Athen – Die griechische Wirtschaft setzt ihren Erholungskurs mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten fort. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge, der sich auf den Entwurf des neuen Haushaltsplans stützt, wird das Land im Jahr 2026 voraussichtlich um 2 Prozent wachsen, während für das Jahr 2027 eine noch leicht höhere Wachstumsrate prognostiziert wird. Parallel dazu setzt die Regierung den aggressiven Abbau der Staatsverschuldung fort, was das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte weiter stärkt.
Das Ministerium für nationale Wirtschaft und Finanzen bereitet derzeit die finalen Daten vor. Die bisherigen Eckpunkte des Entwurfs verdeutlichen, dass Griechenland wirtschaftlich schneller expandiert als viele andere Volkswirtschaften der Eurozone. Diese Entwicklung findet statt, obwohl das internationale wirtschaftliche und geopolitische Umfeld weiterhin von Unsicherheiten geprägt ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wirtschaftswachstum von 2 Prozent für 2026 und eine leicht höhere Rate für 2027 erwartet.
- Die Staatsverschuldung soll im Jahr 2027 unter die Marke von 130 Prozent des BIP fallen.
- Griechenland plant für 2026 die vorzeitige Rückzahlung von fast 13 Milliarden Euro an alten Rettungskrediten.
Massiver Schuldenabbau durch Primärüberschüsse
Im Fokus des neuen Haushaltsplans steht die deutliche Reduzierung der Schuldenlast. Den Projektionen zufolge wird die Schuldenquote im Jahr 2026 auf unter 137 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sinken. Für 2027 rechnet die Regierung mit einem weiteren Rückgang auf unter 130 Prozent, was früheren Schätzungen von rund 129,8 Prozent entspricht. Dieser schnelle Abbau wird durch eine Kombination aus stetigem Wirtschaftswachstum, strikter Haushaltsdisziplin und gezielten Sondertilgungen angetrieben.
Ein zentraler Pfeiler dieser Strategie ist der Primärüberschuss. Der Haushaltsentwurf sieht vor, dass dieser finanzielle Puffer – der die Einnahmen abzüglich der Ausgaben vor Zinszahlungen darstellt – sowohl 2026 als auch 2027 bei über 3 Prozent des BIP liegen wird. Solche Überschüsse sind für Ratingagenturen ein entscheidendes Kriterium für die Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Landes.
Zusätzlich forciert Athen die vorzeitige Tilgung jener Kredite, die während der schweren Schuldenkrise der vergangenen Dekade aufgenommen wurden. Bloomberg berichtet, dass die griechische Regierung im Jahr 2026 fast 13 Milliarden Euro an Rettungskrediten vorzeitig zurückzahlen will. Diese Maßnahme senkt die künftigen Zinsbelastungen und beschleunigt den Abbau der Schuldenquote drastisch.
Höchste Bonitätsstufe seit der Eurokrise
Die konsequente Konsolidierung der Staatsfinanzen hat bereits spürbare Auswirkungen auf die Bonitätsbewertung des Landes. Am 18. September 2026 hob die Ratingagentur Scope Ratings die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf “BBB+” mit stabilem Ausblick an. Dies ist das höchste Rating, das dem Land seit dem Ausbruch der Euro-Schuldenkrise verliehen wurde.
Einen weiteren Meilenstein verzeichnete der Kapitalmarkt: Die Athener Börse ist im Jahr 2026 offiziell in die Kategorie der entwickelten Märkte (Developed Markets) zurückgekehrt. Dieser Aufstieg öffnet griechischen Aktien den Zugang zu deutlich größeren internationalen Kapitalpools und unterstreicht den Wandel des Investitionsprofils.
Top-Investoren verlagern Standorte nach Griechenland
Die fiskalische Erholung und die politische Stabilität wecken zunehmend das Interesse globaler Finanzakteure. Nach Informationen von Bloomberg hat der Vermögensverwalter Millennium Management beschlossen, eine Niederlassung in der griechischen Hauptstadt zu eröffnen. Auch der renommierte Hedgefonds-Manager Chris Rokos wählte Griechenland als neuen Standort, nachdem er Großbritannien verlassen hatte. Ein gezielter Mix aus steuerlichen Anreizen und einem soliden makroökonomischen Umfeld macht das Land für solche internationalen Investoren wieder attraktiv.
Die zukünftige Herausforderung für die griechische Wirtschaft wird darin bestehen, das angestrebte Wachstum von über 2 Prozent auch dann aufrechtzuerhalten, wenn die massiven Investitionsspritzen aus dem EU-Wiederaufbaufonds ihren Höhepunkt überschritten haben. Die endgültigen Prognosen hängen stark von der Entwicklung der globalen Wirtschaftsmärkte in den kommenden Monaten ab.