Kreta – Eine Schienenverbindung zum neuen Flughafen bei Kastelli wird auf Kreta wieder konkreter diskutiert. Eine ehrenamtliche Initiative mit Fachleuten und Wissenschaftlern will eine Vorstudie für das Projekt vorbereiten. Im Gespräch ist eine Verbindung zwischen Kastelli, Hersonissos und Heraklion, möglicherweise mit einer zusätzlichen Station im Raum Gouves und Kokkini Hani. Eine Entscheidung zum Bau gibt es noch nicht.
Der Bürgermeister der Gemeinde Hersonissos, Zacharias Doxastakis, berichtete im Gemeinderat über die bisherigen Schritte. Er beteiligt sich nach eigenen Angaben als Privatperson an der Initiative. Ihr Ziel ist es, die seit Langem erhobene Forderung nach einem schienengebundenen Verkehrssystem auf Kreta mit belastbaren Daten zu untermauern – gerade im Hinblick auf die künftige Anbindung des neuen Flughafens.
Drei bis vier Bahnhöfe als mögliches Streckenkonzept
Ein derzeit diskutiertes Szenario sieht drei Stationen in Kastelli, Hersonissos und Heraklion vor. Als vierter Haltepunkt kommt die weitere Umgebung von Gouves und Kokkini Hani infrage. Dabei handelt es sich bislang um eine Überlegung, nicht um eine festgelegte Trasse oder bereits genehmigte Bahnhofsliste.
Die Verbindung könnte nach den Vorstellungen der Initiative sowohl Einwohnern als auch Besuchern dienen und den Verkehrsbedarf entlang einer Achse abdecken, auf der durch den neuen Flughafen zusätzliche Belastungen erwartet werden. Ob dafür eine klassische Eisenbahn oder eine andere Form des Schienenverkehrs geeignet ist, soll erst untersucht werden.
Vorstudie soll Fahrgastzahlen und Kosten prüfen
Bevor politische Entscheidungen getroffen werden können, müsse eine Vorstudie zentrale Fragen beantworten, erklärte Doxastakis. Dazu gehören die zu erwartenden Fahrgastzahlen, die geeignete Verkehrstechnologie, mögliche Streckenführungen, Standorte der Stationen und das Verhältnis von Kosten und Nutzen. Die Topografie Kretas spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Nach Angaben des Bürgermeisters haben bereits Planungsbüros positiv auf die Initiative reagiert. Auch Fachleute, die sich früher mit Überlegungen zu einer Eisenbahn auf Kreta befasst hätten, wollten sich einbringen. Unter ihnen nannte er einen Planer mit dem Nachnamen Protonotarios.
Der Vorstoß ist damit noch kein staatlich finanziertes Bauvorhaben. Die Beteiligten wollen zunächst eine fachlich begründete und wirtschaftlich nachvollziehbare Vorlage erarbeiten, über die die zuständigen Ministerien anschließend entscheiden könnten.
Bürgermeister will Regierung mit konkretem Vorschlag befassen
Vor einigen Monaten hätten Vertreter der örtlichen Initiative das Anliegen bei einem Treffen mit Thanasis Kontogeorgis, einem stellvertretenden Minister beim griechischen Ministerpräsidenten, vorgebracht. Dieser habe zugesagt, die Forderung zur Prüfung weiterzugeben, berichtete Doxastakis. Eine Zusage der Regierung, das Schienenprojekt umzusetzen, ergibt sich daraus nicht.
Sobald genügend Material vorliegt, will der Bürgermeister das Thema zusammen mit der Initiativgruppe im Gemeinderat beraten. Auf dieser Grundlage soll der politische Druck auf die Zentralregierung erhöht werden.
Als zusätzlichen Grund für alternative Verkehrsverbindungen führte Doxastakis die Investitionen in den neuen Flughafen sowie die Bedürfnisse von Fluggesellschaften und weiteren Beteiligten an. Nach seiner Darstellung hat eine indische Investorengruppe einen Anteil von 25 Prozent an dem Projekt erworben. Auch deshalb müsse die Erreichbarkeit des Flughafens mit anderen Verkehrsmitteln als dem Straßenverkehr geprüft werden.
Wann eine Vorstudie fertig sein könnte, welche Investitionssumme eine Schienenverbindung erfordern würde und ob die Regierung den Vorschlag aufgreift, ist nach den vorliegenden Angaben noch offen.
Mit Informationen von: Bürgermeister von Hersonissos und Gemeinderat Hersonissos.