Griechenland – Ein wichtiges Kommunikationssystem für die Sicherheit des griechischen Bahnverkehrs ist weiterhin nicht flächendeckend einsatzfähig. Obwohl GSM-R bereits auf weiten Teilen der Hauptstrecke installiert ist, fehlt die vollständige Einbindung der Züge. Gleichzeitig wartet ein 51,3 Millionen Euro teures Ausbauprojekt nach vorliegenden Informationen seit Monaten auf eine Finanzierungsbewilligung.
Fast vier Jahre nach dem schweren Zugunglück von Tempi bleibt damit ein zentraler Teil der geplanten Modernisierung unvollendet. GSM-R soll die Zugkommunikation verbessern und ältere Verfahren über schriftliche Nachrichten und VHF-Funk ergänzen beziehungsweise ablösen. Es bildet zudem eine technische Grundlage für die Einbindung in das europäische Eisenbahnverkehrsmanagement- und Zugsicherungssystem ERTMS/ETCS.
Finanzierungsantrag liegt seit April zur Prüfung vor
Nach den vorliegenden Angaben wurde die Vorabkonsultation zur Ausschreibung im Dezember 2025 eingeleitet. Das Vorhaben betrifft fünf Streckenabschnitte: Kiato–Rio, Tithorea–Domokos, Thessaloniki–Idomeni, Palaiofarsalos–Kalambaka und Larisa–Volos. Vorgesehen ist sowohl die Erweiterung der GSM-R-Infrastruktur als auch die Beschaffung der erforderlichen mobilen beziehungsweise fahrzeugseitigen Ausstattung.
Ursprünglich wurde das Projekt von der griechischen Eisenbahnorganisation OSE vorbereitet. Die weitere Projektentwicklung und Ausschreibung übernahm die Einheit für strategische Verträge des Nationalen Entwicklungsfonds, bekannt als PPF. Sie soll den Ausbau für die Gesellschaft Sidirodromoi Ellados umsetzen.
Der Antrag auf Finanzierung über das Programm „Verkehr 2021–2027“ soll der zuständigen Verwaltungsbehörde bereits seit dem 22. April 2026 vorliegen. Eine Bewilligung ist nach den Angaben bislang nicht erfolgt. Der Projektetat beträgt 51,3 Millionen Euro einschließlich Mehrwertsteuer.
Funktechnik ist vorhanden – aber nicht durchgängig nutzbar
Auf rund 78 Prozent der Hauptstrecke ist die streckenseitige GSM-R-Technik bereits installiert. Für einen durchgängigen Betrieb reicht das jedoch nicht aus: Auch die Züge benötigen kompatible und einsatzbereite Funkgeräte. Bislang ist die Ausstattung nur in einem Teil der Fahrzeuge vorhanden, sodass das System seine vorgesehene Funktion nicht vollständig erfüllen kann.
Die Verzögerungen reichen weit zurück. Die erste streckenseitige Installation wurde 2018 mit etwa 13 Jahren Verspätung übergeben; die Genehmigung der griechischen Eisenbahnregulierungsbehörde RAS folgte erst im Juli 2022. Bei späteren Bauaufträgen für die Abschnitte Tithorea–Domokos und Kiato–Rio blieb GSM-R dem Bericht zufolge außen vor.
Auch bei der Ausstattung der Züge gab es Probleme. Bereits 2019 wurden 119 sogenannte Cab Radios eingebaut, die im Juli 2023 jedoch noch nicht von der RAS zugelassen waren. Inzwischen mussten Geräte wegen Defekten oder langer Nichtbenutzung überholt werden. Andere wurden aus stillgelegten Zügen ausgebaut, um sie in noch betriebenen Fahrzeugen einzusetzen.
Nokia-Auftrag soll bestehendes Netz modernisieren
Nach achtmonatigen Gesprächen mit dem Hersteller Nokia vergab OSE im April 2025 einen Auftrag über 27,8 Millionen Euro einschließlich Mehrwertsteuer zur Erneuerung und softwareseitigen Aufrüstung des bestehenden Systems. Ein Ziel ist, dass die vorhandene Technik mit den neuen, noch zu installierenden Netzabschnitten zusammenarbeiten und künftig als einheitliches System funktionieren kann.
Der geplante weitere Ausbau soll von einem Auftragnehmer projektiert, genehmigt, technisch umgesetzt, getestet und in das vorhandene Netz integriert werden. Dazu gehört auch die Zertifizierung der Interoperabilität des streckenseitigen GSM-R-Teils.
Vorgesehen sind 67 neue Basisstationen, spezielle Funkausrüstung für anspruchsvolle Tunnelbereiche und die Modernisierung von Endgeräten. Hinzukommen sollen stärkere Verschlüsselung, eine automatische Priorisierung von Anrufen und die Möglichkeit, Vorfälle zu protokollieren. Die Funkversorgung soll auch in abgelegenen Abschnitten, schwierigem Gelände und langen Tunneln verbessert werden.
Der geschätzte Auftragswert liegt einschließlich Preisrevision bei 41,37 Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer. Die Vertragslaufzeit beträgt 48 Monate. Damit handelt es sich bei dieser Summe und dem Gesamtbudget von 51,3 Millionen Euro nicht um zwei zusätzliche Einzelprojekte, sondern um unterschiedliche Angaben zum vorgesehenen Ausbauvorhaben.
Europas Bahnziele erhöhen den Modernisierungsdruck
Parallel drängt die europäische Verkehrspolitik auf schnellere Bahnverbindungen zwischen wichtigen Städten. Als Ziel für 2035 wird eine Reisezeit von sechs Stunden zwischen Sofia und Athen genannt – gegenüber derzeit 13 Stunden und 40 Minuten. Am 20. Oktober forderte auch das Europäische Parlament die Europäische Kommission zu höheren Investitionen in den Schienenverkehr auf. Steigende Kraftstoffpreise erhöhen zugleich den Kostendruck auf Auto- und Flugreisen.
Ob und wann das noch nicht bewilligte GSM-R-Ausbauprojekt tatsächlich ausgeschrieben und umgesetzt werden kann, bleibt offen.
Mit Informationen von: Griechische Eisenbahnorganisation OSE, Nationale Entwicklungsfonds-Einheit PPF, Europäisches Parlament.