Griechenland – Die Regierung plant neue Hilfen für die griechischen Fährgesellschaften, um die Folgen gestiegener Schiffskraftstoffpreise abzufedern. Schifffahrtsminister Vasilis Kikilias kündigte weitere Einzelheiten für die kommenden Tage an. Diskutiert wird eine staatliche Übernahme von bis zu 70 Prozent bestimmter zusätzlicher Treibstoffkosten. Ein entsprechendes griechisches Förderprogramm ist bislang jedoch nicht bestätigt.
Kikilias erklärte in einer morgendlichen Fernsehsendung, die Regierung habe sich grundsätzlich für eine erneute Unterstützung des Fährverkehrs entschieden. Gespräche mit Vertretern der Reedereien hätten bereits stattgefunden. Über die konkrete Form und Höhe der Hilfen werde in Abstimmung mit der Regierungszentrale und den zuständigen Ministerien entschieden. Einen Betrag oder einen Zeitpunkt für den Beginn der Unterstützung nannte er nicht.
Der Minister verwies auf die Bedeutung der Fährverbindungen für die Inselbevölkerung, den Warentransport und die Wirtschaft. Neben Tourismus und Handel seien auch kleine Familienbetriebe und Selbstständige auf regelmäßige Verbindungen angewiesen. Nach seinen Angaben hatten frühere staatliche Eingriffe dazu beigetragen, von der Branche angekündigte Ticketpreiserhöhungen von rund 15 Prozent zu verhindern.
Bis zu 70 Prozent des zusätzlichen Kraftstoffaufwands im Gespräch
Die Regierung prüft, ob sie einen Teil des Mehrbetrags übernehmen kann, den höhere Schiffskraftstoffpreise bei den Fährgesellschaften verursachen. Ziel ist es, weiteren Preiserhöhungen bei Fahrkarten und möglichen Kürzungen von Verbindungen entgegenzuwirken. Gerade im Winter sinkt das Passagieraufkommen, während Bewohner und Unternehmen weiterhin auf die Fähren angewiesen sind.
Als mögliche rechtliche Grundlage gilt das europäische vorübergehende Beihilferegelwerk METSAF für die wirtschaftlichen Folgen der Krise im Nahen Osten. Die Europäische Kommission genehmigte diesen Rahmen am 29. April 2026. Er ermöglicht den Mitgliedstaaten unter bestimmten Voraussetzungen nationale Unterstützungsmaßnahmen, unter anderem für den Kurzstreckenseeverkehr innerhalb der EU.
Nach den beschriebenen Regeln können bis zu 70 Prozent der nachweislich krisenbedingten zusätzlichen Kraftstoffkosten berücksichtigt werden. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass 70 Prozent sämtlicher Treibstoffausgaben oder des gesamten Verbrauchs subventioniert würden. Die Mehrkosten müssen dokumentiert und überprüft werden.
METSAF ist selbst kein eigenständiges EU-Auszahlungsprogramm. Griechenland müsste ein eigenes Beihilfesystem festlegen, einschließlich Begünstigten, förderfähigen Kosten, Laufzeit und Auszahlungsverfahren. Der Rahmen ist den vorliegenden Angaben zufolge bis zum 31. Dezember 2026 vorgesehen; auch eine Verlängerung für das folgende Jahr wird genannt. Ein spezielles griechisches Programm für Fährtreibstoffe ist noch nicht genehmigt beziehungsweise bestätigt. Auch Gesamtbudget, Anwendungsdauer und genaue Zugangskriterien stehen aus.
Kikilias hatte bereits in einer Erklärung vom 23. Oktober auf die schwierige Lage im Winter hingewiesen. Als Belastungsfaktoren nannte er zudem die Energiekrise im Zusammenhang mit den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten sowie die Situation an der Straße von Hormus und im Persischen Golf. Bei wirtschaftlich schwächeren Inselrouten stellt sich insbesondere die Frage, wie regelmäßige Verbindungen das ganze Jahr hindurch aufrechterhalten werden können.
Chios: Sorge um die Anbindung während der Flughafenschließung
Ein weiteres Thema ist die geplante viermonatige Schließung des Flughafens von Chios. Sie könnte die Anreise und den Waren- und Personenverkehr besonders dann erschweren, wenn gleichzeitig weniger Fähren verkehren. In der Fernsehsendung wurde darauf hingewiesen, dass die Zahl der wöchentlichen Fährverbindungen im Winter von sechs auf drei zurückgeht. Betroffen wären unter anderem Einwohner, Berufstätige und Militärangehörige, die zwischen der Insel und dem Festland reisen.
Kikilias kritisierte die Abstimmung der beteiligten Stellen und die Planung der Flughafenarbeiten. Sein Ministerium müsse sich nun mit Folgen befassen, die nicht unmittelbar in seinen Zuständigkeitsbereich fielen. Es wolle dennoch mit Fährgesellschaften und lokalen Vertretern nach Lösungen suchen. Zugleich machte er deutlich, dass das Ministerium private Unternehmen nicht einseitig verpflichten könne, zusätzliche Fahrten anzubieten.
Mit Informationen von: Griechisches Ministerium für Schifffahrt und Inselpolitik, Europäische Kommission.