage auf 10.618 Megawatt – eine der höchsten Lasten des bisherigen Sommers. Gleichzeitig lag die Gesamtproduktion bei 11.532 Megawatt, wodurch sogar ein Energieüberschuss entstand. Erneuerbare Energien lieferten den Löwenanteil und speisten 9.292 Megawatt in das Netz ein, was 80,6 Prozent der gesamten Stromerzeugung entsprach.
Im Vergleich dazu spielten fossile Brennstoffe in dieser Spitzenzeit nur eine untergeordnete Rolle. Gaskraftwerke trugen mit 1.469 Megawatt (12,7 Prozent) zur Versorgung bei, Wasserkraftwerke mit 438 Megawatt (3,8 Prozent). Die einst dominante Braunkohle machte lediglich 333 Megawatt (2,9 Prozent) aus. Ein Teil der überschüssigen Produktion wurde von den nationalen Energiespeichersystemen aufgenommen, die mit einer Leistung von 353 Megawatt geladen wurden.
Lokale Stromausfälle und Exporte ins Ausland
Trotz der positiven Gesamtbilanz kam es in den Ballungsräumen zu punktuellen Engpässen. Kurz nach 15:00 Uhr am Mittwoch wurden in mehreren Vierteln im Zentrum Athens sowie im restlichen Attika Stromausfälle gemeldet. Techniker des griechischen Verteilnetzbetreibers DEDDIE waren im Dauereinsatz, um die lokale Stromversorgung so schnell wie möglich wiederherzustellen. Diese Ausfälle waren zumeist auf überhitzte Transformatoren auf lokaler Ebene zurückzuführen und nicht auf ein Versagen des landesweiten Übertragungsnetzes.
Die enorme Solarproduktion ermöglichte es Griechenland sogar, Energie in großem Stil zu exportieren. Die Bruttoexporte beliefen sich auf 741 Megawatt, denen lediglich Importe von 178 Megawatt gegenüberstanden. Die größten Strommengen flossen in die Türkei (295 Megawatt) und nach Italien (254 Megawatt). Weitere Abnehmer waren Bulgarien und Albanien. Der einzige Stromimport kam in dieser Zeit aus Nordmazedonien.
Sinkende Großhandelspreise dank Solarstrom
Die starke Präsenz der erneuerbaren Energien wirkt sich direkt dämpfend auf die Strompreise aus und fungiert als Bollwerk gegen Preissprünge am Großhandelsmarkt. Nach Angaben der griechischen Energiebörse deckten die erneuerbaren Energien am Donnerstag, den 23. Juli, 52,54 Prozent des Tagesbedarfs ab. Zusammen mit der Wasserkraft lag der Anteil der “grünen” Stromerzeugung bei über 60 Prozent. Die teureren Gaskraftwerke liefen lediglich mit einem Anteil von 30,4 Prozent.
Diese Zusammensetzung spiegelt sich deutlich im Preisgefüge wider: Der durchschnittliche Strompreis für den 23. Juli sank auf 111,72 Euro pro Megawattstunde. Dies entspricht einem Rückgang von 3,6 Prozent gegenüber dem Vortag, an dem der Durchschnittspreis noch bei 115,88 Euro lag – was bereits einem Preisrutsch von 18,5 Prozent im Vergleich zum Wochenbeginn entsprach.
Solange die Hitzewelle anhält, bleibt die Stabilität nach Sonnenuntergang die größte Herausforderung. Ohne die massive Einspeisung der Photovoltaikanlagen in den Abendstunden ist das Netz weiterhin stark von der Flexibilität der Gaskraftwerke und den sich noch im Aufbau befindlichen Speicherkapazitäten abhängig.