Griechenland – Die Implementierung von Künstlicher Intelligenz in der griechischen Wirtschaft verzeichnet ein beispielloses Wachstum. Wie der stellvertretende griechische Entwicklungsminister, zuständig für Forschung und Innovation, Stavros Kalafatis, bekannt gab, nutzen landesweit bereits mehr als 400.000 Unternehmen entsprechende digitale Lösungen. Mit einem jährlichen Zuwachs von 55 Prozent bei der KI-Integration belegt das Land den zweiten Platz im europäischen Vergleich.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Über 400.000 griechische Unternehmen setzen bereits KI-Lösungen ein, davon 34 Prozent systematisch.
- Betriebe mit KI-Integration verzeichnen eine durchschnittliche Umsatzsteigerung von 18 Prozent.
- Griechenland plant den Bau zweier großer KI-Fabriken in Lavrio und Kozani.
- 83,5 Prozent der jungen Menschen in Griechenland nutzen KI-Tools – der höchste Wert in der EU.
- Staatliche Risikokapitalinvestitionen stiegen im Jahr 2025 um 722 Prozent an.
Die Datenauswertung des Ministeriums belegt erhebliche wirtschaftliche Vorteile für die Anwender. Unternehmen, die Künstliche Intelligenz systematisch in ihre Betriebsabläufe integrieren, weisen eine viermal höhere Produktivität auf als ihre direkten Konkurrenten. Derzeit gaben 89 Prozent der anwendenden Betriebe an, dass sich ihre Umsätze durch den Einsatz der neuen Technologien um durchschnittlich 18 Prozent erhöht haben. Etwa 34 Prozent der erfassten Firmen nutzen KI-Systeme bereits als festen Bestandteil ihres täglichen Geschäftsmodells.
Laut Minister Kalafatis verfolge die griechische Regierung eine klare Strategie bei der digitalen Transformation. „Unser Ziel ist es, dass die Künstliche Intelligenz zu einem festen Bestandteil der Gesellschaft und des Unternehmertums wird“, betonte er. Jeder Unternehmer solle, unabhängig von der Betriebsgröße, Zugang zu den notwendigen Werkzeugen für technologische Innovationen erhalten. Trotz der positiven Entwicklungszahlen müsse die Zusammenarbeit mit dem heimischen Innovationsökosystem weiter intensiviert werden.
Qualifizierung und das nationale KI-Programm
Eine zentrale Herausforderung für den weiteren Ausbau bleibt die Verfügbarkeit von Fachpersonal. Während europaweit 75 Prozent der Arbeitgeber Schwierigkeiten bei der Besetzung von KI-spezifischen Positionen melden, erkennen in Griechenland 41 Prozent der Arbeitnehmer den direkten Bedarf an einer beruflichen Weiterbildung in diesem Sektor. Um diese Lücke zu schließen, setzt der Staat auf spezialisierte Ausbildungsprogramme, die von der Grundschule bis zur professionellen Erwachsenenbildung reichen.
Als Basis dient das Nationale Strategieprogramm für Künstliche Intelligenz, welches vollständig mit dem europäischen AI Act harmonisiert ist. Parallel dazu testet die öffentliche Verwaltung den KI-Einsatz in verschiedenen Pilotprojekten. Bemerkenswert ist dabei die hohe Affinität der jüngeren Generation: Nach aktuellen Erhebungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat führt Griechenland die EU-Statistik bei der KI-Nutzung durch junge Menschen mit einem Anteil von 83,5 Prozent an.
Zur Förderung junger Technologieunternehmen wurden zudem strategische Partnerschaften mit globalen Branchenführern wie OpenAI, Google und Mistral AI geschlossen. Über den neu geschaffenen “Greek AI Startup Accelerator” erhalten heimische Entwickler direkten, kostenfreien Zugang zu den fortschrittlichsten Sprachmodellen, um eigene KI-basierte Anwendungen auf den Markt zu bringen.
Staatliche Förderung und Investitionsanreize für Start-ups
Das starke Wachstum wird durch massive staatliche und europäische Finanzspritzen flankiert. Im Jahr 2025 erzielte Griechenland mit einem Anstieg von 722 Prozent die höchste Wachstumsrate bei Risikokapitalinvestitionen (Venture Capital) in Europa, wobei der KI-Sektor diese Entwicklung maßgeblich anführte. Über das nationale Start-up-Register Elevate Greece wurden bereits 1.044 junge Unternehmen mit rund 8.500 hochqualifizierten Mitarbeitern institutionell unterstützt.
Die Kapitalversorgung erfolgt primär über zwei große Kanäle: Das Investitionsprogramm EquiFund stellte über 500 Millionen Euro bereit, während die Griechische Entwicklungsbank weitere 362 Millionen Euro in den Markt pumpte. Um private Geldgeber anzulocken, implementierte der Gesetzgeber einen Steuerabzug für Forschungs- und Entwicklungskosten in Höhe von bis zu 315 Prozent sowie einen 50-prozentigen Anreiz für sogenannte Business Angels. Die neue Ausrichtung der Golden Visa-Regelung zielt zudem gezielt darauf ab, internationales Kapital für das Start-up-Ökosystem zu gewinnen.
Zusätzliche Mittel fließen aus dem europäischen Strukturfonds. Im Rahmen der Förderperiode 2021-2027 stellt das Programm “Forschen – Innovieren” öffentliche Mittel in Höhe von 140 Millionen Euro bereit. Ergänzt wird dies durch die europäischen Initiativen “Horizon Europe” und “Digital Europe”, die griechische Betriebe direkt bei der digitalen Transformation finanziell absichern.
Aufbau neuer technologischer Infrastruktur
Um die technologische Unabhängigkeit und Leistungsfähigkeit zu garantieren, investiert der Staat in massive Hardware-Infrastrukturen. In der Hafenstadt Lavrio entsteht derzeit mit einem Budget von 30 Millionen Euro die erste KI-Fabrik des Landes unter dem Namen “AI Pharos”. Zeitgleich wird die Installation des nationalen Supercomputers Daedalus vorbereitet, für den weitere 60 Millionen Euro veranschlagt sind.
Die Kapazitäten sollen in naher Zukunft weiter aufgestockt werden. Das Entwicklungsministerium bereitet aktuell die Planungen für eine zweite große KI-Fabrik vor, die in der nordgriechischen Region Kozani angesiedelt werden soll. Zudem beobachte die Regierung aufmerksam die europäische Initiative “EU Inc.”, um rechtliche Erleichterungen für grenzüberschreitend operierende Technologieunternehmen schnellstmöglich in nationales Recht umzusetzen.