Griechenland – Ab dem 1. Mai 2026 tritt ein neues Verfahren für Zahlungsbefehle und Räumungsklagen bei unbezahlten Mieten in Kraft. Zertifizierte Rechtsanwälte ersetzen künftig die zuständigen Richter bei der Ausstellung der gerichtlichen Bescheide, wodurch die Rückgabe von Immobilien an die rechtmäßigen Eigentümer drastisch beschleunigt wird.
Die Entscheidung des griechischen Justizministeriums zielt darauf ab, die massiven zeitlichen Verzögerungen im Justizsystem abzubauen. Bisher entwickelte sich die juristische Auseinandersetzung mit säumigen Mietern oft zu einem kräftezehrenden Marathon. Gerichtstermine wurden erst nach Monaten angesetzt. Die neue Regelung bietet Eigentümern nun ein sofortiges und strukturiertes Instrument, um auf Vertragsverletzungen effizient zu reagieren.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Inkrafttreten: Das neue Verfahren gilt offiziell ab dem 1. Mai 2026.
- Bearbeitungszeit: Die Frist zur Ausstellung des Befehls beträgt exakt 20 Tage.
- Verantwortlichkeit: Zertifizierte Anwälte übernehmen die Aufgabe der Richter.
- Kostenstruktur: 400 Euro für Zahlungsbefehle und 300 Euro für Räumungsbefehle.
- Prävention: Ein neues Mieter-Solvenzregister wird 2026 eingeführt.
Das neue Verfahren zur Beschleunigung von Räumungsklagen
Die Umsetzung des neuen Gesetzes erfordert die Schaffung spezieller Register an jedem zuständigen griechischen Landgericht. Diese Verzeichnisse umfassen ausschließlich Rechtsanwälte, die für die Ausstellung von Zahlungs- und Räumungsbefehlen offiziell qualifiziert sind. Die Auswahl erfolgt nach strengen Vorgaben, um ein Höchstmaß an fachlicher Integrität zu gewährleisten. Die Anwälte müssen eine mindestens vierjährige Berufserfahrung nachweisen.
Zusätzlich wird vorausgesetzt, dass die Juristen keine ausstehenden finanziellen Verpflichtungen gegenüber ihrer jeweiligen Rechtsanwaltskammer haben. Schwere disziplinarische Verstöße in der Vergangenheit führen zum sofortigen Ausschluss. Zudem ist die erfolgreiche Teilnahme an spezifischen Fortbildungsseminaren für dieses juristische Verfahren zwingend erforderlich. Die Listen werden von den Anwaltskammern selbst erstellt und anschließend an die Gerichte übermittelt.
Die Zuweisung der einzelnen Fälle geschieht streng alphabetisch. Dieses standardisierte System soll absolute Transparenz sicherstellen. Selektive Mandatsvergaben oder externe Einflussnahmen werden dadurch ausgeschlossen. Jeder neue Fall landet automatisch beim nächsten verfügbaren Anwalt auf der offiziellen Liste.
Feste Fristen und verbindliche Kosten für Eigentümer
Der größte Vorteil der Gesetzesänderung ist die zeitliche Verbindlichkeit. Ein Anwalt, dem ein Fall zugewiesen wird, ist gesetzlich verpflichtet, die entsprechende Anordnung innerhalb von 20 Tagen zu erlassen. Dieser feste Rahmen beendet die bisherige Praxis der endlosen Vertagungen. Der Vorgang umfasst sowohl die Rückforderung der finanziellen Rückstände als auch die physische Entfernung des Mieters aus der Immobilie nach Ablauf des Vertrages.
Gleichzeitig reguliert der Gesetzgeber die finanziellen Aufwendungen für die Eigentümer. Das Honorar für die Ausstellung eines Zahlungsbefehls ist auf 400 Euro festgelegt. Für einen Räumungsbefehl werden pauschal 300 Euro fällig. Die Beträge müssen von den Vermietern vorab über ein elektronisches System der Anwaltskammer entrichtet werden. Der bearbeitende Jurist erhält seine Vergütung erst nach dem formalen Abschluss der Angelegenheit.
Mieter-Solvenzregister als neues Präventionsinstrument
Trotz der Vereinfachung bleibt der ordentliche Rechtsweg bestehen. Immobilieneigentümer können weiterhin eine reguläre Klage einreichen. Dies ist besonders bei komplexen Streitfragen relevant. Dennoch wird erwartet, dass die schnelle außergerichtliche Anordnung zur primären Wahl bei Standardfällen von Mietrückständen wird. Bis zum 30. April 2026 werden die Anordnungen weiterhin von Richtern ausgestellt, bevor das neue System greift.
Parallel zu den beschleunigten Räumungen führt der Staat ein zusätzliches präventives Instrument ein. Das neue Mieter-Solvenzregister, das sich derzeit in der Pilotphase befindet, soll noch im Jahr 2026 vollständig aktiviert werden. Es soll Eigentümern helfen, die Zuverlässigkeit potenzieller Vertragspartner vorab zu prüfen. Es soll Mietausfälle von Beginn an reduzieren.
Das Register funktioniert durch den Abgleich von Daten mit der Griechischen Steuerbehörde (AADE) und den offiziellen Mietvertragsmeldungen. Dabei wird ein grundlegendes Profil der Zahlungsmoral erstellt. Die Behörden betonen, dass bei dieser Prüfung keine sensiblen wirtschaftlichen Details oder Kontostände der Bürger offengelegt werden.